Frau Schöneberger, wie persönlich ist Ihr Album „Eine Frau gibt Auskunft“?

Ich singe über Themen, die mir überwiegend nicht fremd sind, die aber größtenteils gerade nicht viel mit meinem Leben zu tun haben. Ich bin ja nicht die typische Singer-Songwriterin, die sich jetzt über ihren Liebeskummer ausheult.

Warum eigentlich nicht?

Erstens habe ich gar keinen Liebeskummer, und zweitens denke ich schnell „Jetzt wird es aber lächerlich!“, wenn es zu emotional und gefühlig wird. Deshalb haben wir uns lange ziemlich schwergetan, eine Herangehensweise an dieses Album zu finden und uns Lieder zu überlegen, die glaubwürdig genug sind, damit die Hörerin sich angesprochen fühlt. Schließlich hatten wir die Idee, zwölf Frauen-Typen zu entwickeln, von denen jede komplett anders, aber jede auch nachvollziehbar ist.

Hätten Sie gern mehr Liebeskummer, damit Sie darüber singen können?

Ich glaube tatsächlich, dass man sich leichter damit tut, poetisch zu sein, wenn man sich in emotional entrückten Verhältnissen befindet, also entweder in der totalen Liebeseuphorie oder in der totalen Liebesdepression.

Wo befinden Sie sich auf der Skala?

Im oberen Drittel. Kurz unterhalb der Euphorie. Das ist wahrscheinlich der unproduktivste Bereich, in dem man sich aufhalten kann.

Für die Kunst schwierig, für Sie toll.

Eben. Deshalb mussten wir zu diesen Tricks greifen. Bei vielen Themen kann ich einfach nicht mitreden. Und ich kann in meinem Alter nicht mehr im Ernst ein Album machen, auf dem ich singe: „Ich finde dich geil, wie kriege ich dich ins Bett?“ Das ist einfach nicht Teil meiner Lebenswelt. Ich bin halt keine 23 mehr.

Wären Sie denn gern noch mal Mitte 20?

Nein. Ich weiß, wo ich hingehöre. Und ich lebe das Leben, das ich leben will. Ich glaube, Frauen tun sich insgesamt leichter damit zu wissen, wie alt sie sind. Und auch zum Beispiel zu ahnen, dass es schwierig ist, mit jemandem zusammen zu sein, der 28 ist, wenn man selber 44 ist.

Humor ist wichtig für Ihre Arbeit, oder?

Klar. Ich habe mich relativ früh gegen Information und für Unterhaltung entschieden. Damit bin ich glücklich. Ich merke, dass der Gradmesser meines Lebens der Spaß daran ist. Ich komme jeden Abend nach Hause und sage: „Heute war es wieder super lustig.“ Für mein familiäres Umfeld ist das höchst ermüdend, aber es reicht ja, wenn einer in der Familie einen normalen Job macht. Ich bin tatsächlich ausgeglichen und glücklich bei dem, was ich tue.

Lesen Sie Kritiken und Kommentare über sich und Ihre Arbeit?

Es ist nicht so wichtig, was ich mache, es ist nur Unterhaltung. Ich mache bei der Arbeit einfach mein Ding und sehe mich selbst eigentlich als die totale Privatperson, die am liebsten zu Hause ist und sich ab und zu schicke Klamotten anzieht und auf die Arbeit geht. Dann komme ich wieder heim und führe mein unaufgeregtes, normales Leben.

Sie gelten als sehr fleißig und umtriebig – TV-Shows, Galas, Firmen-Events. Sind Sie mehr zu Hause, als man glaubt?

Ja, viel mehr. Alles, was ich mache und sage, wird nach außen breitgetreten. Und dann wirkt es so, als sei ich permanent irgendwo. Ich bin keine Schauspielerin, die sechs Wochen auf Madagaskar dreht. Trotzdem werde ich immer in diese Ecke gedrängt von wegen: „Oh, Sie sind ja immer im Fernsehen, wie machen Sie das eigentlich mit den Kindern?“ Also: Es ist nun wirklich für niemanden leichter als für mich, das zu organisieren. Menschen mit einem normalen Job haben mehr Schwierigkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen.

Bekommen Ihre Kinder mit, was Sie beruflich so treiben?

Was ich im TV mache, verfolgen die gar nicht. Diese CD ist jetzt wirklich das Erste, was sie als Produkt meiner Arbeit voll wahrnehmen. Sie singen alles mit, ohne es zu verstehen. Und wenn andere Kinder bei uns zu Besuch sind, müssen die sich das immer anhören. Die sind schon ein bisschen genervt und fragen ihre Mütter, wann die denn eine Platte machen. Alles in allem aber ist meine Arbeit bei uns zu Hause kein großes Thema. Weil ich es auch nicht zum Thema mache.

Weshalb nicht?

Ich genieße die Privilegien meines Lebens. Ich verdiene auch wirklich sehr gerne Geld, was viele sich ja nicht trauen zuzugeben. Aber wissen Sie, worauf es mir wirklich ankommt im Leben? Mit Freunden um einen großen Tisch zu sitzen, mit ganz viel Essen auf diesem Tisch. Ich bin wirklich sehr häuslich – was mir extrem hilft in meinem gesamten Leben.

Wie das?

Ich war noch nie ein Party-Girl, sondern immer schon gerne daheim, deshalb war es kein Schock und keine Umstellung für mich, Kinder zu kriegen. Partys interessieren mich nicht, Alkohol interessiert mich nicht. Mein Job ist nur ein Job. Ich mache den leidenschaftlich, aber wenn er vorbei ist, gehe ich heim.

Zur Person

Barbara Schöneberger (44) ist vor allem als Moderatorin und Schauspielerin bekannt, doch die gebürtige Münchnerin singt auch. Nach fünf Jahren Musik-Pause meldet sich das Multitalent mit ihrem vierten Album „Eine Frau gibt Auskunft“ zurück – die Platte ist dem Chanson näher als dem Schlager, textlich behandelt Schöneberger, die mit Mann und zwei Kindern (geboren 2010 und 2013) in Berlin lebt, darauf verschiedene Facetten des Frau-Seins.

 

Der Trailer zum Album "Eine Frau gibt Auskunft":