Herr Cortez, in Ihrem neuen Film "Ein Sommer in Salamanca" sprechen Sie mit spanischem Akzent. Ist Ihnen das schwer gefallen?

Nein, gar nicht, das läuft ganz von allein. Ich hab' das ja schon so oft gemacht – das ist halt so, wenn man Cortez heißt. (lacht)

In dem Film spielen Sie den Weltenbummler Pablo. Wie finden Sie ihn?

Ich sag' mal so: Er ist jemand, der noch nie wirklich Verantwortung übernommen hat, er ist leicht chaotisch und funktioniert anders als der Rest, aber er ist ein Macher, jemand mit einem starken Willen. Diese Leichtigkeit und diese Freude am Leben, das ist etwas, das ich auch mitbringe, genauso wie dieses Anpacken. Im Drehbuch war die Rolle am Anfang ein bisschen lethargischer angelegt. Pablo hat nichts auf die Reihe gekriegt und war einfach nur unzuverlässig – ein richtiger Klischee-Aussteiger. Ich wollte da ein bisschen gegensteuern, und am Ende hat er mehr Verantwortung bekommen und mehr Energie, was der Figur gut getan hat. Das ist meine Energie – ich bin sehr aktiv, jemand, der ständig arbeitet und viel Verantwortung trägt.

Gedreht wurde ja im Hochsommer. War das anstrengend in der Hitze?

Ich muss ganz ehrlich sagen: Der Dreh war für mich ein Highlight im vergangenen Jahr. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, und die Landschaft ist einfach wahnsinnig schön. Aber ja, es war heiß. Es gab ein paar Tage, als wir in einer Senke den Arbeitseinsatz gedreht haben, die waren brutal. Und da ging's uns Schauspielern ja noch gut, wir konnten zwischendurch immer in den Schatten gehen. Aber die armen Kameraleute …

Im Mittelpunkt des Films stehen zwei Schwestern, die im Urlaub helfen, den Pfad zu einer Quelle am Jakobsweg zu sanieren. Könnten Sie sich so etwas auch vorstellen?

Das wäre sicher nicht uninteressant, aber ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich arbeite ja sehr selbstbestimmt, da kann ich immer mal sagen: So, jetzt mache ich ein Projekt, bei dem ich anderen helfe. Ich finde aber die Idee, so etwas im Urlaub zu machen, grundsätzlich nicht schlecht. Ich bin ohnehin jemand, der auch im Urlaub immer aktiv ist. Ich könnte mich nicht 14 Tage lang an den Swimmingpool hocken und gar nichts tun. Das finde ich ganz fürchterlich.

Waren Sie schon auf dem Jakobsweg?

Nein, obwohl ich darüber schon viel nachgedacht habe. Aber wenn man das richtig macht, dann ist man bestimmt einen Monat unterwegs. Sich diese Auszeit zu nehmen, ist nicht so einfach. Und man muss dafür ja auch trainieren. Viele gehen das so unbedarft an und rennen einfach los. Aber das sind schon echt viele Kilometer, die man da zurücklegen muss, mit Gepäck auf dem Rücken in sehr heißen Temperaturen. Das muss man sich gut überlegen.

Der Film vermittelt eine Lebenseinstellung, die gut in unsere Zeit passt. Stichwort: Nachhaltigkeit. Dazu passt es irgendwie, dass Sie jetzt einen Hofladen in Berlin betreiben.

Es sind sogar mehrere.

Wie viele?

Wir sind gerade an Nummer drei dran. Wir haben innerhalb von eineinhalb Jahren die ersten beiden Läden aufgebaut. Das passt wirklich sehr gut in die Zeit und ist auch etwas, mit dem ich mich identifizieren kann. Das Wichtige an der ganzen Sache ist für mich aber die Regionalität, das heißt: kurze Wege, Bauern, die ich kenne, artgerechte Tierhaltung. Ich finde es gut, wenn ich nachvollziehen kann, woher meine Lebensmittel kommen, und wenn wir wieder lernen zu genießen. Und es geht mir auch um diesen ganzen Plastikwahnsinn – ich versuche schon, in meinem Alltag kein Plastik zu verwenden. Aber wir müssen alle unser Denken verändern. Wir denken immer, Fortschritt ist die Lösung für alles, weil wir uns jahrhundertelang nur über den Fortschritt definiert haben. Aber ich glaube, dass Rückschritt der neue Fortschritt ist. Es geht ja nicht darum, dass wir wieder wie im Mittelalter leben. Aber wenn wir nicht umdenken, dann haben wir ein Problem. Eigentlich haben wir das Problem schon längst, es wurde nur lange verleugnet.

