Wenn man mal ehrlich ist: Grace Vanderwaals Sieg bei der „America‘s Got Talent“ war nicht die große Überraschung – zumindest nicht nach ihren vorangegangenen Auftritten in der Castingshow. Mitte September durfte die Zwölfjährige als Gewinnerin mit einer Million US-Dollar nach Hause gehen („Das war die großartigste Nacht meines Lebens!“). Ein beachtliches Startkapital für eine Musik-Karriere, die jetzt nicht mehr zu vermeiden ist. Die Castingshow – die deutsche Entsprechung von „Das Supertalent“ – läuft in den USA bereits im zehnten Jahr. Meist gingen Sänger als Sieger hervor, aber es waren auch schon Bauchredner oder ein Zauberer.

Als sie das erste Mal vor der vierköpfigen Jury stand, hatte Vanderwaal, deren Vater aus den Niederlanden stammt, noch schüchtern kichernd erzählt, die meisten ihrer Freunde wüssten gar nicht, dass sie singen kann. Dann nahm sie die von ihrem Taschengeld bezahlte Ukulele und sang den von ihr selbst geschriebenen Titel „I Don‘t Know My Name“. Die Jury war so begeistert, dass sie die Zwölfjährige direkt in die Live-Shows schickte. „Du bist die nächste Taylor Swift“, prophezeite Juror Simon Cowell, britischer Musik- und Filmproduzent, nach dem Auftritt des Nachwuchs-Talents, das der ebenfalls in der Jury sitzenden Heidi Klum Tränen der Rührung in die Augen getrieben hatte. Cowells Vorhersage ging natürlich auch an der erfolgreichen Sängerin nicht vorbei, die bekanntermaßen sehr aktiv ist in den sozialen Medien. Swift schickte ihrer kleinen Doppelgängerin Blumen – und als die Zwölfjährige die beigelegte Karte las, rastete sie vor Freude aus. Glückwünsche kamen auch von Katy Perry („Du hast es drauf!“) und Ellen DeGeneres („Amerika hat richtig gewählt!“).

So richtig kann Grace Vanderwaal mit ihren zwölf Jahren vermutlich noch nicht fassen, was da gerade um sie herum passiert. Da ist es gut, dass ihre Eltern noch sehr genau hinschauen, was der Fast-Teenager so treibt. Den Instagram-Account von Grace Vanderwaal, der inzwischen schon mehr als eine Million Abonnenten hat, verwaltet zum Beispiel ihre Mutter. Jetzt heißt es noch genauer aufzupassen, denn in der vergangenen Woche hat die talentierte Zwölfjährige – oder wohl eher ihre gesetzlichen Vertreter – bereits ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben. Kein anderer als Show-Juror Simon Cowell wird das Album produzieren.

Wenn man all dem glauben darf, was die stolzen Eltern jetzt aus ihrer Erinnerung kramen – Zweifel sind natürlich erlaubt –, begann Grace Vanderwaal schon als Dreijährige, Lieder zu komponieren. Ihr Werkzeug damals: ein kabelloses Mikrofon. Das Ukulele-Spielen soll sie sich selbst beigebracht haben, die Anweisungen kamen aus dem Internet. An ihrer Stimme muss der Fast-Teenager noch arbeiten, keine Frage, aber die fast 700 000 Abonnenten ihres YouTube-Kanals sind auch jetzt schon vollauf zufrieden. Beim Songschreiben lässt sich die Zwölfjährige übrigens am liebsten von Liebesbeziehungen inspirieren – ebenso wie das große Vorbild Taylor Swift. Zur Beruhigung aller Eltern: Noch sind das bei der Schülerin aus den USA aber Liebesbeziehungen aus Film und Fernsehen.

„Es ist wirklich unglaublich“, sagt Grace Vanderwaal über das, was gerade in ihrem Leben passiert. „Ich lebe meinen Traum.“ Ein anderer Traum der Zwölfjährigen ist ein Baumhaus – dafür dürfte ihre Siegprämie locker reichen, und zum Spenden bleibt – wie von ihr bereits angekündigt – dann immer noch mehr als genug übrig.
 

 

Das große Vorbild Taylor Swift

Nicht nur die Jury von „America‘s Got Talent“ fühlt sich beim Anblick von Grace Vanderwaal an Taylor Swift (26) erinnert. Kein Wunder: Die beiden sehen sich in der Tat ähnlich, vor allem dann, wenn die zwölf Jahre alte Grace ihre Haare offen trägt. Aber auch ihre Karrieren weisen jetzt schon Parallelen auf – gerade wenn man sich anschaut, wie früh beide Sängerinnen wussten, welchen Weg sie gehen wollen. Swift begann als Zehnjährige, an Karaoke-Wettbewerben teilzunehmen, und trat auf Festivals und Messen auf – auch damals schon mit eigenen Songs. Mit elf Jahren versuchte sie bereits, einen Plattenvertrag zu ergattern; entdeckt wurde sie schließlich, als sie 14 Jahre alt war. 2006 kam ihre Karriere dann so richtig in Gang, mit Debüt-Single, Debüt-Album und den ersten Auszeichnungen. Inzwischen hat Swift mehr als 50 Preise erhalten, darunter allein zehn Grammys. Zwar hatte die heute 26-Jährige mit der Country-Musik über Jahre große Erfolge, doch seit ihrem fünften Studio-Album „1989“ produziert sie nur noch Pop-Songs. Die US-Amerikanerin gehört mit 170 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Künstlern aller Zeiten. Wenn sie das einholen will, hat Grace Vanderwaal einiges vor sich. Nur in Sachen Liebe sollte sich die Zwölfjährige vielleicht besser ein anderes Vorbild suchen – denn in dieser einen Beziehung ist Swift dann doch erstaunlich flatterhaft.
 

So klingt Grace Vanderwaal


  Der erste Auftritt bei „America’s Got Talent“:
Im Finale von “America’s Got Talent”:
Der Moment, in dem sie Blumen von Taylor Swift bekommt: Gossip Girl:
All About That Bass (Cover):