Was hat Sie vor fünf Jahren dazu bewogen, nach Irland zu ziehen?

Meine Frau und ich hatten diesen Wunsch schon lange. Ich fühlte mich dort immer zuhause, aber wir haben uns nicht getraut, aus Deutschland wegzugehen, wo wir die meisten unserer Konzerte geben. Aber dann sind wir 2010 bis 2013 mit den Kindern in einem Wohnmobil durch Europa gereist und hatten keinen festen Wohnsitz. Als wir wieder sesshaft wurden, war es, als könnten wir wie auf einem weißen Blatt Papier von vorne starten.

Wie leben Sie nun?

Wir wohnen in Irland auf dem Land, weit weg von jeder Großstadt. Wir haben ein Grundstück an einem Fluss, mit Wald und eigener Wasserquelle. Wir heizen mit unserem Holz und sind ein bisschen autark. Wir hätten mehr Tiere und würden mehr anpflanzen, wenn wir mit der Musik nicht immer wieder ein paar Monate am Stück unterwegs wären. Es ist ein spannender Kontrast: Das ursprüngliche und das Popstar-Leben.

Wie unterscheidet sich Ihre „Irish Christmas“ von der Weihnachtsmusik, mit der Sie aufgewachsen sind?

Wir kennen in Mitteleuropa vor allem die klassische Weihnachtsmusik, als Volkslieder und Choral oder die Jazz-Version. Als ich dieses Programm vor vier Jahren entwickelt habe, ging es mir darum, die Songs in einem irischen Gewand zu präsentieren. Sie sind sehr stimmungsvoll, noch feierlicher und trotzdem weniger träge. „Stille Nacht“ klingt plötzlich wie ein altes irisches Lied.

Wie feiern die Iren Weihnachten?

Am 24. gibt es keine Geschenke, sondern erst am 25. morgens. Nicht der Weihnachtsmann bringt sie, sondern sie stehen unter dem Weihnachtsbaum. An Heiligabend geht man zur Messe. Danach wird ganz einfach gegessen. Manche stellen eine Kerze in ein Fenster nahe der Haustüre. Sie symbolisiert, dass jemand, der an Weihnachten keinen Ort hat, wo er feiern kann und einsam ist, reinkommen kann. Für ihn liegt ein extra Gedeck auf dem Tisch. Das ist eine Tradition, die es in Irland seit Jahrhunderten gibt. Bei uns hat noch niemand die Einladung angenommen. Da wir mitten im Wald wohnen, kommt keiner vorbei.

Dann haben Ihre Fans noch nicht herausgefunden, wo Sie wohnen?

Stimmt. Die Zeiten sind vorbei, in der wir gar keine Privatsphäre mehr hatten. Die Fans haben mehr Respekt. Sie bitten uns nach einem Konzert noch um ein Autogramm, aber sie wollen uns nicht mehr zuhause besuchen. Die damaligen Teenies sind erwachsen geworden. Gott sei Dank!

Sie sind schon 20 Jahre verheiratet – im Showbusiness eine lange Zeit. Wie haben Sie das geschafft?

Freundschaft. Wir waren zuerst acht Jahre lang befreundet, bevor wir uns verliebten. In dieser Zeit war ich zuerst noch Straßenmusiker, dann ging der Erfolg durch die Decke. Das war ein gutes Fundament. Ich glaube, viele Paare heiraten heute zu früh und bekommen zu schnell Kinder.

Sie haben fünf Kinder. Wussten Sie immer schon, dass Sie eine große Familie möchten?

Für mich war es immer klar. Es müssten nicht zwölf werden wie bei meinem Vater, aber auch nicht nur ein oder zwei. Wenn man eins bekommt, merkt man, dass jedes Kind ein Wunder ist, aber es ist auch viel Arbeit.

Haben Ihre Kinder auf die Bühne gedrängt?

Nein, sie sind natürlich reingewachsen. Auch meine Frau hat immer musiziert und gesungen, wenn auch nicht beruflich. Die Kinder wollten ebenfalls ein Instrument lernen, tanzen und singen oder wie der Papa auf Tour gehen. 2012 sind sie das erste Mal für drei Lieder auf die Bühne kommen. Mit jeder Tour steuerten sie mehr bei. Ich habe immer weniger zu tun. Sie haben mir meinen Job geklaut! (Lacht)

Fragen: Reinhold Hönle

Am 11. 12. ist Angelo Kelly im Basler Musicaltheater und am 12. 12. in der Zürcher Halle 622 zu erleben. Infos: http://www.actnews.ch

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