Wie oft stehen Sie selbst im Laden?

Mehrmals in der Woche. Also eigentlich immer, wenn ich nicht gerade drehe oder andere verrückte Dinge mache. (lacht)

Miyabi Kawai und Manuel Cortez sind seit vielen Jahren ein Paar und arbeiten auch immer wieder zusammen.
Miyabi Kawai und Manuel Cortez sind seit vielen Jahren ein Paar und arbeiten auch immer wieder zusammen. | Bild: Jörg Carstensen / dpa

Achten Sie auch auf Nachhaltigkeit, wenn Sie Kleidung kaufen?

Ja, aber das ist gar nicht immer so einfach. Und ich muss auch sagen: Ich bin natürlich nicht unfehlbar. Aber ich versuche, bewusst einzukaufen, und ich werde darin auch besser. Früher hat das Geld einfach nicht gereicht für die teuren, nachhaltigen Produkte. Aber jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich weiß: Ich habe alles. Nichts von dem, was ich heute noch will, brauche ich wirklich. Deshalb habe ich mir verboten, neue Kleidung zu kaufen. Nur wenn etwas kaputt ist und ich wirklich etwas Neues brauche, kaufe ich Ersatz. Das waren zuletzt Laufschuhe.

Sie sind in Portugal aufgewachsen, aber man liest über Sie immer als "der gebürtige Freiburger". Haben Sie noch Kontakte in die Region?

Gar nicht! Ich bin in Freiburg geboren, das war's. Ich wäre lieber "der gebürtige Lissabonner", das würde der Wahrheit wesentlich mehr entsprechen. Aber ich habe in Freiburg das Licht der Welt erblickt und weiß nur noch, dass es da Bächle gibt.

Sie haben schon viele Reality-TV-Formate gemacht, zuletzt zum Beispiel "Das große Promibacken" und "Global Gladiators". Was hat Ihnen bisher am meisten Spaß gemacht?

"Let's Dance" – mit Abstand. Das war etwas ganz Besonderes, nicht nur, weil ich die Show gewonnen habe. Es war eine unglaubliche körperliche Anstrengung, aber es war toll, jeden Freitag vor so vielen Leuten tanzen zu dürfen. Ich liebe tanzen, und ich habe eigentlich immer sehr gerne getanzt – aber dann jahrzehntelang gar nicht mehr. "Let's Dance" war für mich noch mal ein toller Ausflug auf die Bretter, die die Welt bedeuten. "Das große Promibacken" war für mich auch etwas Besonderes. Ich koche sehr gerne, aber Backen war ehrlich gesagt nie meine Baustelle. Ich bin nicht der Süßigkeiten-Typ – ich esse gern deftig. Aber das war die Chance für mich, das zu lernen. Ich lerne einfach gern neue Dinge. Und wenn ich die Chance habe, in so einer Sendung innerhalb von mehreren Wochen alles zu lernen, was es zu lernen gibt, dann sauge ich das auf. Ich habe jetzt zwar schon länger keine vierstöckige Torte mehr gebacken – aber ich könnte es. Ich habe meiner Familie und meinen Freunden zu der Zeit unglaubliche Torten gebacken und da sehr viel Kreativität reingesteckt. Ich erinnere mich zum Beispiel an meine Kristalltorte. Ich war der Erste, der so eine Kristalltorte in der Sendung gebacken hat, und jetzt gab es eine ganze Sendung mit der Aufgabe, genau so eine Kristalltorte zu backen. Da war ich ein bisschen stolz. (lacht)

Tänzerin Melissa Ortiz-Gomez und Schauspieler Manuel Cortez 2013 in der RTL-Tanzshow "Let's Dance".
Tänzerin Melissa Ortiz-Gomez und Schauspieler Manuel Cortez 2013 in der RTL-Tanzshow "Let's Dance". | Bild: Rolf Vennenbernd / dpa

Gibt es ein Format, das Sie gern noch machen würden? Das Dschungelcamp vielleicht?

Nee, nee, nee. "Global Gladiators" war schon sehr weit von dem entfernt, was ich normalerweise tue. Ich hab’s mir auch anders vorgestellt, wenn ich ehrlich bin. Ich bereue nicht, dass ich teilgenommen habe, ich mag ja auch gerne Action. Ich hatte bloß gedacht, dass es vor allem um sportliche Wettkämpfe geht. Aber so oder so: Es war geil! Eine krasse Erfahrung. Allein die Reise durch Thailand im Container, aber auch die Challenges, denen wir uns stellen mussten. Aber ich bin eben jemand, der sagt: Wenn ich so etwas mache, dann will ich auch was lernen und aktiv sein. Aber im Dschungelcamp, da macht man doch eigentlich nichts außer rumzusitzen. Man darf sich nicht wirklich bewegen und bekommt wenig zu essen. Das ist für mich eher eine Frage von Folter als von Unterhaltung.

