Erst der drohende Brexit – und dann das noch. James Bond, zweifellos Großbritanniens wichtigster Beitrag zur Rettung Europas und der freien Welt, hatte keine Lust mehr. "Lieber würde ich dieses Glas hier zerbrechen und mir die Pulsadern aufschneiden", grummelte Daniel Craig, der erfolgreichste 007 aller Zeiten, als er nach dem Fall "Spectre" gefragt wurde, ob er für einen weiteren Einsatz zur Verfügung stehe. Inzwischen ist die Welt wieder sicherer. Daniel Craig hat dann doch Ja gesagt – wobei man annehmen darf, dass seine zu erwartenden Einkünfte aus Filmgage und Beteiligungen, kolportiert wird die imposante Summe von 90 Millionen Euro, den britischen Star positiv beeinflusst haben dürften. Der Titel von Craigs fünftem Agenten-Abenteuer steht noch nicht fest, wohl aber der Kinostart: 8. November 2019.

Als Craig, bis dahin eher im Range eines gehobenen Nebendarstellers, zum sechsten 007 befördert wurde, waren beinharte Bondfans entsetzt. Ist es möglich, dass dieser Mickerling Sean Connerys Lizenz zum Töten erben soll? Lächerlich! Vor der Premiere von "Casino Royale" kam es zu Boykottaufrufen. Offenbar scheint dieser Daniel Craig, vor 50 Jahren geboren im englischen Chester, im Normalzustand, sozusagen außerdienstlich, wenig herzumachen. Das ändert sich aber schlagartig, wenn er vor den Kameras zu James Bond wird.

In "Casino Royale" (2006), seinem ersten Einsatz, legte er gleich voll los. Eisblauer Blick, knallharte Muskeln, viel Action und das schreckliche Ende einer großen Liebe. Die Filmwelt war nicht länger skeptisch, jetzt war sie begeistert. Einerseits war das ein sehr ursprünglicher, andererseits ein ganz neuer Bond. Craigs Mission: Neustart der Filmreihe, die in sinnlosem Spektakel und Selbstzitaten zu veröden drohte. Als der Casino-Barmann diesen Bond fragt, ob er seinen Wodka-Martini gerührt oder geschüttelt haben will, knurrt der: "Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?" Damit ist alles gesagt. "Er ist der angeschlagene Bond für eine angeschlagene Welt", befindet Produzentin Barbara Broccoli.

Hinterher wissen es alle besser. Hatte dieser coole neue Stern am Kinohimmel nicht schon mit einigen eher kurzen Auftritten beeindruckt? Als Wutmönch in Shekhar Kapurs Historiendrama "Elizabeth" (1998), vor allem aber als der von Wut und Komplexen zernagte Sohn von Paul Newman in "Road to Perdition" (2002). Damals führte Sam Mendes Regie – offenbar der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Auf Craigs dringende Empfehlung hin konnte Barbara Broccoli den Oscar-gekrönten Regisseur Mendes für die Bond-Filme "Skyfall" (2012) und "Spectre" (2015) gewinnen. Nachteil aus Sicht der beinharten Fans: Zu viel Psychokram, Mutterkomplex, Brudermord. Tatsächlich wirken die beiden letzten Bonds, als habe Sigmund Freud am Drehbuch mitgeschrieben.

Bond-Dreharbeiten sind langwierig, kleinteilig, anstrengend, nervig. Der Druck auf den Star ist gewaltig, darum wohl das berühmte Pulsadern-Zitat. Man kann davon ausgehen, dass Daniel Craig einen Großteil seines 51. Lebensjahrs auf die Vorbereitung des nächsten Agenteneinsatzes verwenden wird. Ansonsten hält er sein Leben so weit wie möglich unter Verschluss. Bekannt ist: Er war bis 2004 acht Jahre mit der deutschen Schauspielerin Heike Makatsch verpartnert. Seit 2011 ist Craig in zweiter Ehe mit seiner Kollegin Rachel Weisz verheiratet. Das Paar lebt in London und New York.