Herr Kerner, Sie stehen nun seit Jahren erfolgreich vor der Kamera. Sind Sie vor Moderationen noch aufgeregt oder ist das für Sie alles längst Routine?

Es ist eigentlich beides. Natürlich ist es irgendwo Routine, aber aufgeregt bin ich schon auch – gerade bei großen Shows, Live-Sendungen wie „Ein Herz für Kinder“. Da tritt man auf die Bühne und sieht vor sich 700 Leute im Saal. Dann treten anschließend 70 prominente Menschen auf – und fünf Millionen Menschen schauen vor dem Fernseher zu. Aber ich habe einen Trick, wie ich die Aufregung gut in den Griff bekomme.

Verraten Sie mir den?

Mein Ritual ist es dann, die Zehen ganz fest zusammen zu krallen. Das sieht von außen keiner, aber wenn man das macht, dann erhält man dadurch eine totale Stabilität. Man hat eine ganz andere Körperspannung, steht felsenfest auf dem Boden und wird dadurch automatisch am ganzen Körper ruhig. Wenn ich dann die ersten zwei Sätze gesprochen habe, die Zehen noch immer zusammengekrallt, dann stehe ich plötzlich lockerer und dann kann ich auch loslassen.

Bei Umfragen, wer der schönste deutsche Moderator ist, landen Jörg Pilawa und Kai Pflaume regelmäßig vor Ihnen. Ärgert Sie das?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe immer gesagt: Leute, ihr sucht ja keinen Dressman, sondern einen Moderator.

Sie wurden in Ihrer Karriere ja auch reichlich mit Preisen ausgezeichnet...

Das ist richtig. Ich bin mit allen goldenen Uschis bedient worden in meinem Berufsleben, mit Preisen, die man gern hat und anderen, die man nicht so braucht. Manche eignen sich gut zum Flaschen öffnen, andere eben nicht. Mit dem Bravo-Otto kriege ich zum Beispiel jede Flasche auf (lacht). Es ist eine Wertschätzung und ich will das nicht gering schätzen. Was ich damit sagen will, ist: Ich brauche das nicht für mein Lebensglück. All das ist nicht von Dauer und nicht wirklich bedeutend. Es verändert das Leben nicht.

Wie kämen Sie damit klar, wenn man Ihnen morgen sagen würde: „Herr Kerner, wir brauchen Sie nicht mehr im Fernsehen?“ Die mediale Aufmerksamkeit würde Ihnen sicher fehlen...

Ich muss sagen, dass das heute schon sehr viel weniger geworden ist. Ich mache jetzt gut 20 Sendungen im Jahr, früher habe ich zwischen 130 und 150 Sendungen gehabt, dazu Olympia, meine Talk-Show, Fußball-Berichterstattung, den Jahresrückblick im ZDF, da kam einiges zusammen. Jetzt habe ich ein paar schöne Sendungen, die alle zur Prime-Time um 20.15 Uhr laufen, damit bin ich sehr zufrieden.

Wie aktiv sind Sie in den sozialen Medien?

Ich bin bei Instagram, Facebook ist nicht so mein Ding – aber die kommen auch gut ohne mich zurecht, wie ich merke (lacht). Was mich bei Facebook schon immer stört, ist der Begriff „Freunde“. Das habe ich irgendwie immer als die Entwertung wirklicher Freundschaft empfunden.

Was bedeutet Freundschaft für Sie?

Ich habe nur ganz wenige Freunde, aber das sind gute Freunde. Das bedeutet, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Füreinander da sein, aufrichtiges Interesse. Freundschaft lebt, auch wenn man mal ein paar Wochen keinen Kontakt hatte – man aber sofort immer wieder daran anknüpfen kann.

Was würden Sie sagen: Wie viele echte Freunde haben Sie?

Bei meinen männlichen Freunden sind das vier. Es gibt noch einen erweiterten Freundeskreis, da gehören dann natürlich noch mehr dazu. Ich würde sagen, es sind eine Hand voll wirklich guter Freunde, ich denke, damit ist man schon gut bedient. Ich habe auch ein, zwei Frauen, die enge Freundinnen sind. Mit denen habe ich zwar wenig Kontakt, aber wir gehen hin und wieder was trinken, quatschen dummes Zeug. Die würde ich sogar mal anrufen, wenn es mir nicht gut geht.

Was macht Sie denn glücklich?

Ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern. Ein gutes Verhältnis zu meiner Ex-Frau, eine gute Zeit mit meiner Freundin, Spaß am Job, Spaß am Sport. Ich liebe es, Sport zu machen. Das war es auch schon. Wenn die Kinder gesund sind, dann bin ich schon weit im grünen Bereich (lacht).

Sie pflegen ja nach wie vor einen freundschaftlichen Kontakt zu der von Ihnen getrennten Frau...

Ja, und das ist mir auch sehr wichtig. Britta ist für unsere Kinder die beste Mutter der Welt. Wir treffen uns einmal im Monat, trinken dann zusammen Tee und besprechen, was es zu besprechen gibt. Das funktioniert ganz wunderbar. Wir verstehen uns gut und das macht mich sehr glücklich.