Herr Monot, es ist jetzt schon eine Weile her, dass Sie als Anwalt Benni Hornberg bei der ZDF-Serie „Ein Fall für zwei“ eingestiegen sind. Staunen Sie manchmal, dass Sie nun bereits das siebte Jahr dabei sind?

Ich bin nicht erstaunt, nein. Wenn man bei einer Serie zusagt, dann ist einem ja auch klar, dass man das länger macht, wenn es gut läuft. Ich würde keine Rolle in einer Serie übernehmen, wenn ich von Vornherein sage, dass ich das nur drei oder vier Jahre machen will. Von daher: Sieben Jahre, das ist eine schöne Zahl. Ich finde es toll, dass wir schon so viele Staffeln gemacht haben – und wir sie auch machen durften. Wenn das Publikum uns weiterhin zuschauen will, erfülle ich diesen Wunsch gern.

„Ein Fall für zwei“ hat – im Vergleich zu anderen Serien – pro Staffel relativ wenige Folgen. Ist das ein Versuch, die Qualität zu sichern? Also lieber wenige gute als viele mittelmäßige Drehbücher?

Das ist sicher ein Gedanke dabei. Wobei ich natürlich den Kolleg*innen, die zehn Folgen pro Staffel machen, nicht absprechen will, dass sie gute Bücher haben. Auch das ist möglich und kein Hexenwerk. Ich finde es aber ganz gut, dass wir immer nur vier bis sechs Folgen machen. Und ich würde mich freuen, wenn es beim nächsten Mal wieder sechs sind.

Die Serie gibt es seit fast 40 Jahren. Viele Zuschauer verknüpfen damit auch Erinnerungen. Welche TV-Formate haben Sie denn in Ihrer Kindheit und Jugend geprägt?

Das sind drei, alle aus dem Krimi-Bereich und interessanterweise alle deutschsprachig. Einmal „Der Fahnder“ mit Klaus Wennemann. Ich habe die Serie ohne Ende geschaut. Dann der Schimanski-Tatort. Und schließlich … „Ein Fall für Zwei“ mit Günter Strack.

Ehrlich?

Ja, Matula und Dr. Renz, also Claus Theo Gärtner und Günter Strack, waren für mich das A und O. Wenn man als Zwölfjähriger vorm Fernseher sitzt und seine Lieblingsserie schaut, kann man sich das überhaupt nicht vorstellen, dort selbst mal eine der beiden Hauptrollen zu spielen. Dabei wusste ich damals schon, dass ich Schauspieler werden will. Das ist schon verrückt. (lacht)

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Wenn man eine Rolle über längere Zeit spielt, besteht da die Gefahr, dass die Routine überhand nimmt?

Ich glaube, die Gefahr besteht in diesem Fall nicht, weil wir nicht 20 Folgen im Jahr drehen, sondern vier bis sechs. Da kann eigentlich keine Routine aufkommen. Dazu kommt: Man muss als Schauspieler* einfach jedes Drehbuch mit einem unverstellten Blick lesen und sich mit dem Thema neu auseinandersetzen. Außerdem haben wir auch immer unterschiedliche Regisseur*innen, was ich toll finde. Es ist also permanent Bewegung drin.

Freuen Sie sich, beim Dreh die Kollegen wiederzusehen – oder gibt es da viele Wechsel?

Die Kolleg*innen hinter der Kamera wechseln ohnehin regelmäßig. Und vor der Kamera sind die Einzigen, die von Anfang an dabei sind, Wanja Mues und ich. Wir haben uns über die Arbeit angefreundet.

So ging es los: Die Schauspieler Wanja Mues (links) und Antoine Monot, Jr. posieren im März 2013 in Frankfurt am Main am Set der ZDF-Krimiserie „Ein Fall für zwei“.
So ging es los: Die Schauspieler Wanja Mues (links) und Antoine Monot, Jr. posieren im März 2013 in Frankfurt am Main am Set der ZDF-Krimiserie „Ein Fall für zwei“. | Bild: Daniel Reinhardt / dpa

Es gibt in der Serie ja auch immer Episoden-Hauptrollen. Wer ist Ihnen da aus der aktuellen Staffel besonders in Erinnerung geblieben?

Da gab es ganz viele tolle Kollegen*. Mit Axel Stein war es ein schönes Wiedersehen. Wir haben vor vielen Jahren schon einmal zusammengearbeitet. Das ist bestimmt zehn Jahre her. Antonia Moretti, die Tochter von Tobias Moretti, kannte ich vorher nicht, sie ist eine beeindruckende Schauspielerin.

