Frau Plaß, wie war eigentlich Ihr erster Eindruck von Nicole Pütz, die Sie in der Sat.1-Serie „Think Big!“ spielen?

Als ich das Drehbuch für die erste Folge gelesen habe, war ich total begeistert. Ich bin gleich in den Supermarkt gegangen, um mir für das Casting Fake-Fingernägel zu kaufen, wie sie sie trägt. Ich hatte einfach Lust auf Nicoles selbstbewusste, kämpferische, knallige Art. Das hat mir von Anfang an total imponiert.

Was glauben Sie, woran liegt es, dass Nicole so sympathisch rüberkommt? Immerhin ist sie ja schon irgendwie, nun ja, durchgeknallt.

Zuerst mal ist die Rolle gut geschrieben. Nicole ist eine Frau, die sich nicht zurückhält, auch eine Frau zu sein. Sie schmeißt sich mit voller Kraft ins Leben. So etwas ist heute selten geworden. Es gibt, wenn es um Gleichberechtigung geht, immer viel Wut und viel Kampf, aber nicht viel Humor. Und nun ist da jemand, der sich völlig vorbehaltlos, ohne groß Fragen zu stellen, den Dingen stellt. Das ist man gar nicht mehr gewohnt, und das macht Nicole meiner Meinung nach zu so einer positiven und spannenden Figur.

Nicole backt keine kleinen Brötchen, sie setzt sich große Ziele. Wie ist das bei Ihnen?

Ich bin ähnlich impulsiv wie Frau Pütz. (lacht) Ich habe auch immer große Ideen, habe aber mit der Zeit gelernt, die Ideen anzunehmen und konkret zu planen, wenn ich sie in die Tat umsetzen will. Meistens schlafe ich noch eine Nacht drüber oder werfe einen Blick in meinen Terminkalender, dann erledigt sich manches schon von selbst.

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Kommen wir noch mal auf die Fingernägel zurück. Nicole will ja ein Nagelstudio eröffnen. Sind lackierte und verzierte Nägel Ihr Ding?

Privat trage ich zwar gerne, aber selten Make-up und Nagellack, aber ich habe nie lange Nägel. Die sind für eine Schauspielerin einfach nicht hilfreich – man ist ja viel unterwegs und spielt ständig andere Rollen. Ich habe in meinem Berufsleben schon viel gelernt über Haare und Make-up. Aber bei „Think Big!“ war tatsächlich vieles neu für mich. Was man immer wieder an sich verändern kann, davon hatte ich keine Ahnung, das hatte ich vorher auch nie wahrgenommen. Falsche Wimpern oder Fingernägel – das ist wirklich eine ganz eigene Welt. Es gibt verschiedenste Techniken, das hätte ich nicht gedacht. Wenn ich jetzt zum Beispiel in den Bus steige, sehe ich sofort, wer falsche Wimpern trägt und wie die Nägel gemacht wurden.

Nicole (Hann Plaß, links) und Ebru (Yasemin Cetinkaya) wollen ein Nagelstudio eröffnen.
Nicole (Hann Plaß, links) und Ebru (Yasemin Cetinkaya) wollen ein Nagelstudio eröffnen. | Bild: Sat.1 / Frank Dicks

Als Zuschauer hat man den Eindruck, dass beim Drehen alle richtig Spaß hatten. War das tatsächlich so?

Ja, wir hatten alle super viel Spaß. Am Set herrschte durchweg eine sehr gute Stimmung, obwohl wir viel zu tun hatten. Das war eine sehr konzentrierte und trotzdem ganz tolle Arbeitsatmosphäre. Es ist ja so, dass man gerade bei Komödien total Acht geben muss, damit eine Szene witzig rüberkommt. Aber in den Pausen gab es natürlich viel zu lachen. Manchmal hätte ich am liebsten schon vor Lachen los geschrien, wenn ich die Kollegen aus der Garderobe habe kommen sehen.

Trifft die Serie eigentlich Ihren persönlichen Humor?

Ja, total. Es ist eine Mischung aus Situationskomik und flotten Sprüchen, und beides mag ich sehr gerne.

Konnten Sie für die Rolle aus Ihren persönlichen Erfahrungen schöpfen? Immerhin haben Sie, wie Nicole, kleine Geschwister, und sicher hatten Sie auch mal einen Nebenjob …

Ja, ich habe auch mal gekellnert. Und ich bin auch eine große Schwester, das stimmt. Und, ähnlich wie Nicole, habe ich auch Herzensprojekte. Ich hatte früher immer Bands, die ich voranbringen wollte. Sich selbst immer wieder neu zu erfinden, das kenne ich, glaube ich, auch ein bisschen. Dass man sagt: Ich will das machen, ich packe das jetzt an egal, was kommt. Zu dem Zeitpunkt weiß man noch gar nicht, welche Probleme möglicherweise auf einen zukommen und wie man damit umgeht. An solche Schwierigkeiten kann ich mich gut erinnern, aber ich hatte zum Glück immer eine sehr unterstützende und verständnisvolle Familie – ein bisschen mehr noch als Nicole.

