Frau Zarrella, Sie sind Jurorin in der TV-Show "Curvy Supermodel". Was braucht denn eine Frau, die heute als Model erfolgreich sein will?

Wer als Model arbeiten will, muss auf jeden Fall sehr viel Disziplin haben – das ist in unserer Branche das A und O. Viele denken, Models gehen zu einem Shooting, machen ein paar Bilder und das war's – aber der Alltag sieht ganz anders aus, das Modeln ist harte Arbeit. Die Tage sind oft sehr lang … und fangen meistens sehr früh an. Gutes Aussehen ist natürlich das Kapital eines Models. Das bedeutet: Sport treiben, sich gut ernähren, früh ins Bett gehen, einfach ein gesundes Leben führen, egal ob Skinny oder Curvy Model. Egal, was für eine Kleidergröße man hat, wir haben alle den gleichen Job – und das bedeutet, dass für uns alle die gleichen Regeln gelten.

Sie sind ein Fan von kurvigen Models?

Ja, und wir wollen mit der Show zeigen, dass Schönheit nichts mit der Kleidergröße zu tun. Lange Zeit waren kurvige Frauen das Schönheitsideal, so wie zum Beispiel Marilyn Monroe. Der Skinny-Trend kam irgendwann Ende der 80er, Anfang der 90er auf, als die Models immer schmaler wurden. Klar gab es auch in den 70ern dünne Models wie Twiggy, aber das waren Ausnahmen. Kurven waren also schon immer in! Und ich finde es super, dass die kurvigen Models heute wieder mehr gezeigt werden. Das ist auch für die junge Generation sehr wichtig. Die Mädchen sehen, dass sie nicht unbedingt so dünn wie ein Supermodel sein müssen, um schön auszusehen. Sie sollen einfach gesund sein und sich so akzeptieren, wie sie sind. Das ist das wichtigste. Solange man in seiner Haut glücklich ist, ist alles in Ordnung.

Ihre Kinder sind jetzt fünf und fast zehn Jahre alt. Vermitteln sie ihnen auch dieses positive Körpergefühl?

Bei Kindern ist das immer ein Thema. Mir ist es sehr wichtig, dass sie gesund leben und sich gut ernähren, dass sie genug Obst und Gemüse essen und dass sie Sport treiben. Unser Sohn spielt sehr viel Fußball und ist immer draußen mit seiner Mannschaft, unsere Tochter tanzt. Sie essen jeden Tag genug gesunde Sachen, damit sie dann auch Gummibärchen oder Schokolade essen dürfen. Die Balance ist einfach wichtig – und dass manches eben nur in Maßen gegessen wird. Es ist viel besser zu sagen "Du sollst aufpassen, nicht so viel Zucker zu essen, weil Zucker nicht gesund ist und dein Körper dadurch krank wird" als "Du sollst aufpassen, sonst wirst du übergewichtig". Ich glaube, man muss Kinder aufklären, damit sie das verstehen. Und meine Kinder verstehen es, weil wir ihnen erklären, warum Zucker so schädlich für ihren Körper ist.

Schönheitsideale verändern sich immer wieder. Was macht für Sie einen schönen Menschen aus?

Für mich wird ein Mensch durch seine Ausstrahlung schön. Menschen, die glücklich sind, strahlen etwas Positives aus – und das ist ansteckend. Man spürt das. Jeder ist gern mit Menschen zusammen, die positiv sind, die eine positive Lebenseinstellung haben. Ich finde, dass Menschen, die mit sich im Reinen sind, das auch ausstrahlen und eine positive Aura haben. Ich bin ein Mensch, der versucht, auch aus schlechten Erfahrungen immer etwas Positives zu ziehen. So lebt es sich einfach leichter.

Als Model muss man sich bestimmt oft Kritik anhören, was das eigene Aussehen betrifft, oder?

