Frau Ott, Sie leben im hohen Norden Deutschlands und reisen seit einigen Jahren unermüdlich mit Ihrer Musik durchs Land. Welche Ecken haben Sie besonders lieb gewonnen?

Auf jeden Fall den Osten Deutschlands! Dort habe ich meine stärkste Fan-Gemeinde. Der Schlager ist im Osten generell sehr stark beheimatet, das merke auch ich.

Könnten Sie am Publikum erkennen, wo Sie sind?

Am Anfang eines Konzerts schon. Die Norddeutschen sind, da stimmt das Klischee, zunächst einmal ein bisschen verhaltener. Aber wenn sie erst mal in Gang kommen, feiern sie auch, was das Zeug hält.

Das könnte Sie auch interessieren

Sie sind in Berlin geboren, leben aber seit Ihrer Kindheit im Norden. Sind Sie auch typisch norddeutsch?

Schon, ja. Manchmal bin ich ungewollt kurz angebunden und antworte sehr knapp. Positiv ausgedrückt: Ich bringe die Dinge gern auf den Punkt. (lacht)

Wenn man sich den Text zu „Schau mal“ anhört, könnte man auf den Gedanken kommen, in dem Lied geht es um das vereinte Deutschland und seine Menschen. Stimmt das?

Nein, das ist eher ein Beziehungs-Song. Er handelt davon, dass man auch mal innehalten und das Erreichte genießen sollte, anstatt immer auf der Jagd zum nächsten Termin, zum nächsten Höhepunkt zu sein. Man kann ja auch mal stolz darauf sein, was man alles geschafft und gemeistert hat. Ich sitze manchmal einfach mit meiner Frau so da und freue mich. 

Wie ist denn Ihre Beziehung zu Berlin?

Ich bin dort geboren. Die Gefühle sind heimatlich. Auch meine ganze Familie lebt nach wie vor in Berlin. Berlin ist kunterbunt, das mag ich sehr. Auch beruflich bin ich natürlich sehr oft in der Stadt. Und der Berliner Dialekt sitzt auch noch, den verlernst du nicht. 

Aber?

Ich bin kein Stadtmensch mehr. Ich liebe es sehr, auf dem Land zu wohnen. Gerade bei uns im Norden kann ich so schön weit gucken, das ist herrlich. Mir reicht es, mal ein Wochenende in Berlin oder einer anderen Großstadt zu verbringen. Dem Verkehrs-Gewusel ziehe ich das Geräusch eines Treckers vor.

Den Sie selber fahren?

Nee, das nicht.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie sich auf dem Dorf wohler fühlen?

Das hat sich mit den Jahren so herauskristallisiert. Mit dem Auto brauchen wir nur eine Viertelstunde bis zum Meer. Wir sind sehr oft am Strand und gehen mit den Hunden spazieren. Das ist eine Lebensqualität, auf die ich nicht verzichten möchte.

Sie sind oft zusammen mit Ihrer Frau Karolina unterwegs. Wer passt dann auf die drei Hunde auf?

Die Mama von meiner Frau. Wenn wir nicht da sind, kümmert sie sich auch um Laura und Lilli, die Töchter meiner Frau. Die beiden sind jetzt 15 und zehn. Da lässt man sie besser noch nicht ganz alleine.

Mit dem Album „Ich muss dir was sagen“ geht Kerstin Ott Ende des Jahres auf Tour. Unter anderem tritt sie am 9. Dezember 2020 in Stuttgart auf.
Mit dem Album „Ich muss dir was sagen“ geht Kerstin Ott Ende des Jahres auf Tour. Unter anderem tritt sie am 9. Dezember 2020 in Stuttgart auf. | Bild: Universal Music

Wie sind Sie als Mutter und Co-Erziehungsberechtigte?

Ich bin schon sehr korrekt. Wenn es Sachen gibt, die mir nicht gefallen, dann spreche ich die auch an. Es gibt auch schon mal Konsequenzen. Zum Glück sind beide nicht so rabaukenmäßig unterwegs. Sie wissen, was sie dürfen und was nicht. Wenn Laura jetzt bis vier Uhr nachts in der Disco bleiben würde, fände ich das ziemlich ungeil. Aber für Disco interessiert sie sich eh noch nicht.

Was ist Ihnen bei der Erziehung wichtig?

Dass die Mädchen machen, was sie glücklich macht. Und dass sie in mir immer eine Ansprechpartnerin haben, gerade bei wichtigen und ernsten Themen. Sie sollen haben, was sie benötigen, und in Ruhe groß werden.

Waren Sie selbst eigentlich eine kleine Rabaukin?

(lacht) Na ja, schon. Also ich bin jetzt nicht straffällig geworden, aber einmal mit 14 beim Klauen erwischt worden.

Was haben Sie geklaut?

Eine Schachtel Zigaretten. Und dann vom Supermarkt-Chef am Ohr in sein Büro gezogen worden. Das war eine Erfahrung, die mich geprägt hat.

Sie haben mit 14 schon geraucht?

Ich fing sogar mit elf schon an. Damals war Rauchen so unfassbar cool. Und ich wollte halt auch cool sein.

Und wann haben Sie aufgehört?

Leider noch gar nicht. Ich rauche immer noch, versuche aber gerade, es mir abzugewöhnen. Rauchen stinkt und nervt und macht krank.

Seit Ihrem großen Hit „Die immer lacht“ sind erst etwa drei Jahre vergangen. Kommt einem irgendwie länger vor. So, als wären Sie schon immer da.

Ja, bei mir fühlt sich das auch so an. (lacht) Die vergangenen Jahre waren unglaublich intensiv und auch schön. Ich trage so viele tolle Erinnerungen mit mir herum. 

Hat „Die immer lacht“ Ihr Leben verändert?

Der Song hat zumindest die Berufswelt von mir und meiner Frau komplett auf den Kopf gestellt. Sie war vorher in der Gastronomie, ich Malerin, jetzt sind wir in Auto und Flieger ständig quer durch Deutschland unterwegs. Ich liebe „Die immer lacht“ jedenfalls immer noch sehr. Ich weiß, was ich dem Song zu verdanken habe.

Sie haben Ihr Lied „Regenbogenfarben“, in dem es um die Vielfalt sexueller Identitäten geht, zusammen mit Helene Fischer gesungen. Haben Sie Helene mit diesem Duett cooler gemacht?

Helene war schon immer cool. Es ist eher so, dass sie den ganzen Schlager oder Popschlager cooler gemacht hat. Sie hat für uns alle die Türen weiter aufgemacht und eine kleine Revolution ermöglicht.

Alle sagen immer, Helene Fischer sei so nett. Können Sie das bestätigen?

Kann ich. Sie ist wirklich sehr, sehr freundlich und lieb. Nicht wie ein Hollywoodstar, der auf der Sänfte hereingetragen wird. Sondern kumpelig und menschlich genau mein Fall. Helene ist eine Frau, mit der man sofort ein Bier trinken möchte. Dabei mag ich Bier noch nicht mal besonders. (lacht)