Frau Hoffmann, für viele Zuschauer ist es noch nicht allzu lange her, dass sie Sie im Fernsehen zum ersten Mal so richtig wahrgenommen haben – das war im Frühjahr, als Sie bei Vox die Moderation von „Grill den Henssler“ übernommen haben. Wo hatten Sie sich denn vorher versteckt?

Mein erstes richtiges Projekt war das Comedy-Format „Ponyhof“ bei TNT Comedy, das ich drei Staffeln lang zusammen mit Jeannine Michaelsen gemacht habe. Das war im Grunde, was Joko und Klaas ganz früher bei „MTV Home“ gemacht haben, allerdings mit Brüsten. (lacht) Vorher hatte ich „Crash Games“ für ProSieben moderiert. Aber „Ponyhof“ war das erste große Projekt, das nur leider zu wenig Leute gesehen habe, weil es im Pay-TV lief. Darüber ist Vox auf mich aufmerksam geworden, und ich wurde gefragt, ob ich nicht Bock hätte, „Knife Fight Club“ zu moderieren, das war eine sehr wilde Kochshow mit Tim Mälzer und Tim Raue. Dadurch war ich bei Vox auf dem Schirm – und so kam ich quasi zu „Grill den Henssler“.

Man wird ja nicht einfach so Moderatorin. Wie sind Sie denn zum Fernsehen gekommen?

Als ich 17 war, bin ich auf der Straße gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte, zu einem Model-Casting zu kommen. Für mich war das völlig abwegig – ich bin ja nur 1,65 Meter groß, und Models waren für mich immer große Frauen. Mir war überhaupt nicht klar, dass es auch einen Werbemarkt gibt, für den Frauen gesucht werden, die keine Standard-Modelmaße haben. Ich habe dann lange gemodelt, tatsächlich noch bis vergangenes Jahr. Zum Fernsehen kam ich dann eigentlich als Aushilfe bei „Bauer sucht Frau“.

Also hinter der Kamera.

Ja, ich habe in der Produktion gearbeitet. Ich bin dafür nach Berlin gezogen – und habe dort an meinen freien Tagen noch gemodelt. In der zweiten oder dritten Woche, als ich in der Firma am Schreibtisch saß, kam eine Frau auf mich zu und hat gesagt: „Du wirst Moderatorin!“ Ich habe nur gesagt: „Nein, das will ich nicht!“ Diese Frau ist heute immer noch meine Managerin, das ist jetzt zehn Jahre her.

TV-Koch Steffen Henssler und Moderatorin Annie Hoffmann in „Grill den Henssler“. Vox zeigt ab dem 27. Oktober 2019 neue Folgen.
TV-Koch Steffen Henssler und Moderatorin Annie Hoffmann in „Grill den Henssler“. Vox zeigt ab dem 27. Oktober 2019 neue Folgen. | Bild: TVNOW / Frank W. Hempel

Also sind Sie gar niemand, der schon immer gern vor anderen gesprochen hat?

Wenn ich mit Leuten am Tisch sitze, bin ich schon diejenige, die alle unterhält und auch gern Quatsch macht. Aber ich hatte nie diesen Drang nach vorn. Aber natürlich ist es reizvoll, wenn jemand vor einem steht und einem Talent attestiert. Und obwohl ich es eigentlich erst mal nicht wollte, bin ich zum Casting gegangen. Und man sieht ja, was daraus geworden ist. (lacht)

Jetzt haben Sie eine neue Sendung, „Seriös – Das Serienquartett“, am 25. Oktober 2019 läuft die zweite Folge. Sind Sie denn wirklich so eine „Allesguckerin“, wie es dort heißt?

Ich bin ein totaler Serien-Junkie! Erst vor Kurzem habe ich bis morgens um drei Uhr die letzte Staffel von „Suits“ geschaut. Das ist eine Serie, die ich wirklich immer verschlungen haben – die, in der früher Meghan Markle mitgespielt hat. Eine tolle Serie! Ich gucke wirklich sehr, sehr viel, das muss ich zugeben. Aber es ist auch so: Wenn mir was nicht gefällt, zwinge ich mich nicht, das zu gucken, bloß weil andere das gut finden. „Derek“ ist zum Beispiel so eine Serie, die mich gar nicht abgeholt hat. Da habe ich nach zehn Minuten gemerkt, dass das nicht meins ist.

Wie läuft das in der Sendung – wer entscheidet, welche Serien besprochen werden?

