Herr Morgenroth, an Ostern können wir Sie vertretungsweise als „Traumschiff“-Kapitän im ZDF sehen. Verlassen Sie das Schiff wieder, wenn der neue Kapitän an Bord kommt?

Nein, obwohl es anfänglich darum ging, eine Interimslösung für diese eine Folge zu finden. Aber nun wird der Erste Offizier Martin Grimm, den ich spiele, der Reihe erhalten bleiben. Die Idee dahinter ist, mehr von dem zu zeigen, was auf der Brücke eines Kreuzfahrtschiffs passiert. Mit Kapitän und Erstem Offizier als feste Rollen können dort auch wirklich Szenen spielen, wenn das Schiff zum Beispiel mal in eine brenzlige Situation gerät.

Man weiß über Martin Grimm nicht viel, aber dass er eigentlich Kapitän werden wollte, ist bekannt. Dann wird das Verhältnis zum neuen Kapitän Max Parger vermutlich nicht allzu harmonisch sein, oder?

Genau. Man soll beim Fernsehen ja nichts liegen lassen, was Konfliktpotenzial bietet. (lacht) Und das ist ein wunderbarer Konflikt! Martin Grimm hat sich das alles so schön vorgestellt und war sicher, dass er Kapitän wird. Und dann bekommt er einen neuen Vorgesetzten, der auch noch jünger ist als er, weil die Reederei das so entschieden hat. Dem muss er natürlich erst mal auf die Finger schauen. So etwas kennen ja viele aus ihrem Arbeitsalltag.

Wie lange waren Sie denn für die aktuelle Folge mit der „MS Amadea“ unterwegs?

Drei Wochen.

Das Kreuzfahrtschiff "MS Amadea", bekannt auch aus der ZDF-Serie "Das Traumschiff".
Das Kreuzfahrtschiff "MS Amadea", bekannt auch aus der ZDF-Serie "Das Traumschiff". | Bild: Dietmar Hasenpusch / dpa

Werden Sie in Zukunft länger auf dem Schiff sein?

Wenn es sich einrichten lässt, dann nicht – ich habe ja Familie. Und Florian Silbereisen, der den neuen Kapitän spielt, hat Termine, die teilweise schon lange feststehen. Das Gute an der neuen Konstellation ist, dass wir uns gegenseitig auch mal etwas abnehmen können. Das ist unser Ziel. Dann ist er zum Beispiel beim Auslaufen an Bord und ich beim Landgang. Es ist ja auf Kreuzfahrtschiffen so, dass der Erste Offizier den Kapitän vertritt, wenn der aus irgendeinem Grund verhindert ist. Und das soll jetzt auch auf dem „Traumschiff“ so sein, sodass wir nicht beide die ganze Zeit auf dem Schiff sein werden. Das könnten sonst schon mal ein paar Monate am Stück sein. Und das geht für mich eben gar nicht, und für Florian Silbereisen auch nicht.

Als bekannt wurde, dass Sie für eine Folge den Kapitän vertreten, war die Entscheidung wirklich so kurzfristig gefallen, wie es für die Zuschauer wirkte?

Nein. Mein Casting war im November gewesen, und ich war schon eine Weile im Bilde über die Entscheidung, als sie dann öffentlich wurde.

Was können Sie denn über Ihre Rolle erzählen? Was für ein Mensch ist Martin Grimm?

Er ist jemand, der eine gewisse Gelassenheit in seinem Beruf entwickelt hat, weil er eben nicht mehr der Jüngste ist und manche Dinge anders sieht als früher. Daraus speist sich auch die Konkurrenz zum Kapitän,da steht Erfahrung gegen Jugend. Und Martin Grimm hat ein Geheimnis, so viel darf ich schon verraten. Das ist auch der Grund, weshalb die Reederei sich für den Jüngeren entschieden hat. Aber was genau das ist – da weiß ich im Moment noch genauso wenig wie die Zuschauer.

Als bekannt wurde, dass Florian Silbereisen der neue Kapitän wird, gab es viel Kritik von Kollegen, weil er kein ausgebildeter Schauspieler ist. Wie sehen Sie das?

