Frau Klink, ab 4. Oktober sind Sie in der ZDF-Serie „Heldt“ als Profilerin Julia Tietz zu sehen. Wie schätzen Sie Ihre eigene Menschenkenntnis ein?

Ich glaube, ich habe eine ganz gute Menschenkenntnis. Ich habe früh angefangen zu drehen und bin in meinem Leben immer auf verschiedenen Baustellen unterwegs. Dementsprechend habe ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, ich habe schon einiges gesehen, Schönes und weniger Schönes – das prägt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich jemand bin, der immer das Gute im Menschen sieht. Manchmal vertut man sich da – bei aller Menschenkenntnis.

Wie sind die Kollegen bei „Heldt“ auf Sie zugegangen? Sie sind dort ja die Neue.

Es ist natürlich eine Herausforderung, wenn man in ein Ensemble kommt, das schon so lange zusammenarbeitet. Die Kollegen sehen sich gefühlte 365 Tage im Jahr und kennen sich gut. Aber sie haben mich mit offenen Armen aufgenommen. Es war schnell klar, dass das eine wahnsinnig entspannte Zusammenarbeit wird. Es ist großartig, mit solchen Kollegen spielen zu dürfen.

Schauen Sie sich Ihre eigenen Filme gern an?

Eigentlich immer. Einfach weil es mich interessiert. Man weiß ja, wie es beim Dreh war, und dann bin ich immer gespannt, was am Ende daraus geworden ist. Ich persönlich kann mich selbst auch ganz gut ansehen, weil ich ausschalten kann, dass ich das bin. Für mich geht es um die Glaubwürdigkeit – nehme ich der Figur ab, was da gerade los ist oder nicht? Dann ist es egal, ob ich das bin oder nicht.

In der Serie haben Heldt und Julia ein paar Startschwierigkeiten, scheinen sich dann aber ganz gut zu verstehen …

Beruflich sind die beiden auf jeden Fall definitiv ein gutes Team, und eine gewisse Sympathie ist natürlich auch da. Wohin das führt, wird man sehen.

Sie spielen meist sehr unkomplizierte Figuren. Würden Sie sich selbst denn auch als unkompliziert beschreiben?

Ich glaube ja, ich bin nicht so richtig kompliziert. Ich bin keine große Zicke, ich bin eher so ein launischer Typ. Sternzeichen Steinbock, also eher stur. Manchmal beharre ich ein bisschen länger auf meiner Meinung, ich kann mich aber mittlerweile ganz gut entschuldigen. Das ging lange nicht, aber im Lauf der Zeit lernt man das. Fehler zuzugeben, ist etwas schwieriges.

Apropos Sturheit – wie war das mit Ihrem Rufnamen Paule? Sie haben ja lange dafür gekämpft, bis er offiziell in Ihrem Ausweis stand.

Also, ich hab’ schon Stehvermögen. Wenn ich etwas will, setze ich das auch durch. Es gibt immer mal wieder Dinge, die ich einfach nicht akzeptiere. So war das auch mit dem Namen Paule. Ich heiße eigentlich von Geburt an Paule – allerdings war das in der DDR verboten, deshalb stand das auch nicht in der Geburtsurkunde. Nach der Wende habe ich dann probiert, das nachtragen zu lassen. Ich fühle mich nicht als Ina – wenn man mich Ina nennt, das ist so, als würde ich Sie Uschi nennen. Da würden Sie nicht reagieren. Nichts gegen Uschi! Aber nichtsdestotrotz gehört der Name Paule einfach zu mir.

Wie haben Sie die Behörden denn davon überzeugt, den Namen nachzutragen?

In Frankreich ist Paule ein offizieller weiblicher Vorname und wird „Pol“ ausgesprochen. Gut, dass es das Internet gibt – und ein Namensbuch im Antiquariat Wilsberg! (lacht) So habe ich das rausgefunden.

In Deutschland ist Paul allerdings eher ein Männername. Haben Sie denn Eigenschaften, die man typisch männlich nennen könnte?

Ich habe definitiv männliche Züge. Ich habe früher wahnsinnig viel Fußball gespielt, die wenigen Barbie-Puppen, die ich hatte, hatten alle kurze Haare und keine Kleider an. Und ich habe auch viele Matchbox-Autos gehabt. Bis heute bin ich wahnsinnig an Autos interessiert – ich liebe schnelle Autos und bin auch eine ziemlich geile Autofahrerin, würde ich mal sagen. Total eingebildet! (lacht) Ich muss aber dazusagen: Das bestätigt jeder Mann.

Viele TV-Zuschauer kennen Sie ja als Anwältin Alex Holtkamp in der ZDF-Reihe „Wilsberg“ – im Jahr 2000 wurde die erste Folge gedreht. Da darf man sich annehmen, dass Ihnen die Figur der Alex näher ist als die Julia Tietz in der Serie „Tietz“? Denn die spielen Sie ja erst seit Kurzem.

Ja, klar. Als ich Alex imaginär kennengelernt habe, war ich noch relativ jung. Und ich hatte viele Freiheiten und habe viel von mir eingebracht. Aber es gibt natürlich trotzdem immer Dinge, in denen Alex und Paule völlig unterschiedlich sind. Julia hat auch Züge von mir, die waren allerdings bereits im Rollenprofil enthalten. Aber genauso spannend ist an einer Rolle natürlich das Unbekannte. Julia ist Profilerin – das ist ja nun gar nicht mein Metier, da muss ich mich richtig reinfummeln. Früher wollte ich mal Polizistin werden, weil ich das einfach mega spannend finde. Ich glaube, wenn ich nicht Schauspielerin geworden wäre, wäre ich wahrscheinlich Polizistin geworden. Und dabei hatte ich mal Angst vor uniformierten Menschen! Aber dank der ganzen Krimi-Serien, die ich schon gedreht habe, habe ich diese Angst verloren.

Fragen: Jeanne Lutz

Zur Person

Ina Paule Klink, 37, wurde in Zossen (Brandenburg) geboren. Man kennt sie aus der ZDF-Fernsehserie „Wilsberg“, wo sie die Anwältin und Wilsbergs Patentochter Alex Holtkamp spielt. Nun stößt sie zum Team der Krimi-Comedy-Serie „Heldt“ dazu. Ihren erster Auftritt dort als Profilerin Julia Tietz hat sie heute um 19.25 Uhr im ZDF.

Ina Paule Klink singt auch. Hier einige Kostproben: