Herr Hartmann, Sie spielen in „Lotte am Bauhaus“ den berühmten Architekten Walter Gropius. Was wussten Sie über ihn, als man Ihnen die Rolle angeboten hat?

Ich wusste schon ein bisschen was, weil ich privat an Architektur sehr interessiert bin und auch schon einige Bauhaus-Stätten besichtigt habe. Von daher war mir Herr Gropius kein Unbekannter.

Wie wichtig ist es bei einer solchen Rolle, sich eingehend mit der historischen Figur auseinanderzusetzen?

Das ist immer eine Gratwanderung. Gerade bei historischen Persönlichkeiten möchte ich viel über die Rolle wissen, weil ich ja nichts darstellen möchte, was objektiv falsch ist. Manchmal muss man dann aber auch das ein oder andere wieder vergessen, um wirklich frei zu sein bei der Gestaltung der Figur. Damit einen das viele Vorwissen nicht lähmt.

Mögen Sie die Bauhaus-Architektur?

Teils, teils. Ich mag zum Beispiel das Gebäude in Dessau, wo das Bauhaus untergebracht war, sehr gerne. Ich mag die farbliche Gestaltung der Räume, man stellt sich das ja immer weiß vor, dabei geht es innen ganz schön bunt zu. Ich mag das Kornhaus an der Elbe, die Meisterhäuser in Dessau oder die beiden Häuser, die Mies van der Rohe in Krefeld gebaut hat. Städtebaulich allerdings finde ich all das, was sich aus dem Bauhaus heraus entwickelt hat, problematisch.

ARD/MDR LOTTE AM BAUHAUS, am Mittwoch (13.02.19) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Walter Gropius (Jörg Hartmann) spricht in der Mensa des Bauhaus zu seinen Studenten. © MDR/UFA Fiction/Stanislav Honzik, honorarfrei – Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter MDR-Sendung bei Nennung "Bild: MDR/UFA Fiction/Stanislav Honzik" (S2+). MDR/HA Kommunikation, 04360 Leipzig, Tel: (0341) 300 6477 oder – 6463
Walter Gropius (Jörg Hartmann) spricht in der Mensa des Bauhaus zu seinen Studenten. | Bild: MDR/UFA Fiction/Stanislav Honzik

Warum?

Die ewig gleichen Fassaden haben zur Monotonie und Gesichtslosigkeit vieler unserer Städte sehr beigetragen. Das, was im Modell vielleicht ganz gut aussieht, ist in der Wirklichkeit dann ganz oft kalt, abweisend und manchmal geradezu abstoßend. Vor allem die heute gerne umgesetzte billige und banale Variante des Bauhauses finde ich schlimm. Sind wir mal ehrlich: Die meisten unserer nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Großstädte sind doch hässlich.

Wie zufrieden sind Sie denn mit Ihrer Wahlheimat Potsdam?

Ich fühle mich da wohl und bin auch ganz zufrieden. In Potsdam stellte sich ja lange die Frage, wie geht man mit dem noch kurz vor Kriegsende zertrümmerten Zentrum um. Aber der Wiederaufbau der historischen Mitte funktioniert da ganz gut, finde ich. Und trotzdem, auch in Potsdam entstehen zurzeit wieder viele Bausünden.

Wie wohnen Sie selber?

In einer Wohnung in einem sehr schönen Haus, ziemlich zentral in Potsdam gelegen. Ein spätklassizistisches Bauwerk, das kurz vor der Gründerzeit, so um 1860 rum, entstanden ist. Das ist sehr charmant, ich bin architektonisch gesehen und auch sonst sehr zufrieden. (lacht)

Der von Ihnen gespielte Gropius war davon überzeugt, dass Architektur und Kunst eine gesellschaftliche Aufgabe haben. Würden Sie dem zustimmen?

Dass Kunst eine gesellschaftliche Aufgabe hat, würde ich immer unterschreiben. Als Schauspieler erzählt man im besten Falle ja auch immer etwas über die Zeit, in der man lebt. Und was Gropius betrifft, also die Themen Architektur und Städtebau, kann ich nur sagen: Das wird gesellschaftspolitisch gerade heutzutage wieder wichtig, wo Wohnen für viele Menschen zu teuer wird. Da könnte man sich die 20er-Jahre wieder als Vorbild nehmen, wo große Siedlungen mit bezahlbaren Wohnungen entstanden sind, die auch ästhetischen Ansprüchen genügten. Kein Vergleich mit dem sozialen Wohnungsbau von heute.

Macht es mehr Spaß, einen Finsterling wie den Stasimann aus „Weissensee“ oder eine Lichtgestalt wie Gropius zu spielen?

Mir macht es Spaß, beide spielen zu dürfen. Genau das macht doch den Reiz meines Berufs aus.

Fragen: Martin Weber

„Lotte am Bauhaus“ am 13. Februar um 20.15 Uhr in der ARD