Lieber Otto, was halten Sie von der Einstiegsfrage: Herr Waalkes, können Sie auch ernst sein?

Mein Vorname ist nicht Ernst, sondern Otto. Und der klingt doch schon nicht ganz ernst gemeint.

Sie mögen diese Frage nicht, weil Sie Ihnen schon tausend Mal gestellt worden ist, oder?

Aber selten, bevor ich überhaupt einen einzigen Scherz versucht habe.

Wann sind Sie richtig ernst?

Jetzt zum Beispiel. Voll konzentriert und mit dem nötigen Ernst erwarte ich das Trommelfeuer Ihrer Fragen. Schießen Sie los!

Jeder fängt mal jung an: Otto 1973 bei einer Aufzeichnung seiner „Otto-Show“.
Jeder fängt mal jung an: Otto 1973 bei einer Aufzeichnung seiner „Otto-Show“. | Bild: Hans Dürrwald / dpa

Sie werden 70. Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie erreicht haben?

Erreicht habe ich noch gar nichts. Der Weg ist das Ziel, wie der alte Konfuzius und der mittlere Franz Beckenbauer zu sagen pflegten.

Haben Sie sich schon mal bei einem Ostfriesentee mit dem Thema Alter befasst?

Eigentlich nicht. Komiker sind zum Glück alterslos, vermutlich weil sie nie erwachsen werden.

Haben Sie eine Pflegeversicherung? Denken Sie denn manchmal über den Tod nach?

Ich komme so selten zum Nachdenken, dass es gerade zum Lebensnotwendigen reicht.

Falls Sie sich fragen, was Otto Waalkes unter der Kappe trägt – nichts.
Falls Sie sich fragen, was Otto Waalkes unter der Kappe trägt – nichts. | Bild: Jens Ressing / dpa

Sie haben Ihre Karriere ja nicht als Komödiant begonnen … Wären Sie gerne etwas anderes geworden: Rock-Musiker, Arzt oder Elektriker?

Alles gefährliche Berufe: Elektrizität ist mir unheimlich, seit ich einmal an einem Mikrofon geklebt habe, das nicht geerdet war. Arzt kann ich nicht werden, weil ich kein Blut sehen mag. Und Rock-Musiker? Bin ich doch! In diesem Sommer werde ich sogar in Wacken auftreten vor zigtausend Hardrock-Fans.

Ihre kürzlich erschienene Biografie heißt „Kleinhirn an alle“. Sie haben gewiss das bekannteste Kleinhirn der Republik. Wie darf man sich das vorstellen?

Ich fürchte, ich habe da nie richtig aufgeräumt – das wollte ich mit meiner Otto-Biografie endlich nachholen.

Otto Waalkes Biografie "Kleinhirn an alle – Die große Otto-Biografie" ist im Frühjahr im Heyne-Verlag erschienen. Das 416 Seiten starke Buch kostet 22 Euro.
Otto Waalkes Biografie "Kleinhirn an alle – Die große Otto-Biografie" ist im Frühjahr im Heyne-Verlag erschienen. Das 416 Seiten starke Buch kostet 22 Euro. | Bild: Heyne-Verlag

Altert der Humor mit einem Komiker und bekommt auch Falten?

Komik bekommt keine Falten.

Hat sich der Humor verändert?

Natürlich hat es immer wieder neue komische Ansätze und Möglichkeiten gegeben. Eine wesentliche Erweiterung gab’s um 1970, als der Nonsens in Deutschland salonfähig wurde und reiner Unsinn sogar massenkompatibel. Das war mein Glück.

Sie treten seit mehr als 40 Jahren mit ähnlich gestrickten Scherzen, Gesten und Holladihiti-Rufen auf und trotzdem füllen Sie noch immer Hallen. Wundert Sie das?

Jetzt, wo Sie es sagen! Aber ich gehöre eben zu den Komikern, die ununterbrochen an dem feilen, was sie können. Ich bin kein Kabarettist.

Wenn Sie in Medien als „Blödel-Otto“ bezeichnet werden, ärgert Sie das?

Blödel-Otto: Das ist ein ganz netter Begriff und so schön vieldeutig. Man kann ihn als Attacke oder als Kompliment nehmen. Ich habe mich zu Letzterem entschlossen.

Udo Lindenberg (links) und Otto Waalkes lebten in den 1970er-Jahren zeitweise in einer WG in Hamburg. Mit dabei war auch Marius Müller-Westernhagen.
Udo Lindenberg (links) und Otto Waalkes lebten in den 1970er-Jahren zeitweise in einer WG in Hamburg. Mit dabei war auch Marius Müller-Westernhagen. | Bild: Jörg Carstensen / dpa

In „Kleinhirn an alle“ zitieren Sie den Schriftsteller Ferdinand von Schirach: „Alle unsere Erinnerungen sind profan und alle sind heilig.“ Was ist Ihre Lieblingserinnerung und was würden
Sie am liebsten vergessen?

Tut mir leid, aber da kann ich keine Hit-Liste aufstellen. Aber natürlich erinnere ich mich lieber an den Erfolg meines ersten Films als an den Hotelbrand in Las Vegas.

Den Brand 1980 überlebten Sie nur knapp. Und „Otto – Der Film“ sahen allein im Jahr 1985 rund 14,5 Millionen Menschen in Deutschland.

Genau.

Ihr „Ottifant“ ist ebenfalls ein Riesenerfolg. Wie kamen Sie auf die Idee?

Der Ottifant ist ein missglücktes Selbstporträt. Sagt zumindest die Legende, und Legenden sollte man nicht widersprechen.

Sie gibt es nur im Doppelpack: Otto und der von ihm erfundene Ottifant.
Sie gibt es nur im Doppelpack: Otto und der von ihm erfundene Ottifant. | Bild: Fabian Sommer / dpa

Was halten Sie von der These: Bayern sind die besseren Ostfriesen?

Bayern, das ist mir zu pauschal. Es gibt Oberbayern und Unterbayern, es gibt Oberfranken und Unterfranken, und es gibt sogar Schwaben in Bayern. Womöglich sind das die allerbesten Ostfriesen.

Hat sich Ihr Publikum eigentlich über die Jahre verändert?

Ist mir nicht so aufgefallen. Es stimmt allerdings, dass es im Schnitt jünger geworden ist während der letzten Tourneen. Vermutlich dürfen Kinder heute länger aufbleiben.

Wie unterscheidet sich der private Otto von der Figur auf der Bühne?

Kaum. Ich habe nie angefangen, mich zu verstellen. Damit habe ich mir allerhand Anstrengungen erspart.

Und warum beantworten Sie keine politischen Fragen?

Das ist mir zu privat. Und Meinungen gibt’s doch schon genug auf der Welt.

Wenn ich nun doch eine politische Frage stelle?

Dann werde ich mich bemühen zu antworten.

Wen schätzen Sie mehr: Angela Merkel oder Horst Seehofer?

Merkel oder Seehofer? Das ist ja wie früher: Beatles oder Rolling Stones? Meinen Sie jetzt menschlich oder politisch? Beides? Da komme ich ja total durcheinander. Also, ich würde sagen: Merhofer – ne, Seekel … Ja, die beiden haben doch viel gemeinsam. Ist Ihnen das schon mal aufgefallen, dass beide so was Wässriges im Namen haben? See oder Meer? Ach, da kann ich mich einfach nicht entscheiden. Aber im Zweifelsfall: The Beatles.