Nick Robinson hat – ungewöhnlich für einen Schauspieler in seinem Alter – mit sozialen Medien wenig am Hut. Ja, er hat ein Instagram-Profil (1,4 Millionen Abonnenten), ist hin und wieder auf Twitter unterwegs (165.000 Follower) und bei Facebook findet man ihn selbstverständlich auch (62.000 Fans). Früher sei er da deutlich aktiver gewesen, gibt er zu. „Aber als dann damals ,Jurassic World’ in die Kinos kam und plötzlich die Aufmerksamkeit für meine Person deutlich größer wurde, machte mich das irgendwie nervös.“ Es habe ihn verunsichert, in der Öffentlichkeit zu stehen und online Persönliches zu teilen – „also habe ich mich zurückgezogen“. Und dabei blieb es, zumindest teilweise. Schade eigentlich, denn der 23-Jährige hat durchaus was zu sagen.

Er sagt, was ihm wichtig ist

Zum Thema Politik zum Beispiel äußert sich der Schauspieler immer wieder gern. „In Zeiten wie diesen kann man nicht nicht politisch sein“, sagt er. Zwar habe er eigentlich nicht das Bedürfnis, seine private Meinung in die Welt hinauszuposaunen, „aber bei allem, was in unserem Land gerade vorgeht, darf man nicht schweigen“. Sollte das mal besser werden, „dann halte ich auch wieder den Mund“, verspricht er.

So viel Selbstbewusstsein hatte er nicht immer – gerade, wenn er an die Schule denkt. Es sei eine „emotional anstrengende Zeit“ gewesen, voller Verunsicherung und Ungewissheiten. „Kein Wunder, dass so viele Filme darüber gedreht werden“, sagt er. „Ich glaube, ganz viele, wenn nicht fast alle Schülerinnen und Schüler in einer High School verstecken ihr wahres Ich oder zumindest Teile ihrer Persönlichkeit. Einfach, weil sie Angst haben, nicht akzeptiert und womöglich sogar dafür fertig gemacht zu werden.“ Dieses Gefühl, nicht man selbst sein zu können, weil das negative Auswirkungen haben könnte, oder nicht genau zu wissen, wer man ist und wo man hingehört – das kennen alle Teenager. Auch Simon, den Robinson im Kino-Film „Love, Simon“ spielt.

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Die Rolle sei mit einer gewissen Verantwortung einhergegangen, sagt Robinson über die Figur des schwulen Simon. Sein Bruder habe sich vor einiger Zeit geoutet. „Ich weiß deswegen sehr gut, was es heißt, diesen Schritt zu gehen. Und vor allem weiß ich, wie wichtig es ist, sich als junger homosexueller Mensch auf der Leinwand wiederzufinden und repräsentiert zu sehen.“

„Love, Simon“ lässt manch schwierige Themen aus, und Robinson gibt zu, dass der Film „eine leicht idealisierte Realität“ zeigt. „Vermutlich läuft bei vielen High-School-Kids das Coming-Out nicht ganz so glatt ab.“ Aber „Love, Simon“ sollte kein Problem-Film sein, sondern eine Geschichte erzählen, „die Mut macht und ein positives Beispiel setzt“. Den Machern sei es wichtig gewesen, „Optimismus und Hoffnung zu verbreiten, statt Ängste zu schüren.

Privates bleibt privat

Dass Schauspieler unter einem gewissen Druck stehen, ihre sexuelle Identität öffentlich zu machen, weiß Robinson – hält aber nichts davon, „weil es doch für eine Rolle das Beste ist, wenn das Publikum so wenig wie möglich über die Privatperson des Schauspielers weiß“. Die sei für den Film unbedeutend. „Gleichzeitig haben heutzutage alle Menschen, nicht nur Schauspieler, scheinbar das Bedürfnis, über soziale Netzwerke der Welt mitzuteilen, wer sie sind.“

Eigentlich erfrischend, wenn ein Schauspieler, der seine Karriere noch vor sich hat – das alles so entspannt angeht. Vielleicht liegt es daran, dass Robinson das älteste von sieben Kindern ist, dass er schon als Kind auf der Bühne stand oder dass er fünf Jahre lang eine Rolle in der TV-Serie „Melissa & Joey“ hatte. Da lässt man sich eben nicht (mehr) so schnell aus der Ruhe bringen.