Herr Glantschnig, in Deutschland holt der Tatort am Sonntagabend regelmäßig super Quoten. Hat das Format in Österreich auch so einen Kultstatus?

Ich glaube, dass der Kultstatus nicht ganz so groß ist wie in Deutschland, einfach weil die anderen Teams nicht so bekannt sind. Die deutschen Zuschauer begeistern sich für den Münchner Tatort genauso wie für den aus Berlin oder Dortmund. Die Österreicher können das nicht so sehr unterscheiden. Natürlich hören sie die unterschiedlichen Dialekte, aber sie nehmen die anderen regionalen Besonderheiten nicht so stark war. Deshalb tendieren sie wohl zum österreichischen Tatort. Die Österreicher schauen allgemein gern Krimis, sie sind aber nicht so auf den Sonntag fixiert.

Würden Sie sagen, dass österreichische Krimis anders sind als deutsche?

Ja.

Inwiefern?

Ich habe das Gefühl, dass sie düsterer sind. In Deutschland spielen viele Krimis tagsüber in einer Stadt. In Österreich sind allein schon die Dialoge und die Art, wie Sachen gesagt werden, etwas derber. Der Dialekt macht das Ganze dann so authentisch. Ich glaube, das mögen auch die Deutschen an den österreichischen Tatorten. Die aktuelle Folge, „Baum fällt“, wurde in Kärnten gedreht, in einem Dorf mit ein paar hundert Einwohnern. Deutsche Krimis spielen oft in größeren Städten. Die Österreicher trauen sich ein bisschen mehr.

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Sie stammen ja aus Kärnten. War es etwas Besonderes, zum Arbeiten in die alte Heimat zurückzukehren?

Natürlich, in Kärnten wird ja nicht so viel gedreht. Und es freut mich immer, wenn ich dort arbeiten kann. Vor fünf Jahren habe ich dort schon mal einen Film gemacht. Es ist immer toll, in der eigenen Sprache zu drehen, in einer Umgebung, die man kennt. Die Natur, die Wälder, die Berge. Das ist etwas ganz anderes.

Der Friedl Jantscher, den Sie im Tatort spielen, ist ein junger, hoch motivierter Polizist. Was gefällt Ihnen an der Rolle?

Er ist auf jeden Fall eine Figur, bei der ich es gleich schade fand, dass ich ihn nur in einer Episode spielen darf. Ich finde, er passt super zu den Kommissaren Moritz Eisner und Bibi Fellner. Nicht nur, dass ich persönlich mich mit den beiden Darstellern, mit Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer, super verstanden habe, weil sie echt wahnsinnig tolle Kollegen sind. Auch vor der Kamera hat der Friedl Jantscher meiner Meinung nach super zu ihnen gepasst, da er diese junge, neue, moderne Facette in die Ermittlungen einbringt. Die beiden erfahrenen Kommissare machen ihren Job auf ihre altgewohnte Art. und genau da kommt der Jantscher mit seinem iPad ins Spiel ... Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, das zu drehen, da die Konstellation immer wieder für komische Momente sorgt. Für mich müsste es mehr Figuren wie den Jantscher im Fernsehen geben, um die junge Generation mehr für Formate wie den Tatort zu begeistern.

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, links) und Friedl Jantscher (Michael Glantschnig) untersuchen im Beisein des Werksleiters (Vitus Wieser, rechts) einen Knochen.
Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, links) und Friedl Jantscher (Michael Glantschnig) untersuchen im Beisein des Werksleiters (Vitus Wieser, rechts) ein künstliches Gelenk. | Bild: ARD Degeto / ORF / Graf Film / Helga Rader

Ist es denn ausgeschlossen, dass der Jantscher Karriere macht und vielleicht wieder im Tatort auftaucht?

Ganz ausschließen kann man so etwas natürlich nie. Er würde auf jeden Fall toll in das Team passen.

Warum sollten sich die Zuschauer denn nun am Sonntag Zeit nehmen, um Ihren Tatort zu sehen?

Ich finde, es ist ein Tatort, den man so noch nicht gesehen hat – eben weil er nicht in einer bereits bekannten Großstadt spielt, sondern in Heiligenblut in Kärnten. Eine kleine Dorfgemeinschaft am Fuße des Großglockner, des höchsten Berges Österreich, wo gefühlt jeder jeden kennt, aber auch jeder irgendwo seine Leichen im Keller versteckt hat.

Ab März kommenden Jahres sind Sie in „Narziss und Goldmund“ auf der Kinoleinwand zu sehen? War es etwas Besonderes, mal wieder fürs Kino zu drehen?

Allein aufgrund der mittelalterlichen Kulisse, den Kostümen und Requisiten hatte dieser Film natürlich ein größeres Team als ein Fernsehfilm. Es tat so gut, morgens aufzustehen, in meine Mönchsrobe zu schlüpfen und mit fantastischen Kollegen wie Jannis Niewöhner und Sabin Tambrea in diese Epoche einzutauchen. Und noch etwas Besonderes: Ich musste mir für die Rolle meine Haare abrasieren, was dann gleich in den Tatort mit übernommen wurde.

Worum geht es in dem Film?

Es ist eine Geschichte über zwei Menschen, die sich auf eine Weise total ähnlich sind, aber trotzdem hat der eine das Bedürfnis, die Welt zu sehen, und der andere hat für sein Leben einen festen Plan und ist zufrieden damit. Ich denke, das findet man heutzutage oft genug.

Hatten Sie auch einen festen Plan, beruflich gesehen?

