Herr Kralitschka, was gefällt Ihnen am Model-Beruf?

Dass man viele Freiheiten hat, viel reist, fast jeden Tag mit neuen Leuten zusammenarbeitet, die meistens sehr kreative, sehr offene Menschen sind und nicht in Schubladen denken. Was mir auch gefällt, ist die schauspielerische Seite des Berufs, denn man muss als Model unterschiedliche Emotionen darstellen. Mal zeigt man das coole, dann das freundliche Gesicht. Ich liebe einfach die Abwechslung. Ich glaube, ich habe als Model schon jeden Beruf dargestellt – vom Flugzeug-Piloten bis zum Rennfahrer. Ich durfte wirklich schon überall reinschnuppern, und das macht mir am meisten Spaß.

Und was machen Sie am liebsten? Foto-Shootings, Werbespots – oder bevorzugen Sie den Laufsteg?

Eigentlich mag ich das alles. In der klassischen Werbe-Fotografie, sei es im Katalog-Bereich oder bei Kampagnen, kenne ich mittlerweile sehr viele Leute. Das ist fast wie eine kleine Familie, die man jedes Jahr trifft. Das mache ich gerne. Allerdings mag ich auch Herausforderungen. Ich habe mal einen Werbespot gedreht, dafür musste ich an drei Tagen ein Formel-1-Auto auf einer Rennstrecke in Barcelona fahren, das war natürlich ein Highlight. So etwas macht mir unheimlich viel Spaß.

Jetzt sitzen Sie in der Jury von "Curvy Supermodel". Ist es Ihr erstes Mal in einer Jury?

Nein, ich saß schon mal bei einer Miss-Wahl in der Jury.

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Wie war es für Sie, die Teilnehmerinnen für eine längere Zeit zu begleiten und zu unterstützen?

Genau das hat mir am meisten Spaß gemacht. Es war wirklich ein Begleiten. Je mehr Zeit vergangen ist, desto wichtiger wurde für das Weiterkommen in der Sendung auch die Persönlichkeit der Kandidatinnen. bei einem Model kommt es nicht nur auf das Aussehen und die Körperform an, sondern auch auf die Einstellung. Wie weit bin ich bereit zu gehen?, Wie diszipliniert bin ich?, Kann ich mich in verschiedene Rollen hineinversetzen? Wir haben versucht, für die Kandidatinnen so viele verschiedene Herausforderungen wie möglich zu kreieren. Vom Gang über den Catwalk bis zum Abenteuer-Heldinnen-Shooting. Wir wollten sehen, wie wandelbar sie sind. So lernt man auch die jeweilige Persönlichkeit kennen.

Wie würden Sie Ihre Rolle in der Sendung beschreiben? Sind Sie vielleicht der Strenge? Oder eher der Hilfsbereite?

Ich durfte einfach Jan sein. Natürlich habe ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht, welche meine Kriterien sein werden. Ich habe mich zum ersten Mal theoretisch mit den Anforderungen an ein Model auseinandergesetzt. Ich habe mich gefragt: Was ist für mich wichtig? Wie kann ich am besten herausfinden, wer das nächste Curvy Supermodel sein wird? Und es lag mir wirklich am Herzen, den Kandidatinnen zu helfen, die den richtigen Look hatten, aber daran zu scheitern drohten, dass ihnen Selbstbewusstsein fehlt. Ihnen habe ich gesagt: "Schau dich doch mal an! Schau, was du für eine Wirkung hast! Du hast keinen Grund, Selbstzweifel zu haben."

Entsprechen die Frauen aus der Sendung eigentlich Ihrem Schönheits-Ideal?

Ich weigere mich, mich auf Äußerlichkeiten festzulegen. Es ist doch ziemlich langweilig, wenn ein Mann zum Beispiel sagt, dass er nur auf Blondinen steht. Oder wenn eine Frauen sagt, dass ihr Traummann unbedingt lockiges schwarzes Haar haben muss. Für mich bedeutet Attraktivität, dass jemand ein gesundes Selbstbewusstsein hat, nicht arrogant ist, aber mit sich selbst zufrieden, dass man Begeisterung und Lebensfreude ausstrahlt, ein Funkeln und Glitzern in den Augen hat.

Sind Sie mit Ihren Jury-Kollegen gut zurechtgekommen?

Ja, auf jeden Fall … Was aber nicht heißen soll, dass wir nicht immer mal wieder unterschiedlicher Meinung waren. Wir kommen zwar alle aus dem Model-Bereich, haben aber sehr unterschiedliche Ansatzpunkte, setzen verschiedene Prioritäten. Das heißt: Es gab auch Diskussionen.

Was würden Sie eigentlich sagen: Haben es männliche Models leichter als weibliche?

Der Model-Beruf ist ja einer der ganz wenigen, in dem Männer im Durchschnitt weniger verdienen als Frauen.

Das stimmt, aber die Anforderungen und der Druck sind doch sicher sehr unterschiedlich?