Wir vier machen alle Vorschläge, und da wird dann auch untereinander gefeilscht, wenn zwei die gleiche Serie vorstellen wollen. Das passiert aber nicht oft, weil wir ein komplett unterschiedliches Sehverhalten haben und auf den ersten Blick auch überhaupt nicht zusammenpassen. Trotzdem sind wir eine Mega-Truppe. Das war wirklich Liebe auf die erste Serie mit uns. (lacht)

Als Sie gefragt wurden, ob Sie Teil des Quartetts sein wollen, was haben Sie da gesagt?

Natürlich: „Ja, klar, da bin ich dabei!“ Als dann klar war, dass nicht nur Kurt Krömer, sondern auch Ralf Husmann und Annette Hess dabei sind, hat es keine Viertelsekunde gedauert und ich bin vor Freude durch meine Wohnung getanzt.

Haben Sie durch die Sendung gute neue Serien kennen gelernt?

Absolut. Kurt Krömer und ich, wir haben zum Beispiel einen relativ ähnlichen Geschmack. Annette Hess hat einen ziemlich schrägen Geschmack. Ralf Husmann bringt Serien mit, die ich vorher nicht kannte, dann aber mega-toll finde. Ich frage mich dann immer: Warum habe ich diese Serie nicht vorher entdeckt? Aber man kann ja einfach nicht alles kennen. Es gibt so viele Plattformen, und dann noch die ganzen Mediatheken dazu …

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Auf welchen Plattformen schauen Sie denn Serien?

Ich gucke tatsächlich auf ganz vielen verschiedenen Plattformen – und ich bin auch so serienverrückt, dass ich es mir im Kalender eintrage, wenn eine neue Staffel meiner Lieblingsserie online geht. Da kann dann kommen, was will: An dem Tag oder an dem Abend und in der Nacht habe ich keine Zeit.

Also schauen Sie gleich alle Folgen am Stück?

Meistens gucke ich eine Staffel gleich komplett durch, ja. Außer zum Beispiel bei der letzten Staffel von „Game Of Thrones“, weil da leider, leider immer nur einzelne Folgen verfügbar waren. Das tut dann echt weh … Manchmal treffe ich mich zum Seriengucken mit Freunden, oder wir schauen parallel und telefonieren uns zusammen oder schicken Sprachnachrichten hin und her.

Was glauben Sie, warum Serien so beliebt sind?

Ich glaube, dass wir dadurch, wie sich unsere Welt entwickelt, von Fiktion angezogen werden – eben von allem, was uns ablenkt von dem, was gerade so passiert im echten Leben. Eine gute Serie ist wie ein gutes Buch, da wird man reingezogen und vergisst komplett alles um sich herum. Dazu kommt natürlich das unfassbar große Angebot an Serien, da ist wirklich für jeden was dabei. Und man kann in Serien ja wirklich jedes Thema verarbeiten – ob es der US-Präsident ist oder zum Beispiel Drogenkartelle.

Haben Sie eine absolute Lieblingsserie?

Oh, ich hatte Angst vor dieser Frage …

Na gut, dann dürfen Sie auch mehrere Lieblingsserien nennen.

Also, was mich total abgeholt hat zuletzt, war „Haus des Geldes“ – da habe ich mir den Staffelstart tatsächlich im Kalender markiert.

Gibt‘s auch deutsche Serien, die Sie gut finden?

Klar! Es gibt viele tolle deutsche Serien. „Bad Banks“ mochte ich zum Beispiel total gern. Und dann natürlich den „Tatortreiniger“ – das ist eine durch und durch außergewöhnlich gute Serie. Was ich auch ganz toll finde, ist die Bauhaus-Serie „Die neue Zeit“ mit Anna-Maria Mühe – es macht total Spaß, das zu gucken. „4 Blocks“ habe ich auch gesehen, das fand ich wahnsinnig gut.

Sind Sie eigentlich ein kritischer Zuschauer? Achten Sie auf logische Fehler oder so etwas?

Natürlich schaut jemand, der selbst in der Medienbranche arbeitet – egal ob vor oder hinter der Kamera, Filme und Serien anders. Und natürlich fallen mir zum Beispiel Anschlussfehler schneller auf. Und ich achte schon auf die Kameraführung, die Schnitte, die Erzählweise. Aber ich kann auch total abschalten und wirklich nur Konsument sein.

Und wie gucken Sie?

