Miss Lilly, Sie spielen in „Ant-Man And The Wasp“ wieder die Wissenschaftlerin Hope, die inzwischen auch Superheldin ist. Welcher Aspekt ist für Sie der spannendere an der Rolle?

Am meisten liebe ich, dass Hope hyperintelligent und eine Forscherin ist. Selbst wenn sie gegen einen Bösewicht kämpft, geht sie die Sache mit dem analytisch-klaren Blick einer Wissenschaftlerin an. Das ist genau mein Ding, denn ich selbst zu Beispiel interessiere mich sehr für Quantenphysik.

Tatsächlich?

Ja, seit ich den Dokumentarfilm „What The Bleep Do We (K)now!?“ gesehen habe. Bis dahin war ich immer in einem großen Zwiespalt: Einerseits hatte ich immer einen sehr wissenschaftlich funktionierenden Verstand, aber spürte gleichzeitig auch einen tiefen Glauben. Das erschien mir unvereinbar, ein echter Widerspruch. Bis ich eben etwas über Quantenphysik erfuhr, in der ja quasi die Mauer zwischen Wissenschaft und Glauben niedergerissen wird. Das fasziniert mich ungemein.

Wenn Sie von Ihrem Glauben sprechen, meinen Sie Religion?

Nicht unbedingt. Für mich ist das nichts, was in die Öffentlichkeit gehört. Aber lassen Sie es mich so ausdrücken: Glaube ist für mich etwas, das sich über Religion ausdrücken kann, aber keinesfalls muss.

Heutzutage hat man ja fast das Gefühl, die Superhelden im Kino seien unsere neuen Götter!

Das stimmt, und tatsächlich ist da ja etwas dran. Ich glaube, dass solche Filme den Zuschauern in gewisser Weise einen moralischen Kompass mit auf den Weg geben. Und Hoffnung. Sie vermitteln Mut und sind gut für die Moral, was in den Zeiten, in denen wir leben, ja wichtiger ist denn je. Natürlich sind diese Comic-Verfilmungen auch so erfolgreich, weil die Leute im Kino Ablenkung und Unterhaltung suchen. Aber ich glaube, dass es ihnen auch um Idealismus und Aufrichtigkeit geht.

Wie gehen Sie selbst eigentlich damit um, dass die Welt im Moment ein wenig aus den Fugen zu geraten scheint?

Ich entscheide mich bewusst dafür, optimistisch zu sein. Klar, die Welt steht in Flammen, aber Angst ist die falsche Reaktion. Ich will nicht vor Schreck gelähmt sein, sondern lieber all meine Gedanken und Kreativität darauf konzentrieren, etwas Positives zu bewirken.

Kommen wir noch einmal auf „Ant-Man And The Wasp“ zurück: Als vor drei Jahren der erste Teil in die Kinos kam, sagten Sie in Interviews, Sie wünschten, Michelle Pfeiffer würde Ihre Mutter spielen. Dass es nun tatsächlich so gekommen ist, ist also Ihr Verdienst?

Angeblich nicht. Als unser Regisseur Peyton Reed die frohe Kunde brachte, dass er Michelle Pfeiffer für die Rolle in der Fortsetzung gewinnen konnte, habe ich ihn das jedenfalls auch gefragt. Aber angeblich erinnerte er sich überhaupt nicht daran, dass ich Michelle schon vor drei oder vier Jahren ständig für diese Rolle ins Spiel gebracht hatte. Aber ich behaupte jetzt natürlich trotzdem immer, dass ich die Sache heraufbeschworen habe. Und bin vor allem immer noch überglücklich, dass mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist.

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Was begeistert Sie denn so sehr an ihr?

Ich war als Kind hin und weg, als sie Catwoman gespielt hat, in „Batmans Rückkehr“. In dieser Rolle wurde sie zu meinem Idol, ich wollte unbedingt so sein wie diese Frau. Ich fand sie natürlich auch in anderen Rollen in den 80er- und 90er-Jahren toll. Aber in keiner hat sie mich damals so beeindruckt wie als Catwoman. Weil sie wunderschön und sexy war, eben kein bisschen schwach oder objektifiziert. Sie hatte vollkommene Kontrolle, über sich und alle anderen. Das hat mich enorm beeindruckt, denn oft bekommt man ja als Mädchen den Eindruck, dass man sich entscheiden müsse: entweder hübsch und niedlich oder stark und respektiert. Beides gleichzeitig geht nicht, das wurde mir zumindest oft gespiegelt. Bis mich Michelle eines Besseren belehrte.

Sie spielen selbst durchsetzungsstarke Frauen, in Action- und Fantasy-Rollen von „Lost“ über „Der Hobbit“ bis „Ant-Man And The Wasp“. Haben Sie einen besonderen Bezug zu solchen Geschichten oder ist es Hollywoods Einfallslosigkeit, die Sie auf solche Rollen festlegt?

Hm, wahrscheinlich stimmt beides ein bisschen und hängt auch miteinander zusammen. Ich habe im Lauf der Jahre gelernt, dass Fantasy, Science Fiction und solche Sachen wirklich mein Ding sind. Genauso wie deren Fans. Schon als junges Mädchen, wenn die Fantasie mit mir durchging, schmiss ich mit Freuden jeden Realismus über Bord und stürzte mich aufs Fantastische. Trotzdem will ich nicht bestreiten, dass ich in unserer Branche ein bisschen in dieser Schublade feststecke. Ich wurde bekannt als kämpferische Frau, die ihren Mann steht, und solche Figuren sind in Hollywood meistens vor allem in Fantasy-Filmen zu finden. Aber ich beschwere mich nicht. Dieses Image hat mir eine beständige Karriere beschert. Und da ich zu Hause die Brotverdienerin bin, während mein Partner Hausmann ist und sich um die Kinder kümmert, bin ich dafür sehr dankbar.