Herr Morrison, Sie werden beim Hohentwiel Festival in Singen auftreten. Kennen Sie eigentlich den Bodensee?

Ich weiß, dass ich in der Region südlich von Stuttgart immer gerne joggen gegangen bin, als ich auf Tour war. Die Umgebung und die Natur sind fantastisch. Ich war schon so oft in Deutschland und es hat mir immer großen Spaß gemacht. Die Fans sind besonders.

Das hört sich so an als seien Sie ein echter Fan. Würden sie hier auch Urlaub machen?

Ich würde dort gerne mal Ferien mit meiner Familie verbringen.

Sie sagten, dass die deutschen Fans besonders sind. Können Sie das genauer beschreiben?

Die Deutschen fühlen die Musik auf eine andere Art. Sie gehen mit. Außerdem verbindet mich mit den Deutschen: Sie arbeiten viel, wollen als Ausgleich aber gleichzeitig Spaß haben und entspannen. Wenn meine Musik das schafft, bin ich zufrieden. Ich glaube übrigens, dass Deutsche und Engländer sich darin stark ähneln.

Bevor Sie europaweit bekannt wurden, haben Sie Menschen mit ihrer Straßenmusik in ihrer Heimat Cornwall begeistert. Wollten Sie schon immer über die Grenzen hinaus bekannt werden?

(James Morrison lacht) Ich bin kein Superstar. Ich mache einfach gute Arbeit. Ich wollte das auch nie. Das war nie mein Ziel. Ich wollte einfach ein guter Sänger werden, gute Lieder schreiben, die die Menschen gerne hören. Die Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich schon kleine Auftritte gehabt. Das hat mir gefallen. Und ich glaube auch den Zuschauern. Ich bin dankbar dafür, wo ich heute bin. Trotzdem ist es wichtig, sich immer zu vergewissern woher man kommt, damit man nicht abhebt. Ich versuche das und das tut mir gut.

Das hängt bestimmt auch mit ihrer Erziehung zusammen. Wie haben Ihre Eltern darauf eigentlich reagiert, als Sie plötzlich bekannt wurden? Haben sie Sie immer unterstützt?

Absolut. Meinem Vater war es trotzdem immer wichtig, dass ich eine alternative Lebensplanung habe, wenn es mit der Musik nicht klappen sollte. Er sagte immer: Setz nicht alles auf eine Karte (nachdenkliche Pause). Das würde ich auch jungen Musikern empfehlen. Auf der anderen Seite haben mich meine Mutter und mein Vater immer ermuntert weiter zu spielen, wenn ich an mir selbst gezweifelt habe, wenn es nicht so gut lief. Sie waren die glücklichsten Menschen, als sie meine Lieder zum ersten Mal im Radio gehört haben.

Heute sind Sie nicht nur in England ein bekannter Star und reisen durch Europa. Wie schwer ist es, mehrere Monate weit weg von der eigenen Familie zu sein?

Das ist verdammt schwer. Wenn ich zu Hause bin, muss ich mir umso mehr bewusst machen, dass die Zeit begrenzt ist. Ich versuche, die gemeinsame Zeit dann besonders zu genießen. Ich vergesse die Auftritte. Ich vergesse die Musik. Dann ist meine Familie alles. Ich bin dann Vater und mache ganz normale Dinge, wie die Kinder zur Schule fahren. Wenn ich auf Tour bin, mache ich mir klar, dass ich das alles nur für meine Familie mache. Dann macht meine Art zu leben Sinn.

Die Musik von Otis Redding, Cat Stevens und Van Morrison prägten Sie. Das ist eine ungewöhnliche Mischung. Haben Sie die Genres adaptiert?

Teilweise schon. Cat Stevens spielt mit einer ganz eigenen volksmusikalischen, souligen Note. Ich mag auch Stevie Wonders Stimme. Das ist etwas ganz besonderes. Und ich will auch Mick Jaggers einzigartigen Charakter nicht vergessen. Von ihm habe ich mir die Bühnenpräsenz abgeschaut. Das alles erkenne ich bei meinen Liedern oft wider. Man kriegt unterbewusst so viel mit. Das hat alles unmittelbar Auswirkungen auf deine eigene Musik. Es kann Rap, Klassik oder Rock sein – entscheidend ist, dass ich etwas dabei fühle und es in mir etwas auslöst.

Die Gefühle haben sich mit Sicherheit auch auf Ihr neues Album ausgewirkt. Wie unterscheidet es sich von Ihrem alten Album?

Es gibt einen fundamentalen Unterschied. Das alte Album klang stark nach Produktion. Ich habe sehr viel überlegt und viel daran gebastelt. Mit dem Wissen von heute würde ich sogar sagen, dass ich es zerdacht habe. Das war beim neuen Album ganz anders. Ich wollte bewusst weniger denken und einfach machen. Und dann ging es auch viel schneller. Ich mag das Ergebnis sehr.

Sie sind Ihr Album ganz anders angegangen. Würden sie – rückblickend auf Ihre Karriere – noch etwas anders machen, wenn Sie könnten?

(Morrison lacht) Ich hätte gerne E-Gitarre gespielt. Das hole ich nach.