Ich denke, dass man jedem eine Chance geben muss. Ich weiß, dass Florian Silbereisen ein sehr umgänglicher Mensch ist. Niemand, der arrogant ist, sich aufspielt oder denkt, er sei etwas Besseres, nur weil er einen hohen Bekanntheitsgrad hat. Jetzt schauen wir erst mal, wie er sich macht. Er nimmt das wirklich ernst, bereitet sich vor und hat einen guten Coach. Er wollte diese Rolle wirklich haben und hat sich auch darum bemüht – und ganz sicher nicht, um bekannt zu werden, das ist er ja schon. Ich finde es nicht in Ordnung, jemanden vorzuverurteilen. Natürlich ist die Skepsis gestandener Schauspieler einerseits verständlich. Aber andererseits muss man doch auch fragen: Warum eigentlich nicht? Florian hat einen Coach und auch ich helfe ihm gerne, sofern das überhaupt nötig ist. Ich bin ganz sicher, wir werden schöne Szenen zusammen spielen.

Florian Silbereisen in seiner Rolle als Kapitän Max Parger. Der 37-jährige Schlagerstar hat seine ersten Drehtage schon hinter sich.
Florian Silbereisen in seiner Rolle als Kapitän Max Parger. Der 37-jährige Schlagerstar hat seine ersten Drehtage schon hinter sich. | Bild: Dirk Bartling / ZDF

Konnten Sie den Dreh zur Oster-Folge auch ein bisschen genießen? Haben Sie was von Land und Leuten gesehen?

Ja. Man hat ja als Schauspieler den Vorteil, dass man nicht an jedem Drehtag von früh bis spät dran ist, sondern man hat auch mal freie Tage, wenn die Kollegen vor der Kamera stehen. Und wenn es passt, kann man auch an einem Landausflug teilnehmen. Wir waren zum Beispiel in Myanmar und haben uns dort Pagoden angeschaut. Das war schon toll. Aber in Indien war ich kein einziges Mal an Land, weil es zeitlich einfach nicht gepasst hat. So kann es auch gehen.

Sie waren früher schon mehrfach als Episodendarsteller auf dem „Traumschiff“ und bei „Kreuzfahrt ins Glück“, haben also schon ein paar Kreuzfahrten hinter sich. Ist das Ihre Art zu reisen?

Privat mache ich ganz andere Sachen, insofern ergänzt sich das wunderbar. Das „Traumschiff“ ist Luxus pur. Sonst mache ich eher verschärfte Touren. (lacht) Ich fahre zum Beispiel mit dem Kajak aufs Meer. Dann habe ich auch ein Zelt dabei und schlafe bei Wind und Wetter draußen. In Alaska hat es im Sommer gerade mal acht Grad, es regnet und stürmt und man sieht da auch mal zwei, drei Wochen keinen einzigen Menschen. So etwas liebe ich über alles. Ähnliche Sachen mache ich auch gern mit dem Fahrrad, auch mit der Familie und dann natürlich nicht ganz so wild. Im Sommer wollen wir mit dem Fahrrad durch Schweden fahren, mit Zelt und allem Drum und Dran. Wer kann da was dagegen haben, zur Abwechslung auch mal wieder den Komfort auf dem „Traumschiff“ zu genießen? Ich weiß das dann umso mehr zu schätzen.

Wie groß ist Ihre Familie?

Wir haben zwei Töchter, die sind jetzt zehn und zwölf Jahre alt.

Das wird ja nicht ohne für sie, mit dem Fahrrad durch Schweden zu fahren …

Wir haben ein Vierertandem! Das ist 5,40 Meter lang, hat zwei Räder und vier Sattel hintereinander. Jeder muss mittreten. Da kommt das Zelt drauf und die Schlafsäcke und die Isomatten – und dann geht’s los.

Das Tandem ist vermutlich eine Spezialanfertigung?

Ja. Man kann es auseinandernehmen, sodass man es auch mit dem Auto transportieren kann.

Für die Deutsche Umwelthilfe sind Sie vergangenes Jahr ins Wasser gesprungen, um gegen das Zurückwerfen von Fischen ins Meer zu protestieren. Ist Ihnen Umweltschutz wichtig?