In meinem Umfeld war allen schon recht früh klar, in welche Richtung sie gehen wollen. Bloß ich wusste es nicht. Ich wollte raus und sehen, was die Welt zu bieten hat – am liebsten als Schauspieler.

Wie sind Sie eigentlich zur Schauspielerei gekommen?

Es war tatsächlich der klassische Weg. Als Schüler habe ich angefangen, nebenbei kleinere Rolle am Theater zu spielen. Irgendwann habe ich mir gedacht: Das macht so viel Spaß und die Leute sagen auch, ich kann ich das ganz gut – also warum nicht die Schauspielerei zum Beruf machen? Und dann bin ich nach München auf die Schauspielschule gegangen, und es hat sich eins nach dem anderen ergeben.

Auf Ihrem Instagram-Profil weisen Sie auf den Klimastreik am 29. November hin. Was haben Sie denn an dem Tag vor?

Ich gehe auf alle Fälle demonstrieren. Denn anscheinend müssen wir noch mehr Krach machen, damit unsere Regierung aufwacht.

Der Klimaschutz ist nicht das einzige Thema, für das Sie sich engagieren. Sie unterstützen auch die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“. Wie kam es dazu?

Ich beschäftige mich schon seit ein paar Jahren intensiver mit den Themen Ernährung, Umwelt und speziell Tiere. Ich liebe Tiere! Dann habe ich mich umgeschaut und überlegt, was ich machen könnte. So bin ich auf „Vier Pfoten“ gestoßen, die hatten gleich was zu tun für mich, und seitdem bin ich gelegentlich dabei, wenn sie Aktionen starten.

Im Internet kursiert ein Foto von Ihnen und Ihrem Schauspieler-Kollegen Götz Otto. Sie haben beide in einem James-Bond-Film mitgespielt. Götz Otto hadert ein bisschen damit, dass er immer wieder auf diese eine kleine Rolle angesprochen wird. Was glauben Sie, wie würden Sie es finden, wenn man Sie in 20 Jahren noch darauf anspricht, dass Sie in „Spectre“ als Snowboarder zu sehen waren? Schön oder schade?

Ich glaube, es wäre eine Mischung aus beidem. Einerseits ist es natürlich schön, wenn sich Zuschauer auch nach langer Zeit noch an so eine Mini-Rolle in einem Bond-Film erinnern. Andererseits dreht man als Schauspieler ja immer wieder neue Filme, hat auch Hauptrollen, für die man wirklich alles gibt, aber das nehmen die Leute dann manchmal gar nicht wahr – und das ist dann schon irgendwie schade.

Ein Hollywood-Blockbuster ist aber natürlich etwas Besonderes. Wie sind denn Ihre Erinnerungen an die Dreharbeiten?

Der Dreh an sich war sehr schön. Wir haben fünf Tage in Sölden verbracht, in einer wunderschönen Berglandschaft, und abends habe ich mich im Hotel in der Therme entspannt. Im Grunde war das Urlaub mit ein bisschen Arbeit – und Hollywoodluft-Schnuppern.

Sie wohnen inzwischen in Berlin, wie viele Ihrer Kollegen. Ist das für einen Schauspieler im deutschsprachigen Raum einfach der beste Wohnort?

Der Umzug hatte gar nicht unbedingt berufliche Gründe. Ich war davor fünf Jahre in München, das ist eine schöne Stadt, und für mich lief es beruflich gut. Aber ich wollte einfach nicht mein ganzes Leben dort verbringen. Und falls doch, kann ich ja immer noch zurückkommen. Ich wollte etwas Neues ausprobieren und habe mich dann für Berlin entschieden. Es ist eine sehr schöne Stadt, die einem viel kreativen und neuen Input geben kann. Mal sehen wie lange ich es aushalte. Vielleicht bin ich ja nächstes Jahr schon wieder weg.

Anfang dieses Jahres haben Sie gesagt, dass Sie an einer Serie schreiben. Was ist daraus geworden?

Ich hatte das Konzept fertig und bei Netflix und Amazon Prime eingereicht. Allerdings wäre es eine interaktive Serie, bei der die Zuschauer Einfluss nehmen können. Das ist etwas kompliziert, aber es ist neu und genau das, was ich gern sehen würde. Fernsehsender und Streamingdienste sind einerseits immer auf der Suche nach Neuem, gehen andererseits aber nicht gern ein Risiko ein.Jetzt schreibe ich an einer Komödie, bei der wir vorher genauer überlegt haben, ob es dafür einen Markt geben könnte.

Es ist also schon Ihr Ziel, nicht immer nur vor der Kamera zu stehen, sondern auch Drehbücher zu schreiben und vielleicht sogar Regie zu führen?

Als Ziel würde ich es nicht bezeichnen, aber ich bin nicht abgeneigt. Ich finde einfach alles am Set sehr spannend. Und ich bin ein Mensch, der viele Ideen hat. Als Schauspieler kann man die aber meist nur für seine eigene Figur umsetzen. Wenn man nun am Drehbuch oder der Regie tätig ist, kann man seine Ideen auch in andere Bereiche einbringen.

Aber in erster Linie wollen Sie Schauspieler bleiben?

Ja, ich liebe es, Schauspieler zu sein, und das soll auch mein Hauptberuf bleiben. Aber man bekommt eben nicht immer Hauptrollen. Und dann ist man immer nur für ein paar Drehtage am Set. Das finde ich immer so schade, wenn ich Spaß an einem Projekt habe und dann aber gleich wieder gehen muss. Ich möchte einfach mehr Zeit am Set verbringen und mehr an dem beteiligt sein, was dort passiert.