Von Berlin an den Bodensee und wieder zurück nach Berlin – Luise von Finckh ist schon ganz schön rumgekommen in Deutschland. Und jetzt, am Ende ihres Bachelor-Studiums, weiß die Schauspielerin ziemlich genau, wie es beruflich weitergeht, nämlich bei der RTL-Serie „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“. Sie sagt: „Ich bin sehr froh darüber wiederzukommen, aber ich bin auch sehr froh darüber, dass ich die vergangenen Jahre Studentenleben genießen durfte.“

Finckh hatte schon einmal eine kleine Rolle in der Serie, ab dem 11. November (Folge 6126) wird die 22-Jährige montags bis freitags um 19.40 Uhr in einer der Hauptrollen zu sehen sein: Jule Vogt ist die geheimnisvolle Traumfrau von Tuner, gespielt von Thomas Drechsel. Keine Frage, Finckh freut sich darauf – besonders auf den „Whoosh-Moment“, den sie schon immer so toll fand – „wenn sich zu diesem herrlich kitschigen Song und dem Text ,Ich seh‘ in dein Herz …‘ die schönen Schauspielerinnen mit wehendem Haar umdrehten und in die Kamera lachten“. Bald hat die 22-Jährige ihren eigenen Whoosh-Moment – zum inzwischen von Glasperlenspiel gesungenen Titel-Lied.

Als Schauspielerin mag Finckh am liebsten Figuren, „die ehrlich sind, dem Zuschauer einen Einblick in ihre Schwächen gewähren“, wie sie im Interview erzählt. Die Arbeit an einer täglichen Serie sei kein Vergleich zum Dreh eines Kino-Films – Finckh weiß, wovon sie spricht, sie war unter anderem in „Fack Ju Göhte 2“ dabei. „Es ist schon ganz anders, weil eine Serie am Tag ungefähr das doppelte Pensum hat wie ein Spielfilm. Man hat also für die einzelne Szene viel weniger Zeit.“ Für sie bedeute das vor allem gute Vorbereitung. „Montags proben wir die Szenen immer gemeinsam mit dem Regisseur und dem Coach, danach sollte ich vom Gefühl her drehfertig sein. Wenn wir drehen, bleibt nämlich keine Zeit für Fragen und alles muss sitzen.“

Finckhs Figur Jule Vogt packt nach dem Abitur ihre Sachen und tauscht die Provinz gegen die Großstadt. Ein ähnliches Abenteuer hat Finckh 2013 mit dem Umzug nach Friedrichshafen gewagt, wie sie erzählt. „Nun sieht Friedrichshafen auf den ersten Blick nicht so abenteuerlich aus. Aber man könnte es ja auch als Abenteuer betrachten, als Großstadtmädchen in eine 60 000-Einwohner-Stadt zu ziehen. Da muss man sich auch erst mal an das bescheidene, eher ruhige Leben gewöhnen“, lacht sie.

An der Zeppelin Universität studiert Finckh Kommunikations- und Kulturwissenschaften. Ein Freund hatte ihr davon erzählt, erinnert sie sich. „Als ich damals den Campus am Seemoser Horn besuchte, war es wie Liebe auf den ersten Blick. Ich dachte mir: Wenn ich studiere, dann nur hier.“ Was ihr am Studium gefällt: Sie bekommt Erklärungen zu Dingen, die sie privat beschäftigen. Zum Beispiel habe sie sich nach ihrem ersten GZSZ-Aufritt gefragt, warum die Serie so erfolgreich ist. Und: „Ich hätte in meiner Schulzeit nicht gedacht, dass mir das Studium einmal so eine Freude bereiten würde, und dass ich mich vielleicht doch für Politik interessiere.“ Finckhs Bachelor-Arbeit dreht sich um die Frage, „warum die AfD einen so rasanten Zulauf erlebt. Ich will verstehen, warum die Menschen eine solche Angst haben und sich von den Flüchtlingen so bedroht fühlen.“ Dafür untersucht sie Nachrichtensendungen auf ihre Darstellung der Flüchtlingskrise.

Ihr Studium sieht Finckh weder als zweites Standbein noch als Plan B. „Das Studium und die Schauspielerei schließen sich gegenseitig ja nicht unbedingt aus.“ Beides mache ihr Spaß. „Mal sehen, wo mich mein Weg hinführt.“

Ob sie den Bodensee nach dem Ende ihres Studiums vermissen wird, da ist sich Finckh nicht sicher. „Ich glaube, ich verbinde eine gewisse Hassliebe mit diesem Ort. Mir fehlt mein Studentenleben von dort sehr, vor allem meine Freunde. Aber auch die Uni, das Mittagessen in der Seele, die Ruhe und die Überschaubarkeit des Ortes. Die Tatsache, dass man, sobald man das Haus verlässt, einen Freund auf der Straße trifft“, sagt sie. „Ich kann mich aber auch ganz genau daran erinnern, dass ich viele dieser Dinge so sehr gehasst habe, als ich dort gewohnt habe.“

Finckhs Karriere begann, als sie mit zehn Jahren eine Rolle im Musical „Les Misérables“ bekam. Sie sei schon als Kind laut und lebendig gewesen, schmunzelt sie. Ihre Mutter habe sie dann zu ihrem ersten Casting gebracht – „ich bin ihr heute sehr dankbar dafür“. Irgend etwas in ihr habe eben schon immer die Aufmerksamkeit gesucht – „und es gibt mir irgendwie Erfüllung, Menschen zu begeistern“.

Tipp: Am 16. Oktober 2016 moderiert Luise von Finckh gemeinsam mit Professor Marian T. Adolf die BürgerUniversität der Zeppelin Universität Friedrichshafen (18.15 Uhr, Kiesel im k42). Das Thema ist "Erfolg – oder: Warum es so schwer fällt, glücklich zu sein"). Als Gast ist der Konstanzer Schauspieler Oliver Wnuk dabei.
 

Die Serie

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ ist die älteste täglich laufende Serie im deutschen Fernsehen. Das Kürzel GZSZ funktioniert nach 24 Jahren längst wie ein Markenname. Die Seifenoper wurde von 1992 an zunächst in Berlin-Tempelhof produziert, seit 1995 in Potsdam-Babelsberg. Liebe, Hass, Trennungen, Entführungen, Autobomben, Intrigen – es gibt fast nichts, was in GZSZ nicht schon einmal Thema gewesen wäre. Mitte Mai war bereits die 6000. Folge auf RTL zu sehen. 4,02 Millionen Zuschauer hatten dafür eingeschaltet. Die Berlinerin Luise von Finckh (22) ist in der Serie ab November in der Rolle der Jule Vogt (siehe Bild) zu sehen.