Ja. Wenn so ein Model-Job, sagen wir, um sieben Uhr anfängt, dann werden die ersten Männer-Fotos um acht gemacht und die Frauen-Fotos dann etwa drei Stunden später, weil die Frauen ja länger in der Maske sitzen. Da haben es Männer schon leichter. Ich glaube auch, dass Männer mit Konkurrenz-Situationen etwas gelassener umgehen. Die meisten Männer-Models, die ich kenne, sind einfach coole Jungs. Das ist bei den Frauen eigentlich genauso. Man kann es sich gar nicht leisten, zickig zu sein. Wenn man Naomi Campbell heißt, dann vielleicht. Aber die wenigsten heißen Naomi Campbell.

Stimmt es eigentlich, dass Sie immer noch als Anwalt arbeiten?

Ja, das mache ich immer noch, und ich genieße den Ausgleich. Natürlich ist es manchmal schwer, wenn man zum Beispiel gerade ein Foto-Shooting in Miami hat und weiß, dass man abends im Hotel noch schnell ein Fax aufsetzen muss. Aber grundsätzlich macht mir dieses Leben in zwei Welten Spaß.

Also haben Sie nicht vor, sich auf eine Karriere zu konzentrieren?

Ich bin kein Mensch, der in Schubladen denkt. Ich mag die Abwechslung – was man auch daran sieht, dass die TV-Formate, bei denen ich mitgemacht habe, alle etwas absolut Neues und auch eine riesige Herausforderung für mich waren. Ich habe einfach keine Lust, mich festzulegen.

Sie promovieren, stimmt das?

Ja, ich promoviere und hoffe, dass ich bald mein Rigorosum habe, meine mündliche Prüfung.

Dr. Kralitschka, das klingt nicht schlecht. Schauen Sie sich eigentlich grundsätzlich gern Castingshows an?

Ja. Die Idee, die dahintersteckt, also einen Wettbewerb öffentlich auszutragen, ist gut. Ich war selbst mal Teilnehmer einer Castingshow, es war eine der ersten im deutschen Fernsehen: "Deutschland sucht den Coca-Cola-light-Mann". Es gab 40 000 Bewerber, und ich bin es am Ende zwar nicht geworden, aber ich war unter den letzten zehn und durfte mich in einer TV-Sendung beweisen. Damals bin ich wirklich über mich hinausgewachsen. Wenn ich mir heute Castingshows ansehe, dann ist mir wichtig, dass sie authentisch sind.

Sie leben ja auf einem Bauernhof, wo Sie, wie man hört, auch viel selber machen, zum Beispiel Möbel restaurieren. Ist das Ihr Ausgleich zum Beruf?

Es ist eine Mischung aus Forsthaus und altem Bauernhof. Und ich mache da wirklich fast alles selbst. Ich kann mich zum Beispiel auch mal zehn Stunden nur damit befassen, Holz zu hacken. Danach fühle ich mich großartig und kann dann auch noch in einer TV-Show auftreten. Ich glaube, es ist wirklich der Ausgleich, der mich dazu treibt, auch Handwerkliches zu machen, zum Beispiel ein Baumhaus zu bauen.

Sie sind ja recht früh zum ersten Mal Vater geworden. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Sohn?

Wir haben einen guten Draht zueinander, allerdings ist mein Sohn von den Interessen her eher theoretisch aufgestellt. Er studiert Geschichte auf Lehramt und mag es gar nicht so gern, mit mir am Haus rumzubasteln. Aber ich glaube, er kommt da auch noch hin. (lacht)

2013 waren Sie der "Der Bachelor". Glauben Sie, dass Sie ohne die Sendung heute dort wären, wo Sie jetzt sind?

Ich bin kein Karrieremensch und habe keine Karriereplanung. Ich habe bisher Glück gehabt und meine Arbeit nie als Arbeit angesehen. Ich konnte mein Geld immer mit Dingen verdienen, die mir Spaß machen. Ich habe keine Ahnung, wo ich wäre, wenn ich nicht bei "Der Bachelor" mitgemacht hätte. Mein Leben war vorher für mich bunt genug. Danach war es auch bunt – und das ist es immer noch. Ich habe auch mal als klassischer Nine-To-Five-Anwalt gearbeitet, aber das würde ich nicht mehr machen.

Haben Sie sich inzwischen daran gewöhnt, dass Ihr Name auch mal in den Schlagzeilen auftaucht?

Wenn es gute Schlagzeilen sind, dann habe ich mich daran gewöhnt. (lacht)

Lesen Sie, was über Sie geschrieben wird?

Wenn man mitten in der Natur lebt, bekommt man gar nicht so viele Schlagzeilen mit. Für mich ist im Leben wichtig, das ich mit mir selbst klarkomme. Ich muss jeden Morgen in den Spiegel schauen und sagen können: "Ja, die Entscheidung ist richtig!" Ob andere dann auch dieser Meinung sind, ist vielleicht interessant, aber auf mich hat das keinen Einfluss.

Sie sind neuerdings auch bei Instagram. Wie kam es dazu?

Auslöser war, das muss ich ganz ehrlich sagen, die Jury-Teilnahme bei "Curvy Supermodel". Ich habe beim Dreh so viele tolle Erfahrungen gesammelt, die es einfach wert sind, geteilt zu werden. Und: Es macht einfach Spaß. Ich bin niemand, der täglich Bilder von seinem Essen postet. Aber wenn sich was ergibt, von dem ich denke, dass es die Leute interessiert, dann zeige ich das gern.