Glückwunsch, Hanna, zum Erfolg Ihres neuen „Ostwind“-Films, der ja vor allem in Spanien spielt. Wo wurde gedreht und wie waren die Dreharbeiten?

Gedreht wurde vor allem in Andalusien, an vielen verschiedenen Orten. Ganz unten im Süden, aber auch im Landesinnern. Wir sind jedenfalls sehr viel herumgereist. Und das ist natürlich schon was anderes, als wenn man fast alles nur an einem Ort dreht. Das gemeinsame Reisen war ein besonders schönes Erlebnis und hat uns als Team noch mehr zusammengeschweißt. Alles war intensiver, aber auch krasser, wenn man so weit von zu Hause weg ist.

Was unterscheidet „Aufbruch nach Ora“ von den ersten „Ostwind“-Filmen?

Der größte Unterschied ist vielleicht, dass Mika in den ersten beiden Filmen vor allem was Physisches gelernt hat – das Reiten und den Kontakt zu Pferden. Jetzt lernt sie etwas über sich selbst, über ihr Innerstes. Sie wächst über sich hinaus und lernt loszulassen. Sie verlässt Kaltenbach – geht weg von dem Ort, den sie mal so sehr geliebt hat und der nun zu einem Rummelplatz für Reit-Touristen geworden ist, der ihr plötzlich fremd ist. Sie reißt aus und macht auf ihrer Reise eine ganz neue Erfahrung.

Inwieweit konnten Sie Mikas Freiheitsdrang für sich selbst nachvollziehen?

Wenn ich mich in Mika einfühle, kann ich ihr Verhalten nachempfinden. Aber ich selber hatte nie das Gefühl, mich gegen meine Eltern auflehnen zu müssen. Ich hatte sehr sehr selten Stress zu Hause. Und wenn wir mal gestritten haben, war das kein schlimmer Streit, bei dem ich gedacht hätte, ich hau’ jetzt ab. Das unterscheidet mich total von Mika. Sie ist eben ganz anders, als ich es bin. Wir sind zwar beide temperamentvoll, aber ich bin überhaupt nicht so rebellisch wie Mika. Doch genau das macht diese Rolle für mich ja so spannend.

Sie mussten für die Filme reiten lernen. Wie ist Ihre Beziehung zu Pferden?

Was das Reiten betrifft: Beim ersten Film hatte ich immer noch meine Schwierigkeiten. Beim zweiten lief es schon ganz gut. Und jetzt fühle ich mich richtig sicher. Das gilt auch für meine Beziehung zu den Pferden: Beim dritten Film habe ich diese Verbindung zu meinen Filmpferden richtig krass gespürt.

Um die Arbeit mit Pferden werden Sie von vielen Mädchen beneidet. Wie sind Sie zu dieser Traumrolle gekommen?

Mit neun Jahren wurde ich in einer Schauspielagentur aufgenommen und hab’ ein paar Fernsehfilme gedreht. 2012 hatte ich dann im Film „Kriegerin“ eine kleine Rolle. Und da hat mich Katja von Garnier gesehen und mich als einzige Bewerberin, die nicht reiten konnte, zum Casting eingeladen. Dabei musste ich mich auch auf ein Pferd setzen – und hatte meine Probleme. (lacht) Deshalb wurde Katja sogar davon abgeraten, mich zu nehmen. Doch sie wollte mich trotzdem für diese Rolle haben.

Wie hat die Rolle Ihr Leben verändert?

Ich durfte viele Erfahrungen machen, die andere in meinem Alter noch nicht machen konnten, und hab’ sehr viel gelernt. Das hat mich selbst wohl ein wenig verändert, vielleicht ein bisschen erwachsener gemacht. Und ich bin extrem glücklich und dankbar, dass es so gekommen ist. Aber meinen Alltag hat das alles nicht wirklich verändert. Ich führe mein Leben immer noch genau so, wie ich vor „Ostwind“ gelebt habe. Ich gehe immer noch auf dieselbe Schule und habe dieselben Freunde. Auch wenn ich durch die Dreharbeiten noch neue Freunde dazu gewonnen habe.

Wie schaffen Sie es, Schule und Schauspielerei miteinander zu verbinden?

Ganz ehrlich: Schule und Film kann man nicht wirklich unter einen Hut kriegen. Das ist einfach zu krass. Da musst du das eine oder andere vernachlässigen. Wenn ich mich auf die Schule konzentriere, dann muss ich das Drehen hintenanstellen. Und wenn ich mich aufs Drehen konzentriere, dann muss ich die Schule vernachlässigen. Wenn du drehst, stehst du von frühmorgens bis abends vor der Kamera und lernst vor dem Schlafen noch den Text für den nächsten Drehtag. Jedenfalls bei einer Hauptrolle. Da kannst du nicht auch noch für die Schule büffeln.

Wollen Sie nach dem Schulabschluss hauptberuflich Schauspielerin werden?

Eigentlich schon. Ich versuche zwar, mich nicht megamäßig in die Filmschauspielerei zu vernarren, weil sie mir vor allem Spaß machen soll und nicht unbedingt mein Hauptberuf werden muss. Aber wenn’s klappt, wäre das schon toll. Jetzt mach’ ich erst mal meine Schule fertig und konzentriere mich aufs Abi, dann sehen wir weiter. Allerdings würde ich nicht gerne auf eine Schauspielschule gehen wollen, sondern gleich weiter Filme drehen oder etwas anderes studieren. Und in meiner Freizeit weiterhin Schlagzeug spielen.

Dürfen Sie verraten, ob es einen vierten Teil von „Ostwind“ geben wird?

Da gibt es nichts zu verraten. Ich weiß es selber nicht – aber schön wär’s schon …

 

Zur Person

Seit ihrem achten Lebensjahr steht Hanna Binke (18) vor der Kamera. Sie war in TV-Filmen zu sehen, bevor sie im preisgekrönten Drama „Kriegerin“ von Regisseurin Katja von Garnier entdeckt und 2012 als Mika in „Ostwind“ besetzt wurde. Für diese Rolle wurde die Abiturientin als beste Nachwuchsdarstellerin mit dem Kindermedienpreis „Weißer Elefant“ ausgezeichnet. Binke gilt als schauspielerisches Naturtalent. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

 

"Ostwind: Zusammen sind wir frei" (2013)

"Ostwind 2" (2015)

"Ostwind 3: Aufbruch nach Ora" (2017)