Am Laptop, und meistens sitze ich dabei entweder auf der Couch oder im Bett. Bei „Seriös – Das Serienquartett“ reden wir auch genau darüber. Annette Hess zum Beispiel macht immer mehrere Sachen gleichzeitig – sie hat das Telefon in der Hand, kocht und guckt dabei noch eine Serie. Kurt Krömer legt sich immer mit dem Kopf aufs Kissen und dreht sich den Laptop zurecht. Und ich liege auf dem Rücken und habe den Laptop auf dem Bauch. Wenn das Telefon klingelt, gehe ich dann normalerweise gar nicht ran. Bei mir liegt der Fokus dann wirklich zu 100 Prozent auf der Serie, das haben sie auch alle verdient – gerade wenn man mal überlegt, wie viele Menschen an so einer Produktion beteiligt sind und wie viel Arbeit in so einer Serie steckt. Da stehe ich allerhöchstens auf, um zur Toilette zu gehen oder mir was zu essen zu holen.

Mal was ganz anderes: Sie sind auf der Insel Rügen aufgewachsen, oder?

Ja, direkt an der Ostsee, quasi am Strand. (lacht) Meine Eltern leben da heute noch.

Die Steilküste des Nationalparks Jasmund bei Sassnitz auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern – Annie Hoffmann ist auf der Insel aufgewachsen.
Die Steilküste des Nationalparks Jasmund bei Sassnitz auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern – Annie Hoffmann ist auf der Insel aufgewachsen. | Bild: Stefan Sauer / dpa

Jetzt wohnen sie in Berlin. Vermissen Sie das Meer?

Als ich mit 17 weggezogen bin, habe ich es gar nicht vermisst. Wie das bei Teenagern eben so ist: Das war mir alles zu kleinkariert und ich wollte einfach nur raus da. Ich wusste das Meer damals gar nicht zu schätzen, weil ich es ja immer hatte. Ich konnte jeden Tag an den Strand gehen. Aber wenn man das dann nicht mehr kann, wenn es keine Selbstverständlichkeit mehr ist, dann vermisst man es ziemlich schnell. Ich habe jedenfalls gemerkt, dass ich die Nähe zum Wasser einfach brauche – und wenn es nur für ein Wochenende ist. Einfach mal raus aus Berlin, das holt mich wahnsinnig schnell runter und entspannt mich, weil das Wasser für mich natürlich auch ein Stück Zuhause ist.

Sie sind auf Instagram ziemlich aktiv. Aus Spaß oder weil es dazugehört?

Ich würde nichts posten, nur weil jemand meint, dass das gut ankommen würde. Ich achte zum Beispiel auch nicht darauf, ob ich ein Bild zu einer Uhrzeit veröffentliche, zu der laut meiner Follower-Statistik besonders viele Leute online sind. Und ich mache mir keine Gedanken darüber, ob ein Bild wohl viele Likes bekommen wird oder nicht. Allerdings frage ich mich hinterher schon manchmal, warum ein wenig sagendes Selfie viel mehr Likes bekommt als ein Foto, das einen Inhalt vermittelt. Das finde ich fast erschreckend … Was auch abgefahren ist: Wenn ich mich im Internet ungeschminkt zeige, bekomme ich immer ganz viele Kommentare in der Art von: „Wahnsinn, bist du mutig, dich ungeschminkt zu zeigen!“ Dabei zeige ich mich doch einfach so, wie ich eben aussehe. Ich mache mir ehrlich gesagt nicht viele Gedanken darüber, was andere über meine Bilder denken, aber ich glaube, es würde sich für mich komisch anfühlen, wenn ich auf Instagram nicht ich selber wäre, sondern ein verzerrtes Bild von mir zeigen würde.

Zur Person

Annie Hoffmann (35) startete ihre Karriere vor der Kamera als Model. Im Fernsehen war sie zuerst hinter den Kulissen tätig, bevor ihr Talent als Moderatorin entdeckt wurde. Bekannt ist sie vor allem für die Show „Ponyhof“ (TNT Comedy, mit Jeannine Michaelsen). Seit 2019 moderiert sie auf Vox „Grill den Henssler“ – neue Folgen gibt es ab dem 27. Oktober jeweils sonntags um 20.15 Uhr. Aktuell ist Hoffmann auch in „Seriös – Das Serienquartett“ zu sehen – am 25. Oktober, 29. November, 20. Dezember und dann noch mal am 31. Januar 2020 jeweils um 21 Uhr bei ONE (über Kabel, Satellit und per Livestream im Internet).