Von Thailand haben Sie bei "Global Gladiators" viel gesehen, oder?

Ja. Wir waren jeden Tag woanders und haben die krassesten Orte gesehen – da wäre ich sonst bestimmt nie hingekommen. Und ich musste mich Aufgaben stellen, denen ich mich sonst nie gestellt hätte. Das gibt's im Dschungel natürlich auch. Aber in diesem Camp eingesperrt zu sein, das wäre gar nicht meins, null. Da würde ich sehr schnell sehr schlechte Laune kriegen.

Für die Quote wäre das wahrscheinlich gut.

Ja, ich würde wahrscheinlich direkt heulend durchs Camp laufen.

Als ein Mensch, der nicht gern still sitzt, sondern Action braucht, tanzen Sie auch beruflich auf vielen Hochzeiten.

Ich fühle mich nicht gut, wenn ich nichts tue. Ich habe einfach wahnsinnig viel Freude am Machen, daran, Ideen zu haben und dann auch umsetzen. Was gibt es denn Erfüllenderes im Leben, als Dinge getan zu haben? Die Menschen denken oft, wenn sie etwas tun, müssen sie damit gleich einen Preis gewinnen. Aber ich habe für mich gemerkt, dass es vielmehr darum, die Dinge einfach gemacht zu haben. Ich habe Wünsche und Träume, und die verwirkliche ich. Ich fotografiere zum Beispiel und mache alles, was ein Fotograf macht. Aber ich mache das nicht jeden Tag. Wenn ich es des Geldes wegen machen müsste, dann wäre sicher auch mal ein toller Job dabei, aber halt auch viele nicht so tolle Jobs. Und darauf habe ich keine Lust. Deshalb habe ich so viele Standbeine, damit ich auswählen kann aus den Dingen, die ich liebe, die mir aber auch genug Geld zum Leben bringen. Durch die Vielseitigkeit schaffe ich mir auch ein bisschen Unabhängigkeit.

Sie sind immer sehr modisch angezogen. Kann es eigentlich passieren, dass Sie Besuchern auch mal im Jogginganzug die Tür aufmachen?

Abgesehen davon, dass ich auch nackt die Tür aufmachen würde … Jogginghose gibt’s bei mir nur im Urlaub, weil ich dann ganz bewusst abschalte. Ich habe jeden Tag zu tun und ich brauche ehrlich gesagt auch dieses Ritual. Ich habe mein Büro ja in meiner Wohnung und dort könnte ich theoretisch auch in der Jogginghose am Schreibtisch sitzen. Aber das tue ich nicht, ich sitze da wirklich mit Krawatte und allem Drum und Dran, weil mir das hilft und mir Kraft gibt, wenn ich mich morgens schön anziehe.

Stimmt es eigentlich, dass Sie ein Hörgerät tragen?

Ja.

Sie machen jetzt auch Werbung für einen Hörgerätesteller, oder?

Ich glaube, ich bin für das Thema prädestiniert – als jemand, der dafür bekannt ist, auf Mode und Styling zu achten. Und mit dem Hörgerät ist das ja so eine Sache. Man sagt ja immer: Brille macht schlau, Hörgerät alt. Ich sage jedem, der nicht gut hört: Steh dazu! Das sind coole Geräte, ich möchte auf meine Hörgeräte überhaupt nicht mehr verzichten. Es gibt das so tolle Features: Ich telefoniere über mein Hörgerät, ich höre Musik über mein Hörgerät, und wenn ich falsch abbiege, sagt mir mein Hörgerät, wo's langgeht. Zu einem eigenen Style gehört für mich auch die Akzeptanz der eigenen Person. Wenn man Hörprobleme hat, kann man die ignorieren, weil man eitel ist – oder man steht zu sich und macht daraus einfach etwas Gutes. Ich sage: Geht mit breiten Schultern durchs Leben und stellt euch den Dingen. Bei mir hat das auch eine Weile gedauert, das gebe ich zu. Aber jetzt weiß ich: Ich kann ein Vorbild sein für andere. Ich habe aus dem Stigma mittlerweile ein Statement gemacht. Und das ist geil. Wenn man etwas Negatives in etwas Positives verwandeln kann, hat man alles richtig gemacht.