Nicole (Hanna Plaß, Mitte) im Kreis ihrer Lieben: Schwester Tiffany (Vivien Sczesny, von links), Mutter Silvia (Milena Dreißig), Freundin Ebru (Yasemin Cetinkaya) und Bruder Dennis (Anselm Ferdinand Bresgott).
Nicole (Hanna Plaß, Mitte) im Kreis ihrer Lieben: Schwester Tiffany (Vivien Sczesny, von links), Mutter Silvia (Milena Dreißig), Freundin Ebru (Yasemin Cetinkaya) und Bruder Dennis (Anselm Ferdinand Bresgott). | Bild: Sat.1 / Frank Dicks

Haben Sie eigentlich jetzt, wo es mit der Schauspielerei so gut läuft, noch Zeit für die Musik?

Für die Musik habe ich immer Zeit. Ich singe ständig und viel. Im Moment habe ich auch ein bisschen Luft, vielleicht nutze ich die, um etwas zu produzieren …

In Berlin standen Sie vor Kurzem als Schneekönigin auf der Bühne. Genießen Sie es, zwischen verschiedenen Medien zu wechseln, oder möchten Sie sich irgendwann auf eins konzentrieren?

Ich bin da leider wirklich maßlos … (lacht) Ich möchte immer alles machen und kann das auch gar nicht leiden, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mit einer Sache aufhören muss. Das finde ich ganz unerträglich. Man kann als Freiberufler ja auch nie wissen, wie es in Zukunft läuft, deshalb ist es gar nicht so schlecht, viele Möglichkeiten zu haben. Bei mir ist das vergangene Jahr total toll gelaufen, ich habe so viele schöne Sachen gedreht. Aber langsam bekomme ich Sehnsucht nach dem Theater und danach, wieder Musik zu machen.

Wie sind Sie eigentlich zur Schauspielerei gekommen?

Das war irgendwie immer klar. Aber es gab tatsächlich einen Moment in einer Inszenierung von „Cats“ in Hamburg, da war ich neun Jahre alt. Ich saß da und ehrlich gesagt, hat mir das alles überhaupt nicht gefallen. Die Kostüme wirkten auf mich billig, die Geschichte war mir irgendwie zu wirr. Aber dann gab es diesen einen Moment – die Szene mit dem Song „Moonlight“. Die Figur dieser Katze, die aus dem Nichts im Rampenlicht auftaucht, diesen Mega-Hit singt und dann auch schon wieder weg ist. Das war total emotional – da wusste ich: Das will ich auch machen.

Sie haben auch eine Zeit lang in Stuttgart Theater gespielt. Was haben Sie für Erinnerungen an die Schwaben?

Ich hatte eine fantastische Zeit in Stuttgart. Ich hatte dort meine ersten Berufsjahre, deshalb war es für mich eine extrem prägende Zeit. Es ist ein tolles Haus, dort wird fantastisches Theater gemacht, und ich habe dort großartige Menschen kennengelernt, mit denen ich mich auch jetzt noch sehr verbunden fühle. Ich habe dort viel über den Beruf und über das Leben gelernt. Außerdem ist Stuttgart eine nette Stadt, ich habe die Zeit sehr genossen und fand es dort wirklich schön.

An der Uni gerät Nicole (Hanna Plaß) gleich am ersten Tag mit dem Schnösel Alex (Nicolas Wolf) aneinander.
An der Uni gerät Nicole (Hanna Plaß) gleich am ersten Tag mit dem Schnösel Alex (Nicolas Wolf) aneinander. | Bild: Sat.1 / Frank Dicks

Sie sind in London geboren, in Bayern aufgewachsen, haben in Stuttgart gelebt, sind jetzt in Berlin. Kennen Sie so etwas wie Heimatgefühle?

Ja. Am wohlsten fühle ich mich in Nordfriesland, wo meine Mutter herkommt, und im Fichtelgebirge, wo ich groß geworden bin. Wenn ich dorthin komme und die Landschaft sehe, dann weiß ich: Hier bin ich zu Hause.

Wie groß ist eigentlich Ihre Hoffnung, dass „Think Big!“ nach der ersten Staffeln weitergeht?

Wir hoffen alle darauf, dass es gut läuft und wir Nicoles Geschichte weitererzählen können. Aber noch ist nicht klar, ob es eine zweite Staffel geben wird.

Aber Nicole Pütz hat noch Potenzial?

Da gibt‘s noch so viel zu erzählen … Ich würde sagen, wir haben noch lange nicht die Spitze des Eisbergs erreicht. (lacht) Da kann noch sehr viel passieren.