Als Model wird man ständig kritisiert, deswegen müssen wir den Nachwuchs-Models auch Selbstbewusstsein beibringen. Ich habe oft genug gehört, dass ich eine zu breite Hüfte habe oder zu viel wiege – obwohl ich nie wirklich kurvig war. Als ich nach Deutschland gekommen bin und hier angefangen habe zu modeln, hatte ich wirklich eine harte Zeit. Ich habe damals ein paar Kilo zugenommen, ich wog vielleicht vier Kilo mehr als jetzt. Aber als ich meinen allerersten Model-Job hatte, war das Erste, was ich beim Shooting gehört habe: "Oh, aber die Hüften sind sehr breit." Das hat mich geprägt. Heute denke ich: So etwas zu einem jungen Mädchen zu sagen, das kann wirklich gefährlich sein. Wenn man selbstbewusst ist, kann man das wegstecken und sich sagen: "Das ist mir egal, wenn es dir nicht gefällt, dann wird es einem anderen Kunden gefallen." Aber viele Mädchen nehmen sich so etwas sehr zu Herzen und können dadurch kaputtgehen. Man muss aufpassen, was und wie man es sagt. Einem jungen Mädchen mit Kleidergröße 36, das gesund lebt, zu sagen, dass es zu dick ist, ist echt eine Katastrophe. Das kann einem Menschen wirklich schaden. Und es ist doch egal, welche Kleidergröße jemand trägt. Hauptsache, wir sind gesund und akzeptieren unseren Körper.

Sie haben schon so einige TV-Sendungen moderiert und waren als Teilnehmerin zum Beispiel bei "Promi Shopping Queen" dabei. Gibt es noch eine Sendung im deutschen Fernsehen, in die Sie gern mal gehen würden?

Schade, dass es "Wetten, dass ..?" nicht mehr gibt – da wäre ich gern mal dabei gewesen.

Aber gibt es vielleicht eine Sendung, bei der Sie niemals mitmachen würden?

Obwohl ich die Sendung als Zuschauer wirklich liebe, würde ich tatsächlich niemals ins Dschungelcamp gehen. Aber nicht, weil ich diejenigen verurteile, die dort mitmachen, sondern weil ich eine Allergie gegen Insektenstiche habe und das für mich tödlich wäre. Nein, der Dschungel ist nichts für mich. Ich würde auch nie freiwillig zum Camping gehen. Aber ansonsten bin ich offen für alles.

Wissen Ihre Kinder eigentlich, dass sie prominente Eltern haben?

Es ist unmöglich, das von ihnen fernzuhalten. Die Kinder haben ja heutzutage alle Handys … Bei der vorherigen Staffel von "Curvy Supermodel" durfte mein Sohn manchmal ein bisschen länger wach bleiben, um die Sendung anzuschauen. Er ist jetzt fast zehn und bekommt schon einiges mit, auch in der Schule. Unsere Kinder werden ja damit groß, sie kennen es nicht anders. Für sie ist das nichts Besonderes. Sie finden es einfach spannend, dass sie manchmal in einem Fernsehstudio sein dürfen – zum Beispiel, als Giovanni bei "Let's Dance" dabei war. Die Kinder fanden es super, dorthin zu gehen und Massimo Sinató zu treffen. (lacht) Wir machen wirklich kein Tamtam darum, dass wir im Fernsehen sind. Das ist eben unser Job, und es macht einen Menschen nicht besonderer als einen anderen.

Bekommen Sie denn Familie und Beruf gut unter einen Hut, oder ist das sehr schwierig?

Ich bekomme es unter einen Hut, aber es ist schwer. Beides zu vereinen, bedeutet vor allem, gut zu planen. Ich habe gestern den ganzen Tag gearbeitet, kam erst um halb zehn Uhr abends nach Hause, habe dann noch die Küche aufgeräumt und alles für den nächsten Tag vorbereitet. Heute früh war ich schon einkaufen, habe geschaut, wer wen wann abholt. Ein Kind geht zum Kindergeburtstag, das andere zur Oma. Das alles zu organisieren und dann zur Arbeit zu gehen, das ist nicht einfach. Aber es gehört dazu. Ich glaube, hätte ich nicht den Stress, dann wäre ich nur halb so glücklich. Ich liebe meinen Job, ich liebe meine Kinder, ich liebe meine Familie.

 

Zur Person

Jana Ina Zarrella (41) stammt aus Brasilien. Als Teenager wurde sie als Model entdeckt, in den 1990er-Jahren ging sie nach Deutschland – in die Heimat ihrer Urgroßeltern. Dort startete sie ihre Karriere als TV-Moderatorin, Zarrella war unter anderem in "Das Model und der Freak" zu sehen. Seit 2005 ist sie mit dem früheren Bro'Sis-Sänger Giovanni Zarrella verheiratet, das Paar hat zwei Kinder. Ihr Leben wurde bereits in drei Doku-Soaps verarbeitet (Hochzeit, Schwangerschaft, Hauskauf).