Herr Haller, wie fällt Ihr allgemeines Fazit bei Promi Big Brother aus?

Es ging vor allem um die eigene Beherrschung. Ich habe entdeckt, dass ich doch ein ziemlich beherrschter Mensch bin. Und das, obwohl es mit dem teilweise extrem wenigen Essen und wenig Schlaf eine ganz heiße Nummer war. Da war es tatsächlich nicht immer einfach, einen kühlen Kopf zu behalten.

Sie haben aber den Eindruck hinterlassen, dass das für Sie kein Problem war. Sie waren der einzige, bei dem die Nerven nie so blank lagen, dass sie weinen mussten. Gab es bei Ihnen eine brenzlige Situation?

Von den Nerven her war ich sehr stabil. Das Schlimmste war wirklich der Tag, bevor ich rausflog. Wir haben eine Handvoll Reis und eine Handvoll Erbsen sowie eine Banane und ein kleines Stück Brot für sechs Personen bekommen. Wenig Essen, wenig Schlaf und müde zu sein, das war richtig hart. Wenn ich nochmal ein oder zwei solche Tage gehabt hätte, dann wäre es sicher schwierig geworden.

Wie sehr hat Ihnen die Zeit bei „Die Bachelorette“ und „Bachelor in Paradise“ geholfen, da das Format „Promi Big Brother“ doch sehr ähnlich war?

Das war sicher ein Vorteil, da ich das Gefühl bereits kannte, mit fremden Menschen in einen Raum zu kommen. Da ist es vor allem am Anfang schwer, sich einen Position in der Gruppe zu erarbeiten und zu schauen, wo man steht. Da kommt es vor allem auf Demut und Teamspirit an.

Es wurde gesagt, dass Sie Ihr Bild in der Öffentlichkeit ändern wollten. Inwiefern?

Wenn ich Leute auf der Straße getroffen habe, die ein Bild mit mir machen wollten, sagten viele, dass sie nicht gedacht hätten, dass ich so nett sei. Sie haben alle mit einem arroganten und hochnäsigen Johannes gerechnet. Dies kam durch den Fernsehschnitt eben so rüber. Bei „Promi Big Brother“ werden die Menschen anders gezeigt. Da geht es mehr um Charakter und Persönlichkeit. Deshalb denke ich, dass mich einige von einer ganz anderen Seite gesehen haben.

Sie haben ja von Beginn an Sympathiepunkte gesammelt. Schnell kristallisierte sich ein Team Johannes heraus. Sind Sie wirklich ein so großer Teamplayer?

Ich bin sicher ein Teamplayer, absolut. Und ich hatte anfangs tatsächlich auch so etwas wie die Chefrolle bei „Promi Big Brother“. Allerdings hatte ich sie weder gesucht noch gewollt. Es gab halt niemanden, der mal gesagt hat, was gesagt werden muss und auf den Tisch gehauen hat. Es gab eben einige, die mehr auf Party aus waren, als auf koordinierte Aktionen, was vor allem auf der Baustelle wichtig war.

Inwiefern?

Es ging darum, dass wir auf der „Baustelle“ unseren Alltag bestreiten können. Dazu mussten die Aufgaben bewältigt werden, um beispielsweise Besteck zu bekommen.

Sie hatten eine unglaubliche Freundschaft mit Alphonso Williams, auch wenn Sie vom Typ her eher kontrovers erschienen. Wie kam das?

Ich habe mich mit Alphonso wirklich vom ersten Tag an super verstanden. So richtig zusammengeführt haben uns aber die Live-Duelle und Herausforderungen. Außerdem hatten wir die gleiche Einstellung, dass wir für das Team arbeiten wollten. Es geht nicht um den Einzelnen.

Sie beide waren ja auch die absoluten Frohnaturen…

…Wir haben tatsächlich extrem viel miteinander gelacht. Was dabei ganz wichtig war, wir konnten auch über uns selber lachen. Das war nicht bei jedem so.

Es gab ein Live-Duell, bei denen Sie haushoch von Alphonso Williams besiegt wurden. War das Absicht, weil es ihm in dem Moment nicht so gut ging und sie ihn in die „Villa“ befördern wollten?

Ich kannte die Voraussetzungen sicherlich. Mein Ehrgeiz, zu gewinnen, war an diesem Tag einfach sehr gering. Außerdem hatte ich tatsächlich meine Probleme bei der Ausführung der Aufgabe.

Wie kommen Sie auf die Idee, Kamillentee zu rauchen?

Not macht erfinderisch (lacht). Ganz ehrlich, das war auf der „Baustelle“, als es keine Zigaretten mehr gab. Da lag plötzlich dieser Teebeutel vor mir und ich dachte, das sieht doch auch ein bisschen wie Tabak aus. Da habe ich es einfach probiert. Es ist sicher nichts zum Nachmachen, aber in der Not frisst der Teufel eben Fliegen. (lacht)

Sie haben es also tatsächlich dort ausprobiert?

So ist es. Es ist sicher keine Leidenschaft von mir, einfach irgendwas zu rauchen, wobei Kamillentee durchaus schmeckt.

Was war bei „Promi Big Brother“ für Sie die größte Herausforderung?

Das war sicherlich das Zusammenhalten des Teams, vor allem auf der „Baustelle“. Das war mir einfach auch wichtig. Vor allem, wenn es mal wieder gekracht hat. Besonders schlimm war es ja zwischen Sophia Vegas und Silvia Wollny. Als die beiden auf der „Baustelle“ aufeinandertrafen, war es ganz krass.

Hatten Sie bei einem der Kandidaten das Gefühl, dass er oder sie komplett mit Kalkül dabei sind?

Es gab bei einigen immer wieder Situationen, bei denen es so hätte sein können. Ich weiß das allerdings nicht, weil ich keinen kannte, außer Chethrin Schulze. Bei ihr war es teilweise schon komisch, das sie sich immer mal wieder als das unschuldige Mädchen präsentierte, dann aber nur noch im BH über die „Baustelle“ lief. Das passte einfach nicht. Da ging es ums Polarisieren.

Gibt es Kandidaten, mit denen Sie nach „Promi Big Brother“ unbedingt in Kontakt bleiben wollen?

Auf jeden Fall, ganz vorne natürlich Alphonso Williams. Mit ihm habe ich einen ganz tollen Kumpel kennengelernt, Aber auch Nicole Belstler-Boettcher hat ihr Herz am richtigen Fleck. Sie ist in der Show über sich hinaus gewachsen. Dann Cora Schumacher, die ebenfalls eine ganz liebe Frau ist, die es durch ihre Krankheit aber nicht einfach hat. Silvia und ich werden uns sicherlich nicht regelmäßig zum Kaffee treffen, aber sie ist jemand, die mich auf jeden Fall inspiriert.

Wie geht es jetzt weiter?

Jetzt geht es erst einmal mit meiner Freundin Yeliz auf die Malediven auf ein Filmfestival. Dort sind wir etwas mehr als eine Woche. Danach stehen noch vereinzelte Termine an, bevor es auf die nächste Baustelle geht: nach Hause ins Büro. Ich muss dort erst einmal meine Post machen und alles auf Vordermann bringen.

Fragen: Reiner Jäckle