Herr Baum, als Titelheld der Komödie „Mein Schwiegervater, der Camper“ spielen Sie den Chef einer eingeschworenen Camper-Community. Sind Sie privat auch Camper?

Ich bin sogar ein leidenschaftlicher Camper, habe diesen Sommer viel gecampt. Am liebsten auf einfachen, möglichst wilden Campingplätzen mitten in der Natur, in den Bergen oder am Meer. Dann schlage ich kurz mein Lager auf, stürze mich in Aktivitäten und erkunde erst mal die Landschaft. Am schönsten finde ich Campingplätze mit wenig Komfort.

Henning Baum campt am liebsten in der Natur.
Henning Baum campt am liebsten in der Natur. | Bild: Patrick Seeger/dpa

Da sind die Camper im Film aber ganz anders gestrickt …

(lacht) Das ist tatsächlich eine ganz andere Szene. Die Geschichte befasst sich ja mit Dauercampern, die in festinstallierten Wohnwelten mit kleinen Vorgärten leben – für die der Campingplatz quasi zu einem zweiten Zuhause geworden ist.

Was hat Ihre Filmfigur Hartmut gegen den neuen Freund seiner jüngsten Tochter, der von Oliver Wnuk als Traum jeder Schwiegermutter verkörpert wird?

Diesen aalglatten Typen empfindet Hartmut als Weichei. Auch dass der Kerl Anwalt ist und aus der Stadt kommt, gefällt ihm gar nicht. Und dass sich diese Lusche auch noch an seine Tochter ranmacht, ist für Hartmut unerträglich.

Wie war die Zusammenarbeit mit Schauspielkollege Oliver Wnuk?

Sehr inspirierend. (schmunzelt) Das war eine wunderbare Zusammenarbeit. Wir hatten ja vorher schon zwei Mal gemeinsam vor der Kamera gestanden. Oliver Wnuk hat es fertiggebracht, Dinge aus mir herauszuholen, die mich selber überrascht haben. Ich hab ihm beim Spielen zugesehen, und dann sind mir schon ganz viele Ideen zu meiner Figur gekommen. Er hat gewissermaßen das Sadistische aus Hartmut herausgekitzelt. (lacht) In diesem Zusammenspiel haben wir es geschafft, eine spezielle Komik zu entfalten. Das hat viel Spaß gemacht.

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Komödien gelten als die Kür der Schauspielkunst. Was war für Sie bei Ihrer Rolle die größte Herausforderung?

Hartmuts Schwächen zu entlarven. Zu zeigen, wie‘s in seinem Innern arbeitet. Wie er versucht, seine Flugangst nach außen zu verbergen, um keine Zweifel an seiner Führungsrolle aufkommen zu lassen. Er hat Angst, dass ihn die anderen dann nicht mehr als Käpt‘n und Leitfigur sehen würden und das ganze System auf dem Campingplatz zusammenbrechen könnte.

Filmhelden mit harter Schale und weichem Kern scheinen Ihnen besonders zu liegen. Wie viel Hartmut steckt in Henning Baum?

So viel, dass ich diese Figur spielen kann. Das ist keine Rolle, bei der ich sagen würde, das ist jetzt eine Fehlbesetzung. Ich kann mir Hartmut schon sehr gut vorstellen. Weil er ein Charakter ist, den ich nachvollziehen kann. Aber natürlich deckt sich die Figur Hartmut nicht mit dem Menschen Henning Baum. Im Gegensatz zu Hartmut bin ich ein friedliebender und höflicher Mensch. Zum Beispiel würde ich niemals einem anderen einen Grillanzünder auf den Grill kippen. – Zumindest nicht, ohne ihn vorher darüber in Kenntnis zu setzen. (lacht)

Zum Campen gehört auch das Grillen. Hartmut (Henning Baum, rechts) benmmt sich da nicht immer ganz korrekt. Vor allem möchte er Markus (Oliver Wnuk) vergraulen.
Zum Campen gehört auch das Grillen. Hartmut (Henning Baum, rechts) benmmt sich da nicht immer ganz korrekt. Vor allem möchte er Markus (Oliver Wnuk) vergraulen. | Bild: ARD Degeto/Conny Klein

Hartmut wird von Selbstzweifeln und Zukunftsängsten geplagt. Machen Sie sich selber auch schon mal Gedanken über Ihre Zukunft oder übers Älterwerden?

„Was wäre, wenn?“- oder „Was wird, wenn?“-Fragen stelle ich mir jedenfalls nicht. Das bringt doch nichts. Es gibt Dinge, die passieren, wenn sie passieren. Man sollte sich immer darauf einstellen, dass das Leben nicht leichter, sondern härter wird. Es macht keinen Sinn, sich übers Älterwerden Gedanken zu machen. Ich versuche, gut zu leben, meine Schwächen zu überwinden und meine Zeit bewusst zu nutzen. Denn ich finde: Die knappe Zeit, die uns bleibt, sollte nicht verschwendet werden. Man weiß ja nie, wie viele Tage uns noch gewährt werden.

Fragen: Claudia Pless