Mit dem Suchen und Finden kennt sich Heidi Klum, die nach ihrer dritten Hochzeit nun ja angeblich Kaulitz heißt, gut aus. Normalerweise castet die 46-Jährige als strenge Model-Mama gut aussehende junge Mädchen, von denen nur eins am Ende „Germany’s Next Topmodel“ werden kann – doch jetzt geht sie neue Wege.

In ihrer neuen Show „Queen Of Drags“ (ab 14. November 2019, 20.15 Uhr, ProSieben) sucht Klum gemeinsam mit Travestiekünstler Conchita Wurst (31) und ihrem Schwager Bill Kaulitz (30) Deutschlands glamouröseste Dragqueen – also einen Mann, der als weibliche Kunstfigur auftritt und tradierte Vorstellungen davon, was feminin und was maskulin ist, auf den Kopf stellt.

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Wie nicht anders zu erwarten, wurde das neue Format zwar von vielen begrüßt, es hagelte im Vorfeld aber auch Kritik, eine Online-Petition inklusive: Manche äußerten die Sorge, dass die Kandidaten nur der Belustigung dienen und man die Drag-Kultur dazu nutze, um Geld zu machen. Zudem sei Klum als „heteronormative weiße Frau“ ungeeignet, das Gesicht der Show zu sein.

Doch die geschäftstüchtige Model-Moderatorin, eine Meisterin der Selbstinszenierung, betont: „Ich liebe und bewundere die Drag-Kunst seit Jahren.“ Für die Show ziehen zehn Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in eine Villa in Los Angeles und stellen in jeder Woche eine komplette Varieté-Show auf die Beine, bis nur noch eine(r) übrig bleibt.

Auf dem roten Teppich: die Sängerin Conchita Wurst (Mitte, in Rosa) und die teilnehmenden Dragqueens bei der Premiere der ProSieben-Show „Queen of Drags“.
Auf dem roten Teppich: die Sängerin Conchita Wurst (Mitte, in Rosa) und die teilnehmenden Dragqueens bei der Premiere der ProSieben-Show „Queen of Drags“. | Bild: Jens Kalaene / dpa

Conchita Wurst, die 2014 mit Paillettenkleid und Vollbart den Eurovision Song Contest gewann, verteidigt Klum: „Wir schreien so laut nach Integration, aber haben keinen Platz für eine andere Art der Jury-Mitglieder.“ Die Show sei eine Chance, „um die Drag-Thematik in den Mainstream zu bringen, und ich finde, dass Heidi, auch wenn sie nicht aus dieser Szene kommt, eine absolute Berechtigung hat, eine Performance zu beurteilen.“

Es sei irritierend, so Wurst, wenn gerade Menschen, die gegen Vorurteile kämpfen, selbst welche haben. Ohne Klum gebe es die Sendung vermutlich gar nicht. Das sieht auch Deutschlands bekannteste Drag-Künstlerin, Gastjurorin Olivia Jones (49), so: „Wir haben sehr lange für ein solches Format gekämpft und uns alle den Mund fusselig geredet.“

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Die Verantwortung von Sender und Jury ist zweifellos groß – weil die Drag-Kunst oft missverstanden wird. Kandidatin Hayden Kryze stellt klar: „Drag zu sein hat nichts damit zu tun, eine Frau sein zu wollen“, das Ganze hänge nicht prinzipiell mit sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität zusammen. „Es ist ein kunterbuntes Spiel.“ Deutschland sei, sagt Jones, in dieser Hinsicht noch ein echtes Entwicklungsland.

Die neue Show biete die Chance, zu zeigen, dass „Drag immer auch ein politisches Statement für Toleranz, Vielfalt und Respekt“ ist. Wurst ergänzt: „Es ist überwältigend, was eine Fernsehshow kann. Die Generation, die jetzt heranwächst, lernt: Egal, wie du die Welt siehst, es ist richtig.“