Kaum ein Tag vergeht ohne eine neue Nachrichten über die arabischstämmige Berliner Großfamilie Abou-Chaker. Erst wurde der Clanchef Arafat Abou-Chaker selbst in Haft genommen, dann am vergangenen Montag dessen Bruder in Dänemark. Und mit jeder Neuigkeit über die Großfamilie rückt der Rapper Bushido mehr in den Vordergrund. Erst im März vergangenen Jahres sagte er sich von seinem einstigen Freund, Geschäftspartner und Förderer Arafat Abou-Chaker los. Seitdem sinnt dieser offenbar auf Rache. Bis heute streiten die beiden um das gemeinsame Millionenvermögen.

Laut Bild-Zeitung planten die Abou-Chaker-Brüder sogar einen Säureanschlag auf Bushidos Frau Anna-Maria Ferchichi. Die Schwester von Popstar Sarah Connor soll die treibende Kraft hinter der Trennung von Bushido und dem Familienclan gewesen sein. Sie zog sogar wegen dessen Verbindung zu dem Clan kurzzeitig aus dem gemeinsamen Anwesen in Berlin aus. Dem Magazin Stern erklärte sie damals die Gründe: „Ich sagte meinem Mann: Ich komme nur unter der Bedingung wieder, dass wir nicht, wie wir es geplant hatten, mit Arafat auf ein gemeinsames Grundstück ziehen (...). Er willigte ein.“

Clanchef im Visier der Justiz

Dem Clanchef und dessen Bruder, Yasser Abou-Chaker, wird laut Staatsanwaltschaft vorgeworfen, eine Entführung von Familienmitgliedern des Rappers geplant zu haben. Nach Recherchen der Bild-Zeitung hat die Frau von Yasser Abou-Chaker, die auch die Cousine von Arafat Abou-Chaker ist, die beiden Brüder schwer belastet. Sie hat sich demnach in ihr Heimatland Dänemark abgesetzt, um den Prügelattacken ihres Ehemanns zu entkommen. Der Polizei soll sie sich anvertraut haben, nachdem die beiden Brüder nach Dänemark gereist sind und die gemeinsamen Kinder zurückgeholt hatten. Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerkschaft bekräftigte in der gestrigen Ausgabe des Sat.1-Frühstücksfernsehens, dass es in dem Konflikt über reine Droh-Ankündigungen des Clans bereits hinausgehe. „Hier sollte es offensichtlich richtig zur Sache gehen“, so Wendt.

Nach der Verhaftung von Arafat Abou-Chaker setzte sich Yasser Abou-Chaker nach Dänemark ab, was ihn jedoch nicht vor dem Zugriff der deutschen Justiz schützte. Per Europäischem Haftbefehl wurde er festgenommen. Die beiden Brüder standen in der Vergangenheit auch schon mal gemeinsam vor Gericht. So ist Yasser Abou-Chaker unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahls und Betruges vorbestraft. Im Jahr 2010 soll er einem Mitglied eines verfeindeten Clans ein Pistole an den Kopf gehalten haben. Vor Gericht lautete der Vorwurf Beihilfe. Beide Brüder wurden jedoch freigesprochen, da das Opfer seine Aussage zurückgezogen hatte.

Trennte sich von Bushido, weil der mit der Polizei kooperiert: Rapper Capital Bra. Bild: dpa
Trennte sich von Bushido, weil der mit der Polizei kooperiert: Rapper Capital Bra. | Bild: DPA

Botschaft von Rapper Capital Bra

Ganz deutlich geäußert zur momentanen Situation von Bushido hat sich der Berliner Rapper Capital Bra. In einem Video auf Instagram zeigt er sich von Bushido enttäuscht und gibt seine Trennung von dessen Musiklabel bekannt. Er sei nicht mehr bei dem Label „Ersguterjunge“ (EGJ), da sein „Boss mit der Polizei arbeitet, intensiv mit der Polizei arbeitet.“ Laut Capital Bra hat Bushido Polizeischutz bekommen, da seine Kinder in Gefahr seien. Abschließend macht der aus Sibirien stammende Rapper, der mit bürgerlichem Namen Vladislav Balovatsky heißt, deutlich, zu wem er Bushido jetzt rechnet: „Es ist traurig, was dieser Mann dem Team angetan hat (...). Ich dachte, wir sind ein Team – aber wir sind kein Team. Die Polizei ist jetzt dein Team.“

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Rapper und das Gangster-Milieu

Vor allem in Amerika haben Hip-Hop-Musiker immer wieder Kontakte zur kriminellen Unterwelt. Eine Auswahl:

  • Tupac Shakur: Bei dem in New York geborenen Rapper deutet zunächst nichts auf ein Abrutschen auf die schiefe Bahn hin. Er besuchte in der Stadt Baltimore eine Kunstschule und spielte gerne Theater. Als seine Mutter mit ihm nach Kalifornien übersiedelte, zog es ihn immer mehr ins kriminelle Milieu und er begann, mit Drogen zu handeln. Allerdings startete er auch dort seine Musiker-Karriere. Seine Verbindungen ins Gangster-Milieu kosteten ihn wohl später das Leben. Nach dem Besuch eines Boxkampfes 1996 in Las Vegas kam es zu Streitereien mit einem Gangmitglied. Kurz darauf fielen Schüsse. Tupacs rechter Lungenflügel wurde getroffen. Später wurde er ins künstliche Koma versetzt, aus dem er nie wieder erwachte. Tupac Shakur starb am 13. September 1996.
  • Ice T: Er gilt als Vorreiter des Musik-Genres Gangsta-Rap. 1989 gründete Ice T. die Heavy Metal Crossover Band „Body Count“, die vor allem durch ihren Hit „Cop Killer“ für Kontroversen sorgte, da zu der Zeit Polizeigewalt gegen den afroamerikanischen Musiker Rodney King einen Skandal aus-löste. Durch massiven öffentlichen Druck verlor er jedoch seinen Plattenvertrag.
  • Snoop Dogg: Der in Kalifornien in armen Verhältnissen aufgewachsene Hip-Hop-Musiker kam schon früh in Berührung mit Kriminalität. Bereits als junger Mann wurde er Mitglied einer Untergruppe der großen amerikanischen Gang Crips. Kurz nach der Schule wurde er wegen Handel mit Kokain das erste Mal verhaftet. In den 1990er-Jahren entdeckte ihn der bekannte Hip-Hop-Produzent Dr. Dre, womit seine Karriere startete. (dpa)