Sie waren auch schon in einigen Tatorten zu sehen. Wären Sie gern TV-Kommissar?

Ja, natürlich kann ich mir das vorstellen. Bei uns spielen wir Ermittler, aber keine Polizisten, was eine ganz andere Sicht auf einen Fall ermöglicht und auch unser Alleinstellungsmerkmal in Deutschland ist.

Ihr Vater ist ja Schweizer, Sie besitzen das Schweizer Bürgerrecht. Gibt es an Ihnen etwas typisch Schweizerisches?

Da müssten Sie meine Lebensgefährtin Stefanie fragen. Der würde da sicher ganz viel einfallen. (lacht) Auf jeden Fall rutsche ich manchmal so ins Schweizerdeutsch rein, wenn ich müde bin.

Schauspieler Antoine Monot, Jr. und seine Partnerin Stefanie Sick beim Deutschen Filmball 2019.
Schauspieler Antoine Monot, Jr. und seine Partnerin Stefanie Sick beim Deutschen Filmball 2019. | Bild: Tobias Hase / dpa

Und sprechen Sie es auch mal absichtlich?

Ganz selten. Mein Umfeld ist hauptsächlich hochdeutsch.

Dann müssen Sie mal an den Bodensee kommen, da haben Sie es nicht so weit bis in die Schweiz.

Während der 18 Jahre, die ich in Zürich gelebt habe, waren wir als Jugendliche öfter in Konstanz im Casino, weil es damals in der Schweiz keine gab. Wir haben dort schöne Abende verbracht! Wir waren viel dort, dadurch ist mir auch die Bodensee-Region sehr vertraut.

Sind Sie heute auch noch manchmal da?

Ich bin ein begeisterter E-Bike-Fahrer und habe in meiner Fahrrad-App kürzlich eine ganz tolle Tour rund um den Bodensee in mehreren Tagen entdeckt. Die Tour würde ich gerne machen. Von daher gibt es ein Bodensee-Projekt.

Sie waren ja auf einer Waldorf-Schule, wie übrigens einige Ihrer Schauspieler-Kollegen. Wird die Kreativität dort so stark gefördert, dass viele Schüler künstlerische Berufe ergreifen?

Das kann ich mir schon vorstellen. Wobei ich auch viele Menschen kenne, die auf einer Waldorf-Schule waren und dann in der Wirtschaft gelandet sind. Aber Waldorf-Schulen haben schon einen speziellen Zugang zur Kreativität.

Mit diesem Film begann seine Filmkarriere 1999: In einer Szene des Roadmovies „Absolute Giganten“ sind Ricco (Florian Lukas, von links), Floyd (Frank Giering) und Walter (Antoine Monot, Jr.) zu sehen.
Mit diesem Film begann seine Filmkarriere 1999: In einer Szene des Roadmovies „Absolute Giganten“ sind Ricco (Florian Lukas, von links), Floyd (Frank Giering) und Walter (Antoine Monot, Jr.) zu sehen. | Bild: dpa

Sie sind Vorstandsmitglied im Bundesverband Schauspiel, also quasi ein Gewerkschafter. Ist es Ihnen wichtig, sich ehrenamtlich zu engagieren, sich für andere einzusetzen?

Ja, ich finde es wichtig, etwas zu tun. Wir haben auch schon sehr viel erreicht. Ich verantworte das Ressort Gender und Diversität. Ein spannendes, wichtiges und hochaktuelles Thema. Gesellschaftlich stehen wir am Anfang einer langen Reise.

Sie haben auch schon viel Theater gespielt. Haben Sie aktuell Pläne, auf die Bühne zurückzukehren?

Im Moment nicht, ich komme zeitlich einfach nicht dazu. Theater bindet mich immer sehr lange, mit den Proben und Aufführungen.

Finden Sie denn wenigstens Zeit, um das Theater als Zuschauer zu besuchen?

Ja, wobei ich öfter ins Theater gehen könnte.

Und was schauen Sie sich lieber an? Klassiker oder moderne Stücke?

Das kann ich so pauschal nicht beantworten. Man kann das eine nicht gegen das andere ausspielen. Interessant ist es für mich immer dann, wenn es um Geschichten und Sichtweisen von Menschen geht, in die ich als Zuschauer eintauchen kann.

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