Mr. Affleck, was hat Sie an dem neuen Netflix-Film „Triple Frontier“ gereizt?

Zum einen gefiel mir die Aussicht, mit dem Regisseur J. C. Chandor zusammenzuarbeiten, der schon vorher gute Filme gedreht hat. Und zum anderen gefiel mir einfach das Drehbuch, eine interessante Mischung aus Action-Geschichte, packendem Drama mit komplexen Figuren und einer ebensolchen Moral. Eigentlich machte das Skript schon seit ein paar Jahren die Runde in Hollywood, eine Zeitlang sollte mal ein Freund von mir meine Rolle spielen. Ich habe nie verstanden, warum der Film so lange nicht zustande kam. Aber das war ja letztlich mein Glück.

Für Sie ist es der erste Film, der statt im Kino auf Netflix zu sehen ist. Der Streamingdienst wirbelt die Branche gerade auf. Wie sehen Sie die Sache?

Diese Diskussion hat viele Facetten, die man nicht alle in einen Topf werfen darf. Mir geht es beim Filmemachen um die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, und um die Geschichte, die erzählt wird. Von daher war „Triple Frontier“ für mich ein Film wie jeder andere. Und es ist nicht so, dass er nicht ins Kino kommen würde. In den USA und einigen anderen Ländern wurde er vor dem Netflix-Start gespielt, was ich schon sehr schön und wichtig finde.

Sie selbst würden als Regisseur also durchaus auch mal für Netflix arbeiten?

Sicher, das würde mich sogar sehr freuen. Natürlich gäbe es Fragen zu klären: Auf wie vielen Leinwänden ist der Film zu sehen, vor dem Netflix-Start oder parallel, solche Dinge. Denn zumindest die Chance, ins Kino zu gehen, sollten die Leute haben. Aber insgesamt ist Netflix eine Firma, die vielen Filmemachern großartige Chancen gibt, die sie anderswo nicht bekommen. Da gibt es viel unternehmerischen Mut, das Programm ist wirklich vielfältig.

Die Protagonisten in „Triple Frontier“ sind Ex-Soldaten und Kriegsveteranen.

Das ist nicht das Hauptthema des Films, aber ich finde es tatsächlich sehr wichtig, davon zu erzählen, wie schwer es vielen solcher Männern fällt, in ein normales Leben zurückzukehren. Gerade diejenigen, die wirklich vorne an der Front sind und die schwerste psychologische Last zu tragen haben, stehen sicherlich vor einer enormen Herausforderung, wenn es sie zurück in den Alltag verschlägt. Bei uns in den USA ist das schon immer ein großes Thema gewesen, auch nach den beiden Weltkriegen oder denen in Korea und Vietnam. Aber heutzutage sind Soldaten ja häufig professionelle Hochleistungskrieger, die nicht nur hin und wieder Gefechte erleben, sondern Tag ein, Tag aus.

Ihr Figur versucht sich als Makler.

Das muss man sich mal vorstellen: eben noch einer der Besten auf seinem Gebiet und gefragt zu sein – und sich plötzlich im bürgerlichen Leben als Niete zu fühlen. Gerade noch ging es um Leben und Tod, plötzlich nur noch darum, irgendwie eine Eigentumswohnung an den Mann zu bringen. Das zu verkraften stelle ich mir unglaublich hart vor.

Sie selbst haben in jüngster Zeit auch einiges verkraften müssen. War es schwierig war es für Sie, dass sich Ihr Kampf gegen den Alkohol nicht vor der Öffentlichkeit verbergen ließ?

Dieser Illusion hatte ich mich nie hingegeben. Mir war klar, dass ich früher oder später dazu öffentlich würde Stellung beziehen müssen, also wollte ich das Beste daraus machen. Ich halte mich wirklich nicht für ein Vorbild oder gutes Beispiel. Aber ich wollte zumindest über das Thema Alkoholismus sprechen und vielleicht ein wenig an dem Tabu rütteln, das es in diesem Kontext gibt. Gegen eine Sucht zu kämpfen, egal ob es um Alkohol, Drogen, Medikamente, Sex, Spielen oder anderes geht, ist kein furchterregender Charakter-Makel, den du nie wieder loswirst. Ich schäme mich nicht dafür, Alkoholiker zu sein, denn das gehört zu mir und meinem Leben nun einmal dazu. Aber es ist eben auch nur ein Teil kleiner Teil von mir und weit davon entfernt, mich und meine Persönlichkeit zu definieren.

Ben Affleck und Jennifer Garner 2014 bei der Oscar-Verleihung. Im Jahr darauf trennten sie sich – nach zehn Jahren Ehe.
Ben Affleck und Jennifer Garner 2014 bei der Oscar-Verleihung. Im Jahr darauf trennten sie sich – nach zehn Jahren Ehe. | Bild: Nina Prommer / AFP

Was ist für Sie das Wichtigste im Leben?

Es klingt wie ein Klischee, aber die Antwort kann nur lauten: meine Kinder. Der Moment, in dem ich zum ersten Mal Vater wurde, hat alles verändert. In meinem Leben gibt es seither nichts Wichtigeres. Das heißt nicht, dass mir nicht auch mein Beruf oder andere Menschen wichtig sind. Aber der Kern meiner Existenz ist meine Familie.

Schauspielerin Jennifer Garner (Mitte) im August 2018 auf dem Hollywood Walk Of Fame. Mit dabei sind (von links) ihre Eltern Patricia und William, ihre Kinder Violet, Seraphina und Samuel und ihre Schwester Melissa.
Schauspielerin Jennifer Garner (Mitte) im August 2018 auf dem Hollywood Walk Of Fame. Mit dabei sind (von links) ihre Eltern Patricia und William, ihre Kinder Violet, Seraphina und Samuel und ihre Schwester Melissa. | Bild: Robyn Beck / AFP