Bill, sind Sie froh, gerade nicht der wichtigste Mensch bei Tokio Hotel zu sein?

Tom: Der Wichtigste war er nie! (lacht)

Bill: Es ist auf jeden Fall gerade eine andere Situation. Es ist echt ganz schön, dass es mal nicht nur die ganze Zeit um mich geht. Aber keiner von uns reißt sich darum, als Privatmensch so viel in den Medien stattzufinden.

Tom: Es ist aber schön, dass ich mal in der „Superillu“ stattfinde.

Bill: Tom freut sich auch, dass er endlich mal in der „Frau im Spiegel“ ist.

Tom: Ehrlich gesagt verfolge ich das alles nicht so sehr. Das ist das Positive an Los Angeles, weil man es dort auch gar nicht mitkriegt. Da liegen die Hefte nicht beim Friseur rum. Aber Bill sagt das schon richtig: Ich reiße mich natürlich nicht drum. Die Leute glauben einem das immer nicht, aber es ist ja nicht so, dass wir den Heften Interviews geben würden. Die schreiben darüber, wir kriegen das gar nicht so mit und können das nicht kontrollieren.

Bill: Darum fängt man irgendwann an, eine Entspanntheit zu entwickeln. Wir gucken das nicht nach, wir googeln nicht jeden Tag unsere Namen.

Was für Gefühle haben Sie, wenn Sie im Flieger nach Deutschland sitzen?

Bill: Ich freu’ mich immer, nach Deutschland zu kommen. Das ist ein Heimatgefühl. Ich sehe die Freunde wieder. Wenn die mitkriegen, dass ich unterwegs bin, habe ich vorher schon 20 Nachrichten auf dem Handy. Ich freu’ mich auf ein bisschen Familie. Und auf gute Backwaren, Ei-Brötchen mit Mayo von der Tanke, alles mit Kartoffeln und besonders auf ein Bauernfrühstück.

Lachend zeigen Tom Kaulitz (von links), Bill Kaulitz, Gustav Schäfer und Georg Listing – besser bekannt als Tokio Hotel – 2005 die Platin-Auszeichnung für das Album "Schrei".
Lachend zeigen Tom Kaulitz (von links), Bill Kaulitz, Gustav Schäfer und Georg Listing – besser bekannt als Tokio Hotel – 2005 die Platin-Auszeichnung für das Album "Schrei". | Bild: Jens Kalaene / dpa

In Deutschland ist die Aufmerksamkeit gleich eine andere, oder?

Bill: Auf jeden Fall. Es ist immer Action. Alles ist durchorganisiert: Zack ins Auto, ab durch die Tiefgarage ins Hotel, dann irgendwann wieder raus und arbeiten. Das ist in L.A. natürlich ganz anders. Dort haben wir einen Alltag und unser Zuhause. Wir sind entspannt, gestalten unseren Tag selber. Auch noch ein Unterschied: In Deutschland habe ich immer lieber Leibwächter dabei.

Ist das das Trauma der Vergangenheit?

Bill: Wahrscheinlich. Natürlich sind damals Sachen passiert, die man nicht so einfach abschütteln kann. Das bleibt in einem. Wenn viele Leute an einem zerren, dann merkt man, wie man wieder in ein altes Muster zurückfällt. Man versucht überall schnell durchzugehen, nirgends zu lange stehen zu bleiben und den Leuten nicht unbedingt ins Gesicht zu gucken. Das ist einfach noch drin und kommt sofort wieder.

Tom, nutzen Sie Instagram?

Tom: Das ist das, was ich meine. Ich habe mich da schon immer rausgehalten. Social Media ist mir viel zu negativ. Die Leute beschäftigen sich damit den ganzen Tag, jeder lässt da seinen Senf ab. Ich mochte das noch nie. Ich bin aber auch nicht so drauf, dass ich gerne Selfies von mir mache und denke: Oh, geil, guck mal, hier sehe ich süß drauf aus, das muss ich mit der Welt teilen.

Dann ist Bill der Instagram-Beauftragte?

Bill: Ja. Ich muss den anderen immer sagen: „Postet doch mal was!“ Aber die haben nicht so viel Bock drauf. Ich liebe Instagram.

