Mr. Wahlberg, „Mile 22“ ist Ihr vierter Film mit Regisseur Peter Berg. Hatte er Sie von Anfang an für die Rolle im Sinn?

Ja, und er erzählte mir schon vor etlichen Jahren davon, während wir gerade an einem anderen Film arbeiteten. Damals sollte dieser CIA-Agent eigentlich noch eine eher kleine Rolle in der Geschichte sein, die ihm vorschwebte. Aber dann wurde doch die Hauptrolle daraus – und ich war natürlich begeistert. Vor allem, weil wir endlich einmal keine reale Geschichte verfilmt haben. In unseren ersten drei gemeinsamen Filmen ging es immer um tragische Ereignisse, die in Wirklichkeit passiert sind, und die Menschen, die darin involviert waren. Das geht einem natürlich schon an die Nieren. Bei „Mile 22“ war dagegen der Spaßfaktor ein bisschen höher. Und womöglich könnte das sogar eine der entscheidenden Rollen meiner Karriere sein.

Tatsächlich?

Oh ja. Schon allein, weil ich es großartig finde, dass James Silva nicht einfach ein grummeliger Anti-Held ist, der nicht viel zu sagen hat. Vielmehr ist das ein Typ, der kein Blatt vor den Mund nimmt, nach seinen eigenen Regeln spielt und sich von niemandem etwas sagen lässt. Diese Rolle hat wirklich verdammt viel Spaß gemacht.

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Gedreht haben Sie den Film in Bogotá in Kolumbien. Dabei spielt die Handlung dort gar nicht, oder?

Nein, das stimmt. Das Land, in dem sie spielt, wird im Film nie explizit genannt. Aber Kolumbien bot uns einfach großartige Drehbedingungen. Wir konnten dort vieles drehen, vor allem Stunt- und Action-Szenen, die in dieser Form in den USA außerhalb eines Studios nie möglich gewesen wären. Für uns wurden eigens Hauptverkehrsstraßen stillgelegt. Ich hatte anfangs keine Ahnung, worauf ich mich einlasse, denn ich war vorher noch nie dort. Aber die Dreharbeiten waren dann eine super Erfahrung: Das Land ist wunderschön und die Menschen waren fantastisch.

Sind Action-Szenen, der professionelle Umgang mit Waffen und all solche Dinge für Sie noch eine Herausforderung?

Nicht unbedingt, schließlich habe ich jahrelange Übung. Bei „Mile 22“ gab es deswegen nichts, was ich nicht schon früher mal gelernt und trainiert hatte. Was für mich die eigentliche Herausforderung war, war mein Gewicht. Pete wollte mich dünner und austrainierter als bei unseren vorherigen Filmen. Nicht so muskulös wie bei „Lone Survivor“. Und auch nicht so schwer und außer Form wie in „Boston“ und „Deepwater Horizon“, wo genau das für die Rollen wichtig war. Ich war also fünf Monate lang auf strenger Diät und habe keinen Alkohol getrunken. Während der Dreharbeiten wollte Pete mich dann ständig zu Wein und Abendessen überreden. Aber selbst auf den letzten Metern bin ich standhaft geblieben.

Mark Wahlberg als James Silva in einer Szene von "Mile 22". Der Film kommt am 13. September 2018 in die Kinos.
Mark Wahlberg als James Silva in einer Szene von "Mile 22". Der Film kommt am 13. September 2018 in die Kinos. | Bild: Murray Close / STX Films / dpa

Sie haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass Sie als junger Mann kein Kind von Traurigkeit waren. Haben Sie dieses Kapitel bewusst abgeschlossen?

Na ja, man muss ja mal erwachsen werden, oder? Das ging eher so Stück für Stück, auch mit meiner beruflichen Entwicklung. Aber der endgültige Wendepunkt kam tatsächlich, als ich wusste, dass ich Vater werde. Da war ich zwar längst kein Jungspund mehr, sondern schon Anfang 30. Doch ich habe mir in dem Moment ganz bewusst vorgenommen, dass nicht mehr über die Stränge geschlagen wird und ich fortan ein vernünftiger Erwachsener bin.

Und dann hielten Sie Ihre Tochter das erste Mal in den Armen …

Ich war überwältigt von der Liebe und von der Freude, die ich fühlte. Aber in diese Gefühle mischte sich auch Angst.

Tatsächlich?

Na klar, eine gewisse Grundangst, die ich im Bezug auf meine Kinder auch heute habe. Machen wir uns nichts vor: Schlechte Einflüsse gibt es überall. Und auch als Vater kann man nur bis zu einem gewissen Grad dafür sorgen, dass sie nicht mit Drogen oder Gewalt in Berührung kommen. Es gibt so vieles, worüber man sich Sorgen machen kann.

Was ist das Wichtigste, das Sie Ihren Kindern mitgeben wollen?

Für mich ist es das Wichtigste, dass meine Frau und ich es schaffen, ihnen eine stabile Familie zu garantieren. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, mit gutem Beispiel voranzugehen und zu zeigen, dass Vater und Mutter dauerhaft zusammenbleiben können. Es würde mich freuen, wenn meine Kinder diesen Zustand als Normalität empfinden.

Was ist das Schwierigste am Vater-Sein?

Es ist alles andere als ein Kinderspiel, die richtige Balance zu finden zwischen streng, fürsorglich und liebevoll. Aber am schwierigsten ist es sicher, nie die Geduld zu verlieren. Außerdem gebe ich mir große Mühe, für meine Kinder immer ein offenes Ohr zu haben. Aber meine Älteste ist mittlerweile ein Teenager, die beschränkt ihre Kommunikation mit mir sowieso auf ein Minimum.