„Als ich sechs war/ Mussten wir uns're Sachen packen und unendlich weit wegfahr'n / Seit dem siebten Lebensjahr wurd’ ich mit Nazis und Skins groß / Und spürte am eigenen Leib jede Art von Rassismus / Hass bringt Menschen dazu, ihre Reue zu verlieren / So entstanden Narben, die mein’ Kopf bis heute noch verzieren.“ Nur wenige Rapper in Deutschland haben sich im vergangenen Jahr zur Flüchtlingskrise und zur Weltpolitik geäußert. Der Trend, das zeigt der Blick in die Charts, geht eher zu Party-Musik mit entspannten Beats. Der Essener Rapper KC Rebell aber markiert ein echtes Gegenprogramm. Und das hat seine Gründe …

Der kurdischstämmige Hüseyin Kökseçen und seine Eltern lebten drei Jahre lang in einem Asylbewerberheim in Magdeburg – die schwierigste Zeit seines Lebens, wie er sagt. Dem Rapper zufolge konnte man die ausländischen Familien in Magdeburg Mitte der 90er an einer Hand abzählen. Hüseyin wurde immer wieder Opfer von Attacken aus der rechten Szene, das Wohnheim, in dem er lebte, wurde mehrfach angezündet. Weil er selbst die Situation kaum ertrug, tat der heute 29-Jährige alles dafür, um ihr zu entkommen: Auf dem Gymnasium gab er Gas und gehörte zu den besten Schülern seiner Klasse, außerdem entdeckte er den Fußball als große Leidenschaft.

Als die Familie in den Ruhrpott zog, kam dem jungen Kurden seine neue Heimat wie das Paradies vor: „Da waren plötzlich Leute, die wie ich geredet haben!“ Vor allem mit dem Fußball lief es spitze: KC Rebell spielte an der Seite von Mesut Özil in der Jugend von Rot-Weiss Essen, war sogar Kapitän. Dann kam es allerdings zu zwei Schlüsselmomenten, die seine Karriere als Rapper einleiteten. Nach einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters rastete Hüseyin aus und wurde handgreiflich – das Ende seiner Karriere als Fußballer. KC Rebell konzentrierte sich fortan voll auf die Musik: Bei der Abschlussfeier seiner Schule betrat er die Bühne und rappte einen (selbstverständlich wenig schmeichelhaften) Diss-Track gegen seinen scheidenden Direktor und erntete tosenden Applaus. Gemeinsam mit Ruhrpott-Weggefährten wie PA Sports und Manuellsen mischte KC Rebell in der Folge das Rap-Geschäft ordentlich auf. Sein erstes Album „Derdo Derdo“ erschien 2011, zwei Jahre später wechselte er zum Erfolgs-Label Banger Musik.

Für Hüseyin Kökseçen ist es besonders wichtig, dass seine Texte keine hohlen Satzhülsen enthalten. Im Interview mit dem Magazin "Noisey" erklärte der Rapper dazu einmal: „Ich möchte nicht alles von meinem Leben preisgeben, sondern nur die Dinge, die wertvoll für andere sind. Wenn ich mir denke, dass ich durch meine Disziplin oder meinen starken Charakter meinen Mitmenschen etwas mitgeben kann, dann mache ich einen Hoffnungs-Song. In einem anderen Fall rede ich von einer gescheiterten Beziehung und erzähle, wie ich damit fertig geworden bin. Damit erzähle ich den Leuten von meiner Erfahrung.

“ KC Rebell lässt sich ganz bewusst nicht nur auf bestimmte Inhalte festnageln und schreckt auch nicht vor unpopulären Aktionen zurück. Das ziemlich flache Liebeslied „Bist du real“ veröffentlichte er über den YouTube-Kanal von Dagi Bee, die im Video die Hauptrolle übernahm – der 29-Jährige erntete Hohn, Spott und jede Menge Kritik, aber eben auch knappe 40 Millionen Klicks.

Doch KC Rebell kann auch ganz anders: Nachdem es zwischen ihm und dem Bonner Rapper Xatar, der wegen eines Überfalls zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, zu anhaltenden Sticheleien kam, veröffentlichte KC Rebell den knallharten und in der Hip-Hop-Szene gefeierten Diss-Track „Dizz Da!“. Der Streit eskalierte, als sich Anhänger beider Parteien in Köln eine blutige Auseinandersetzung lieferten – mittlerweile sind die Wogen geglättet, die beiden Sprechgesangs-Artisten haben sich geeinigt ("Ich war schon immer für den friedlichen Weg", schrieb KC Rebell dazu auf Facebook) und konzentrieren sich wieder aufs Wesentliche.

Im November veröffentlichte KC Rebell sein nunmehr sechstes Album „Abstand“ , das abermals extrem erfolgreich einschlug und nach „Rebellution“ und „Fata Morgana“ als drittes KC-Rebell-Release in Folge die Chart-Spitze erreichte und dem 29-Jährigen offiziell in die Liga der erfolgreichsten deutschen Rap-Stars hievte. Parallel dazu hat der Musiker sich auch noch ein zweites Standbein aufgebaut: Als Betreiber der „Rebel Lounges“ gehört ist er in Deutschlands Shisha-Bar-Szene erfolgreich. Ein Friseurgeschäft in Mannheim nennt er inzwischen auch sein Eigen.

Im Moment steht wieder die Musik im Vordergrund – und da ist KC Rebell inzwischen wirklich im Mainstream angekommen. Auf Adel Tawils aktueller Single "Bis hier und noch weiter" sind sowohl KC Rebell als auch Summer Cem dabei. Etliche Konzerte der laufenden Tour sind bereits ausverkauft – für die Auftritte am 4. April in Zürich, am 7. April in Ravensburg und am 8. April in Freiburg gibt es noch Karten.

KC Rebell feat. Xavier Naidoo "Fata Morgana":

KC Rebell feat. Moé "Bist du real" (mit Dagi Bee):

KC Rebell "Alles & Nichts":

KC Rebell feat. Farid Bang "Ballermann":

Adel Tawil feat. KC Rebell und Summer Cem "Bis hier und noch weiter":