In Skandinavien gibt es wohl kaum eine Person, die ihn nicht kennt. Tarjei Sandvik Moe, ein offener Typ, der immer einen witzigen Spruch auf den Lippen hat. Berühmtheit erlangte er durch die Figur Isak, die er in der norwegischen Jugendfernsehserie Skam (deutsch: Schande) verkörperte.

Selbst Königshaus kennt die Serie

Obwohl sie nie offiziell übersetzt wurde, schauten auch zahlreiche Jugendliche anderer Länder die Serie – mithilfe der englischen Untertitel, die von norwegischen Fans verfasst wurden. So verbreitete sich die Serie auf sozialen Medien unter anderem auch in Deutschland, Spanien und China. Selbst das britische Königshaus wurde darauf aufmerksam und lud Moe mit seiner Schauspielkollegin Iman Meskini zu einem Treffen mit William und Kate ein.

Authentisches Umfeld

Was macht diese Serie so besonders? Zum einen wurden Schauspieler gewählt, die vorher gar keine waren. Die Serie wurde in der Schule gedreht, zu der die Schauspieler tatsächlich gingen. Wie eine Dokumentation sind die Abschnitte gefilmt, es gibt lange Pausen, in denen niemand redet. Die Figuren laufen nach Hause oder schreiben am Handy. Vor allem geht die Serie aber mit der Zeit. Die Protagonisten hatten eigene Instagram-Accounts und ihre Privatnachrichten wurden zeitgleich auf die Skam-Webseite geladen. Jeden Tag kamen Clips oder Posts der fiktionalen Charaktere auf die Seite. Am Freitag wurden die Clips zu einer Episode zusammengefügt. Es konnte der Eindruck entstehen, dass der Zuschauer zur Clique dazugehöre.

Jede Staffel aus anderer Perspektive

Die Serie ging solange, bis die Protagonisten die Schule abgeschlossen hatten. Jede der vier Staffeln wurde aus der Perspektive einer anderen Figur geschildert. Auch wenn diese schon die ganze Zeit anwesend war. Moes Glanzstunde kam in der dritten Staffel: Dort musste Isak sich selbst eingestehen, dass er sich in einen Jungen verliebt hatte. Der Zuschauer erlebte, wie er damit haderte, es seinen Freunden zu erzählen und wie er seine Liebe erobern wollte. Dabei kommen er und sein Schwarm ganz ohne stereotypische Charaktereigenschaften aus.

"Mensch ist mehr als sexuelle Orientierung"

Über seine eigene sexuelle Orientierung äußert sich Tarjei Sandvik Moe nicht. „Ein Mensch ist viel mehr als seine sexuelle Orientierung. Ich will nicht, dass es große Schlagzeilen gibt wie: 'er ist hetero' oder 'er ist schwul' oder so etwas. Ich bin ein Schauspieler. Deshalb möchte ich nicht den Fokus darauf legen, ob ich auf Männer oder Frauen stehe“, sagte er bei einer norwegischen Talk Show, woraufhin das Publikum applaudierte.

Einladung zum Royal Palace

In Skam wird nicht nur Sexualität angesprochen, sondern auch der Umgang mit Menschen muslimischen Glaubens, Druck auf Jugendliche und psychische Krankheiten. Letzteres war auch der Grund der Einladung zum Royal Palace und des Besuchs der Osloer Schule von William und Kate. „Es hat mich gerührt, dass sie gekommen sind, um mit uns über psychische Erkrankungen zu reden und nicht nur, weil die Show populär ist“, sagte Moe dazu.

Auf die Frage hin, ob seine Eltern stolz auf ihn seien, gestand Moe, er rede ungern mit ihnen über Skam. „Auch wenn ich versuche, ein bisschen von meinem Charme und meiner Coolness zu nutzen, ist die Figur sehr anders als ich. Aber das Problem ist, dass sie denken, mein Leben durch die Figur zu sehen. Nicht nur meines, sondern das von jedem Jugendlichen. Skam zeigt aber nur, was passieren könnte, nicht was auf jeden Fall passiert.“

Nach Skam spielte der 19-jährige in einer norwegischen Theateradaption von Grease und dem Film Eine Affäre mit.