Frau Sarnau, in „Endlich Witwer“ wirbeln Sie als quirlige Putzfrau das Leben von Witwer Georg (Joachim Król) kräftig durcheinander. Wie sehen Sie selber Ihre Rolle?

Das Wortspiel passt perfekt: Diese Filmfigur könnte tatsächlich auch Gisela Rückgrat heißen. Gisela ist eine sehr toughe Frau, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt und hinter der ein herbes Schicksal liegt: Auch sie hat einen geliebten Menschen verloren und muss sich nach dem Tod ihres Mannes ganz allein um den pubertierenden Sohn kümmern.

Ihre Filmfigur hat trotz ihres schweren Schicksals den Glauben an das Glück nicht verloren. Können Sie diesen Optimismus nachvollziehen?

Total. Ich versuche auch immer wieder, den Irrungen und Wirrungen des Lebens möglichst positiv zu begegnen. Weil wir ja nur einmal auf dieser Welt sind. Weil ich daran glaube, dass alle „Zufälligkeiten“ am Ende einen Sinn ergeben. Dass man erst hinterher weiß, wozu das alles gut war. Und weil uns das Leben geschenkt wurde, um möglichst Gutes zu erleben und etwas möglichst Positives daraus zu machen.

Gisela trägt das Herz auf der Zunge, sagt was sie denkt und reagiert aus dem Bauch heraus. Sind Sie selber auch eher ein Bauchmensch?

Ich glaube schon. Mein Bauch sagt mir meistens ja oder nein. Doch manchmal bin ich zu schnell, zu impulsiv. Deshalb versuche ich möglichst, mich noch ein bisschen zurückzuhalten und nicht sofort auf mein spontanes Bauchgefühl zu reagieren. Denn das hat mich leider schon öfters in Teufelsküche gebracht. Also sag ich mir: Warte – halte kurz inne. Und dann erst: Go.

Beruflich haben Sie bisher anscheinend alles richtig gemacht: Sie sind zweifache Grimme-Preisträgerin und eine der gefragtesten Schauspielerinnen Deutschlands . . .

Ich hab‘ im Leben schon viel Glück gehabt. Aber ich musste auch oft genug für meinen Erfolg kämpfen. Ich drehe zwar zweimal im Jahr „Polizeiruf 110“, was mir eine gewisse materielle Sicherheit gibt, aber auch ich muss jeden Monat meine Wohnungsmiete bezahlen – und die ist in Berlin nicht gerade niedrig.

Sie scheinen aber doch, auch außerhalb von „Polizeiruf 110“, sehr gut beschäftigt zu sein.

Es gibt Jahre, in denen ich richtig viel zu tun habe. Aber es gibt auch Jahre, in denen eher wenig passiert. Die Leute denken zwar immer, das läuft dufte bei uns Fernsehschauspielern, weil man so oft auf dem Bildschirm zu sehen ist. Aber meist handelt es sich dabei um Wiederholungen.

Kennen Sie selber Existenzängste?

Die meisten Schauspieler, ich schätze mal 70 Prozent, kämpfen sich durch den Alltag und haben zwangsläufig auch Existenzängste. Wenn man freiberuflich arbeitet, schwingt das Risiko immer mit. Als freischaffender Künstler ist man nicht wirklich abgesichert: Obwohl ich seit 20 Jahren in die Arbeitslosenkasse einzahle, hatte ich bisher noch nicht einmal Anrecht auf Arbeitslosengeld – weil man als freiberuflicher Schauspieler einfach nicht genug Arbeitstage zusammenbekommt. Ich finde, das ist ein absoluter Missstand.

Sie haben mal gesagt, dass Sie nicht so der „Boulevardtyp“ sind. Warum?

Ich bin halt in erster Linie Künstlerin, Schauspielerin – das ist das, was mich antreibt. Deshalb liebe ich meinen Beruf. Mich interessieren die Rollen und der Erzählstoff. Ich feiere zwar auch gern mal oder flaniere, wenn nötig, für eine Filmpremiere in einem schicken Kleid über den roten Teppich. Aber das Selbstpräsentieren steht bei mir ganz weit unten auf meiner Prioritätenliste. Ganz oben steht: Ich will spielen!

Sie sind zweifache Mutter. Wie schaffen Sie es, Ihren beiden Kindern und der Schauspielerei gleichermaßen gerecht zu werden?

Man braucht einen guten Papa für die Kinder. Und man muss sich gut absprechen. Man braucht auch Geduld, Ruhe, genügend Schlaf. Vor allem aber braucht man ein gutes Organisationsvermögen – und genügend Geld, um das alles zu bezahlen. Außerdem braucht man ein starkes Gewissen, dass man sagt, es geht auch mal ohne Mama oder Papa. Allerdings bin ich momentan nicht wirklich oft weg. Und bis letztes Jahr hatte ich meine Kinder beim Drehen sogar noch dabei.