Frau von Borsody, „So weit das Meer“ lebt vor allem vom intensiven Spiel der Darsteller. Was war für Sie der besondere Reiz an diesem Film?

Erstmal hat mich das Drehbuch gepackt. Und dann ist der Film tatsächlich bis in die kleinste Nebenrolle gut besetzt. Er bietet kleine Rollen für große Schauspieler. Auch ich selber habe darin eine relativ kleine Rolle, die mich jedoch vor eine relativ große Aufgabe gestellt hat.

Ihre Rolle ist dennoch tragend: Sie spielen eine Mutter, deren Sohn als mutmaßlicher Vergewaltiger vom Vater des Opfers erschossen wird. Wie sehen Sie selber Ihre Filmfigur?

Für mich ist Uta Carstens eine sehr disziplinierte Person, die sich selbst – fast preußisch – ein Zusammenbrechen nicht erlaubt. Deshalb habe ich versucht, diese Figur so darzustellen, dass sie über ihre Körperhaltung das erzählt, was sie erzählen soll. Also: Brust raus, Schultern zurück, Kinn nach vorne. Der Kopf bestimmt, und die Füße folgen nach. Was in dieser zutiefst verletzten Frau vor sich geht, was sie denkt, bleibt ihr Geheimnis, blitzt aber manchmal durch.

Sie kommen ursprünglich vom Theater. Kommt Ihnen Ihre langjährige Bühnenerfahrung bei der Filmarbeit zugute?

Auch die Schauspielerei ist ein Beruf, den man Stück für Stück erlernen muss, und nicht nur Selbstdarstellung. Aber es gibt verschiedene Wege, wie man sich diesen Beruf erschließen kann. Meine Wurzeln liegen tatsächlich auf der Bühne. Ich spiele heute noch regelmäßig Theater. Diese Erfahrung kommt mir dann auch zugute, wenn ich vor der Kamera stehe und – im Gegensatz zur Theaterarbeit – nicht viel Zeit habe, eine Figur zu entwickeln.

Haben Sie dafür eine bestimmte Technik oder fühlen Sie sich rein emotional in Ihre Charaktere ein?

Nur über Gefühle funktioniert das nicht, man braucht dafür schon ein gewisses Handwerk. So wie in anderen Berufen auch: Wenn ein Tischler seinen Tisch nur aus Emotionen zimmert, dann wackelt der. Man muss schon genau wissen, wie das geht. Und dieses Handwerk hat man auch als Schauspieler irgendwann gelernt.

Sind Sie heute vielleicht auch gelassener geworden?

Wirklich gelassen werde ich als Schauspielerin nie sein. Eine gewisse Grundaufregung gehört zu meinem Beruf einfach dazu. Auch heute noch bin ich vor jeden ersten Drehtag nervös und denke, ich kann das alles gar nicht mehr. Nach wie vor habe ich vor jeden Auftritt Lampenfieber – gleich ob auf der Bühne oder im Film. Und das ist gut so.

Ihre Mutter, die Schauspielerin Rosemarie Fendel, hatte mal gesagt: „Der Mensch ist immer noch Mensch.“ Ist das auch Ihr Lebensmotto – trotz der vielen Auszeichnungen?

Ein Orden, der einem an die Brust geheftet wird, ist nur dann etwas wert, wenn darunter ein Herz schlägt. Mich interessiert nicht, welchen Titel jemand trägt oder wieviel Geld er vielleicht verdient, sondern was für ein Mensch er oder sie ist. Das Herz ist das, was zählt. Ich persönlich brauche weder Glanz noch Gloria zum Glücklichsein.

Sieht man Sie deshalb eher selten auf roten Teppichen?

Das Rote-Teppich-Laufen gehört zwar auch mit zu meinem Job, aber es gibt Erfüllenderes für mich. Als Außenstehender denkt man vielleicht: „Schauspielerinnen haben einen Traumberuf, tragen schöne Kleider, stolzieren über rote Teppiche.“ Aber tatsächlich ist das Werbung-Laufen. Nicht mehr und nicht weniger.

Und was macht Sie persönlich glücklich?

Zum Beispiel, eine Katze zu streicheln. (Lächelt) Ich bin mit vielen Tieren – auch Katzen – aufgewachsen und hatte 16 Jahre lang selber einen Hund. Den konnte ich auch mal zu Freunden geben. Doch leider lässt es mein Beruf, bei dem ich sehr viel unterwegs bin, nicht mehr zu, ein eigenes Haustier zu haben. Das könnte ich dem Tierchen nicht antun. Umso mehr freue ich mich, wenn mir zufällig eine Katze über den Weg läuft, die ich streicheln kann.

Sie sind sozial sehr engagiert und wurden dafür sogar mit dem Bundeverdienstkreuz geadelt. Was treibt Sie um, ehrenamtlich so aktiv zu sein?

Ich finde, jeder der prominent ist, sollte seine Bekanntheit nicht nur dafür nutzen, den eigenen Ruhm zu mehren, sondern auch dazu, ein bisschen Aufmerksamkeit zu wecken, für alles, was über den Tellerrand hinaus noch so auf diesem Erdenrund passiert. So engagiere ich mich neben Hilfsprojekten in Afrika auch seit Jahren für den Verein N.I.N.A., Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen.