„Musik zu machen“, sagt Alina, „ist für mich immer auch ein Triumph über meine Ängste und über das Scheitern.“ Ihre Lieder, so die Wahl-Berlinerin, die seit fünf Jahren in der Hauptstadt lebt, seien „bis an die Schmerzgrenze ehrlich und schonungslos“. „Schönheitskönigin“ zum Beispiel, ein trauriger Song über die Hoffnung, dass es da irgendwo diesen einen Menschen gibt, der einen schön findet, so wie man ist – der aber ums Verrecken nicht auftauchen will. „Nicht immer kann ein Lied nur tröstend und aufbauend sein. Nicht in jeder Situation passt es zu sagen: ,Steh’ auf, das wird schon!’“ Manchmal, so Alina, sei ein Song einfach das Taschentuch, in das man hemmungslos hineinheule.

Die Herausforderungen der Dauer-Singles

Am besten gelingt ihr die Verbindung aus Offenheit, Drama und Hoffnung in der Piano-Ballade „Die Einzige“, dem Titel-Song ihres ersten Albums. „Bin ich die Einzige, die für immer alleine ist?“, so geht der Refrain dieser herzzerreißenden Hymne auf alle Dauer-Singles, zu denen auch Alina gehört. „Das Lied ist eine Umarmung an alle, die sich auch allein fühlen. Ich kenne in meinem Umfeld viele Langzeit-Singles, die wenigsten sind glücklich mit diesem Zustand.“ Sie selbst auch nicht.

Alina ist nicht nur einzig, sondern auch einzigartig. Sie singt am liebsten dramatische Balladen, lässt ab und zu ihre, wie sie es nennt, „fröhliche Powerseite“ aufblitzen („Nie vergessen“). „Ich liebe Pop-Musik“, sagt Alina. ihre Lieblings-Sängerinnen als Kind waren Mariah Carey und die deutsche Chanson-Schlager-Künstlerin Alexandra. Und bezeichnet man Alina als die deutsche Adele, was man nicht nur aufgrund des leicht ähnlichen Äußeren ja schon mal machen kann, fühlt sie sich geehrt. „Adele macht ihr Ding, das bewundere ich. Auch mir sind musikalische Freiheit und Offenheit sehr wichtig“.

Alina hat auch schon einiges ausprobiert, für ihren Erfolg musste sie einen sehr langen Anlauf nehmen. Sie wuchs in den 90ern in Waldshut-Tiengen im südlichen Schwarzwald auf, stimmlich war sie immer schon eher kräftig, und bereits mit sieben Jahren sang sie in der Familien-Band mit Mama, Papa und Opa auf Feiern aller Art („Mein Song war ,Killing Me Softly’.“). Und natürlich klopfte sie auch beim berühmten Max Mutzke an. „Max hatte damals mit seinem Bruder zusammen die Funk-Band Project Five. Ich fand die cool und ging nach einem Konzert einfach mal hin und fragte, ob ich mitsingen dürfe.“ Die Mutzke-Brüder befanden die damals 13-jährige Alina allerdings als zu jung, also coverte sie noch ein paar Jahre Elvis Presley und Lauryn Hill auf Stadtfesten und Hochzeiten. „Ich bin wirklich froh und glücklich, dass ich auf dem Dorf aufgewachsen bin“, sagt sie. „Bis heute ist meine Heimat neben der Musik mein größter Zufluchtsort.“

Hinaus in die Welt zog es Alina dennoch. Sie studierte bis zum Bachelor Literatur und Medienwissenschaften in Konstanz, „wobei ich mich aber total von mir selbst entfremdete, weil ich mit der Musik gebrochen hatte und so in eine richtige Identitätskrise rasselte.“ Sie ging nach Berlin, ihre „Stadt aus Gold“ aus dem gleichnamigem Song, und kam dort auf den Geschmack, was die deutsche Sprache anging. Bis sie ihre Chance bekam, musste sie einige Reinfälle überstehen. „Immer wieder hörte ich ,Hier ist der Vertrag, wir wollen dich fördern’, aber dann passierte wieder und wieder nichts.“ 2015 lernte Alina mit Tom Bohne, dem „President Music“ des Musik-Labels Universal den Menschen kennen, „der mich als Künstlerin wirklich erkannt hat und mich sogar ermutigt hat, mit ,Die Einzige’ das Thema anzugehen, das mir lange ziemlich weh getan hat.“ Je öfter sie das Lied singe, so Alina, „desto mehr kriege ich eine Haltung zum Single-Sein und desto besser kann ich damit umgehen.“

 

"Die Einzige":

 

"Nie vergessen":

 

"Schönheitskönigin" (Akustik-Version):

 

Auch live eine Wucht – "Zurück zu mir":