Miss Theron, zu Ihren bekanntesten Rollen gehört harte Kost wie zuletzt die Actionheldin in „Atomic Blonde“. Sie nun in einem Film wie „Long Shot“ zu sehen, ist eine echte Überraschung...

Nicht nur für Sie, sondern für mich genauso. Ehrlich gesagt hätte ich nie damit gerechnet, dass ich mal in einer romantischen Komödie mitspiele. Alles was mir über die Jahre aus diesem Genre angeboten wurde, fühlte sich nicht richtig für mich an, deswegen habe ich lieber abgesagt. Aber als nun Seth Rogen anklopfte, konnte ich nicht nein sagen. Mit ihm zusammen diesen Film zu entwickeln, der zwar eine romantische Komödie, aber alles anderes als schlicht oder banal ist, war eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen konnte.

Charlize Theron, 43, wurde in Südafrika geboren. Sie arbeitete zunächst als Model und Balletttänzerin. Mit 18 Jahren zog sie nach Los Angeles. Acht Monate später hatte sie ihre erste kleine Rolle. Heute gehört sie zu den größten Stars in Hollywood. Für „Monster“ gewann sie den Oscar, mit „Hancock“, „Mad Max: Fury Road“ oder „Fast & Furious 8“ feierte sie Welterfolge. Theron, Mutter zweier Adoptivkinder, ist auch als Produzentin erfolgreich. Auch bei ihrem neuen Film, der Komödie „Long Shot“ (ab 20. Juni im Kino) zog sie zusätzlich zur Hauptrolle hinter der Kamera die Fäden. (heid)
Charlize Theron, 43, wurde in Südafrika geboren. Sie arbeitete zunächst als Model und Balletttänzerin. Mit 18 Jahren zog sie nach Los Angeles. Acht Monate später hatte sie ihre erste kleine Rolle. Heute gehört sie zu den größten Stars in Hollywood. Für „Monster“ gewann sie den Oscar, mit „Hancock“, „Mad Max: Fury Road“ oder „Fast & Furious 8“ feierte sie Welterfolge. Theron, Mutter zweier Adoptivkinder, ist auch als Produzentin erfolgreich. Auch bei ihrem neuen Film, der Komödie „Long Shot“ (ab 20. Juni im Kino) zog sie zusätzlich zur Hauptrolle hinter der Kamera die Fäden. (heid) | Bild: Philippe Bosse

Sie spielen dort eine Politikerin, die sich anschickt Präsidentin der USA zu werden. Glauben Sie, dass wir ähnliches auch bald mal in der Realität erleben werden?

Sie meinen eine Frau als Präsident? Da sind wir ja leider ziemlich spät dran. Allerdings natürlich nur, was die USA angeht. Im Rest der Welt gab es zum Glück schon viele Regierungschefinnen. Was die Situation hier noch ein wenig trostloser macht. Aber ich hoffe, dass wir bald aufschließen zu allen anderen.

Könnten Sie selbst sich vorstellen, eines Tages ein politisches Amt zu bekleiden?

Um Gottes Willen, bloß nicht. Ich bin unbedingt eine Anhängerin von Frauen in der Politik, die Veränderungen anstoßen und Regeln neu definieren. Aber ich selbst habe nicht das Bedürfnis, eine von ihnen zu sein. Und vermutlich auch nicht das Talent dazu.

Immerhin sind Sie mit Ihrer Stiftung, dem Charlize Theron Africa Outreach Project, und Ihrem ehrenamtlichen Engagement durchaus politisch tätig...

Sicherlich gibt es da Berührungspunkte zur Politik. Ich will Gutes tun, etwas bewirken und helfen. Aber mein Kampf gegen Aids unter jungen Menschen in Afrika ist natürlich etwas vollkommen anderes als ein ganzes Land zu regieren.

Sie sind zweifache Mutter. Empfinden Sie sich als Paradebeispiel dafür, wie man Kinder und eine erfolgreiche Karriere unter einen Hut bekommen kann?

Nicht weniger als andere berufstätige Mütter auch. Ganz im Ernst, ich mache meine Sache genauso gut oder schlecht wie andere Mütter auch. Ich habe die gleichen Ängste und Sorgen, und die Balance zwischen Kindern und Beruf ist nie einfach. Klar, bei mir kommt dazu, dass ich für meinen Job auch noch ziemlich viel Reisen muss. Aber selbst das geht anderen Müttern an der Schule meiner Kinder genauso. Was mich immer sehr beruhigt. Zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, die eine gute Mutter sein, aber trotzdem ihre Unabhängigkeit als Frau mit Karriere bewahren möchte, ist ein gewisse Trost, wenn man gerade mal wieder zweifelt.

Schauspielerin Charlize Theron kommt zu den Big Screen Achievement Awards im Caesars Palace. Theron ist bereits ein verhältnismäßig „alter Hase“ im Filmgeschäft – zur Routine ist deshalb aber noch längst nicht alles für sie geworden.
Schauspielerin Charlize Theron kommt zu den Big Screen Achievement Awards im Caesars Palace. Theron ist bereits ein verhältnismäßig „alter Hase“ im Filmgeschäft – zur Routine ist deshalb aber noch längst nicht alles für sie geworden. | Bild: Chris Pizzello

Würden Sie sagen, dass Frauen in der Filmbranche endlich auf dem Weg zu echter Gleichberechtigung sind?

Das ist noch ein langer Weg, fürchte ich. Gucken Sie sich nur die Oscar-Nominierungen in diesem Jahr an: wieder war keine einzige Frau in der Regie-Kategorie nominiert. Es ist teilweise wirklich unfassbar. Klar, wir haben inzwischen einiges erreicht, aber dafür mussten wir unglaublich hart arbeiten und über jede Menge sprichwörtliche Glasscherben hinwegkriechen. Ich bin seit bald zwei Jahrwzehnten auch hinter der Kamera als Produzentin tätig und weiß sehr genau, wie viel schwerer es Frauen in dieser Branche gemacht wird als Männern. Bis das ein für alle Mal aufhört, wird es leider noch dauern.

Ihre Produktionsfirma Denver & Delilah Productions haben Sie bereits Anfang der 2000er gegründet. Wie ist Charlize Theron als Boss?

Das wichtigste für mich als Chefin ist die Tatsache, dass die meisten meiner Mitarbeiter schon seit bald 20 Jahren mit dabei sind. Und dass alle wirklich gerne arbeiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Hierarchien und die Frage, wer der Boss ist, zweitrangig sind, wenn alle ihren Job lieben. Deswegen stelle ich auch keine strengen Regeln auf, weder bei der Filmproduktion noch in meiner Wohltätigkeitsorganisation. Mir ist egal, wann jemand im Büro auftaucht oder ob jemand lieber von zuhause aus arbeitet. Oder auch vom anderen Ende der Welt. Auf so etwas kommt es heutzutage ja nicht mehr wirklich an, zumindest in diesem Job. Wichtiger sind Engagement und eine gute Atmosphäre – und in dieser Hinsicht habe ich mit meinen Mitarbeitern wirklich Glück.