Unbedingt! Wenn man Kinder hat und sich für sie eine gute Zukunft wünscht, geht das doch gar nicht anders. Ich glaube, das Thema wird in den nächsten Jahrzehnten noch viel wichtiger werden, auch wenn manche es bisher noch verdrängen. Deswegen mache ich solche Sachen, die Aufmerksamkeit schaffen, spende aber auch viel.

Demonstrieren Ihre Töchter denn auch bei den „Fridays For Future“?

Nein. Das ist an ihrer Schule irgendwie noch nicht in Gang gekommen. Ich finde die Aktion an und für sich beeindruckend, aber ich bin mir trotzdem nicht ganz sicher, wo das hinführen soll. Ich würde meinen Töchtern aber auf keinen Fall verbieten, dort hinzugehen, wenn sie es ernst meinen.

Sie leben ja in Brandenburg ziemlich ländlich.

Wir wohnen in einem ganz kleinen Dorf mit 90 Einwohnern, mitten im Wald.

Ist das für Sie ein Ausgleich zur Schauspielerei, dank der Sie ja in der Öffentlichkeit stehen?

Es ist nicht in erster Linie eine Reaktion darauf, sondern es war einfach der tiefe Wunsch, die Stadt zu verlassen. Das ist jetzt aber auch schon 20 Jahre her. Wir wollten möglichst naturnah leben, nicht im Speckgürtel irgendeiner großen Stadt, sondern draußen. Nun wohnen wir 70 Kilometer nördlich von Berlin – das ist wirklich Land.

Haben Sie auch Tiere?

Katzen haben wir, Kaninchen hatten wir. Aber keine Hühner oder so – noch nicht. Wir hätten gern welche, aber das ist mit meinem Beruf nicht so einfach. Man kann sich keine Tiere anschaffen und dann ständig auf Achse sein.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit, wenn Sie nicht gerade drehen?

Ich musiziere, ich schreibe – zum Beispiel fürs Theater. Aber ich schreibe auch Lieder, für mich selbst und für andere. Die nehme ich dann auch auf. Und vielleicht noch in diesem, spätestens aber im nächsten Jahr will ich damit auch auftreten.

Zurück zum „Traumschiff“. Ist so eine feste Rolle für einen Schauspieler nicht der Jackpot?

Das kann man schon so sagen. Wenn ich in der Stadt leben würde und eine teure Wohnung hätte, würde es vielleicht trotzdem nicht reichen. Aber hier auf dem Land tut es das. Wir haben ja auch keine Luxusvilla, sondern ein uraltes Haus, das wir nach und nach ausgebaut haben.

Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle (Harald Schmidt, rechts) steht dem Ersten Offizier Martin Grimm (Daniel Morgenroth) mit Rat und Tat zur Seite.
Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle (Harald Schmidt, rechts) steht dem Ersten Offizier Martin Grimm (Daniel Morgenroth) mit Rat und Tat zur Seite. | Bild: Dirk Bartling / ZDF

Macht so ein festes Engagement das Leben entspannter?

Absolut! Das war auch mein erklärtes Ziel. Ich habe lange sehr viel gearbeitet, und irgendwann merkt man einfach, dass man nicht immer so weiter machen kann. Erst recht, wenn man dann Kinder hat. Also habe ich eine Entscheidung getroffen, die ich keine Sekunde bereut habe: weniger zu arbeiten, Rollen gezielter auszuwählen und dann eben auch bescheidener zu leben.

Bleibt Ihnen, auch wenn Sie jetzt so viel mit dem „Traumschiff“ unterwegs sind, noch genug Zeit für andere Projekte?

Ja. Das ist mir auch wichtig, dass für anderes genug Raum bleibt. Auf dem Schiff habe ich auch Zeit, schließlich drehen wir nicht 24 Stunden am Tag und manchmal haben wir unterwegs auch einen oder zwei Tage frei. Da kann ich mich auch zurückziehen und an anderen Projekten arbeiten. Das funktioniert ganz wunderbar. Ich weiß genau, wann und wo ich an Bord Ruhe habe. Dann sitze ich mutterseelenallein unterm Sternenhimmel und mache zum Beispiel ein bisschen Musik. Das ist geschenkte Zeit!