Keine Frage: Ella Purnell ist ein Name, den man sich merken muss. Die 21-jährige Londonerin steht auf Bühnen und vor Kameras, seit sie ein Kind ist – unter anderem war sie die junge Version von Keira Knightley („Alles, was wir geben mussten“) und Angelina Jolie („Maleficent“). Ihre bislang größte Rolle in einem Kinofilm spielte sie in Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“. Derzeit ist Purnell in der Hauptrolle der Serie „Sweetbitter“ zu sehen (in Deutschland beim Streaming-Anbieter StarzPlay über Amazon Prime Video), die auf dem Roman von Stephanie Danler basiert und gerade für eine zweite Staffel verlängert wurde. Zu den Produzenten gehört Hollywood-Star Brad Pitt.

In der Serie geht es ums Erwachsenwerden – etwas, an dem Purnell noch arbeitet. „Man muss ja erst einmal herausfinden, wer man ist – und sich dann in seiner eigenen Haut auch wohlfühlen.“ Sie sei, was das betrifft, noch nicht am Ende ihres Weges angekommen, selbst wenn sie durch die Arbeit an „Sweetbitter“ eigenständiger geworden sei. Wie das? „Ich musste mich einfach vielen neuen Herausforderungen stellen“, sagt Purnell. „Die Serie stellt für mich einen Schnittpunkt dar, den Übergang von Jugendrollen zur erwachsenen Schauspielerin.“ Und auch privat war das Projekt ein Einschnitt: Zum ersten Mal hat sie für längere Zeit allein gelebt – in London wohnt sie noch bei ihren Eltern. „Das passte aber natürlich alles bestens zu dieser Rolle, denn die junge Frau, die ich spiele, macht ja ganz ähnliche Erfahrungen durch.“

Spätestens nächstes Jahr, sagt Purnell, die mit dem Musiker James Coates liiert ist, will sie sich endlich mal etwas Eigenes suchen – auch wenn sie zugibt, dass sie nicht zu den Menschen gehört, die sich gern ins Unbekannte stürzen. „Vor drei Jahren bin ich mal ganz alleine nach Australien und Neuseeland aufgebrochen. Mehr als den Hinflug habe ich nicht gebucht, sondern alles andere auf mich zukommen lassen. Das war schon ein bisschen aufregend.“ Genau das habe sie zu der Zeit gebraucht – einen Aufbruch. „Solche Situationen, in denen man ganz auf sich allein gestellt ist, sind die, in denen man sich selbst überrascht, und an denen man wächst.“

Purnell hätte so etwas sicher nicht machen müssen, denn ihre Karriere verläuft erstaunlich geradlinig. „In meiner Jugend fühlte sich die Schauspielerei nie wie ein Job an. Schon weil ich keine Rechnungen bezahlen musste“, lacht sie. Richtig ernst genommen hat sie das Ganze nicht, was sich als gut herausstellte. „Irgendwie entwickelte sich alles ganz von selbst: Schule, eine Rolle, Schule, die nächste Rolle … Das lief immer so vor sich hin.“ Als sie mit der Schule fertig war, fiel ihr auf, dass sie eigentlich nie darüber nachgedacht hatte, was sie beruflich machen will. Tja, sie hatte ihren Traumjob längst gefunden.

Studieren wie viele ihrer ehemaligen Mitschüler, zum Beispiel an einer Filmhochschule, das würde Purnell eigentlich auch gern. Aber: Im Moment passt es nicht, und später immer die Älteste zu sein – nein, das will sie doch nicht.

Der 21-Jährigen ist, auch wenn es vielleicht so wirkt, nicht alles in den Schoß gefallen. „Nur weil ich schon als Neunjährige das erste Mal vor der Kamera stand, heißt dass nicht, dass ich nicht auch als Teenager immer wieder Nebenjobs gehabt hätte, um mein Taschengeld aufzubessern. Ich habe Klavier- und Tanzunterricht gegeben, Nachhilfe sowieso, außerdem war ich Babysitterin und habe auch eine ganze Weile in einem Pub gejobbt.“ Nur im Fitness-Studio ihrer Eltern nicht. „Sport ist einfach nicht mein Ding. Ich glaube, ich bin allergisch gegen alles, was mich schwitzen lässt.“ Zum Glück gibt es außer Sport noch genug andere Themen, mit denen sie ihre 309.000-Instagram-Abonnenten unterhalten kann.