Tom: Ich bin froh, dass Bill das übernimmt. Es gehört ja dazu, als Band muss man es irgendwie machen. Ich genieße den Komfort, dass ich es nicht machen muss. Es machen sich auch alle Leute lustig über mich, weil auf meinem Handy eine Instagram-Version drauf ist, die so alt ist wie Instagram selbst. Ich weiß nicht mal mehr mein Passwort. Ich sehe nicht, wie viel ich dort stattfinde. Es findet in meinem privaten Alltag einfach nicht statt. Ich habe mein Handy nur zum SMS-Schreiben, Telefonieren und Musikhören. Aber ich mache ja auch private Fotos. In meinem privaten Fotoalbum sind Sachen drin: Oh, oh, oh …

Sie sind erwachsen geworden: Georg Listing (von links), Bill Kaulitz, Tom Kaulitz und Gustav Schäfer machen nach wie vor als Tokio Hotel Musik.
Sie sind erwachsen geworden: Georg Listing (von links), Bill Kaulitz, Tom Kaulitz und Gustav Schäfer machen nach wie vor als Tokio Hotel Musik. | Bild: Britta Pedersen / dpa

Hoffentlich keine Würstchen-Fotos!

Tom: Nein, ich bin Vegetarier. (lacht)

Ist die Tokio-Hotel-Single „Melancholic Paradise“ eigens für „Germany’s Next Topmodel“ geschrieben worden?

Bill: Nein. Aber Tom macht ja den ganzen Tag Musik. Und Heidi und Tom sitzen sich morgens immer gegenüber und arbeiten beide an ihren Laptops. Wenn er dann mal was anmacht, kriegt Heidi das natürlich auch mit. Bei dem Song meinte Heidi jedenfalls, dass er super für das Opening der Show wäre. Für uns hat es vom Timing auch gepasst.

Haben Sie sich die Frage gestellt: Können wir das jetzt bringen?

Tom: Es wäre nur komisch gewesen, wenn ich als Model in der Show angetreten wäre. Das wäre vielleicht wirklich etwas viel gewesen!

Bill: Ich habe das mit dem Song als total natürlich empfunden. Wir arbeiten alle irgendwie im selben Feld. Natürlich unterstützt man sich gegenseitig, wenn man eine Familie ist, und man findet auch seinen Job gegenseitig gut – das ist doch klar. Der Gedanke, dass das jetzt zu viel sei, kam bei mir gar nicht auf.

Werden Sie einen Auftritt haben bei „Germany’s Next Topmodel“ ?

Bill: Das dürfen wir nicht verraten.

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Wie und wo stellen Sie sich denn vor, in zehn Jahren zu leben?

Tom: Mit 40 würde ich mich gerne zur Ruhe setzen. Das fände ich schön. Warum schon mit 40? Weil wir schon mit 15 angefangen haben! Meine 40 ist für andere wie 70! Wohnen werde dann ich vielleicht in Südfrankreich, in irgendeinem kleinen Dorf. Ich glaube nicht, dass ich mich langweilen werde.

Werden Sie zwei dann immer noch zusammen wohnen?

Bill: Wir werden immer nah aneinander wohnen, das geht ja gar nicht anders. Doch nicht unbedingt unter einem Dach. Ich möchte ja auch mal heiraten.

Was macht die Liebe denn bei Ihnen?

Bill: Da gibt es gar nichts. Tote Hose.

Heidi Klum, Model und Moderatorin, mit ihrem Freund Tom Kaulitz von der Band vor der Verleihung der Emmy Awards in Los Angeles.
Heidi Klum, Model und Moderatorin, mit ihrem Freund Tom Kaulitz von der Band vor der Verleihung der Emmy Awards in Los Angeles. | Bild: Javier Rojas / Prensa Internacional via ZUMA / dpa

Hat Heidi da nicht noch ein paar Leute zum Verkuppeln?

Tom: Wir versuchen das schon immer. Aber du kannst nach der Liebe auch nicht suchen, das ist das Ding.

Wie groß sind die Ambitionen von Tokio Hotel heute eigentlich noch?

Bill: Wir wollen immer nur das machen, worauf wir Bock haben. Wenn die Leute das lieben, ist das toll. Gegen einen megaerfolgreichen Song hast du natürlich nie etwas. Aber wir werden nicht unseren Weg verlassen, um bestimmte Dinge zu erreichen. Wir werden Musik rausbringen, wenn wir das gut finden und es uns im Herzen Spaß macht.

Ist von dem Geld von damals noch was übrig geblieben?

Bill: Ich sag’ mal so: Wenn man beim Major unterschrieben hat und als Band so jung in den Vertrag geht, sind das nie gute Verträge. Aber nicht umsonst sind wir nicht mehr beim Major-Label.