Mr. Ridgeley, haben Sie auch gelesen, dass die übermäßige Beschallung mit „Last Christmas“ krank machen kann?

Sie meinen, Menschen müssen sich davon übergeben?

Schlimmer: Es soll die Gesundheit schädigen und Herzrasen verursachen.

Ich glaube, da hat die Presse über die Stränge geschlagen. Ich bezweifle das. Aber ich kann verstehen, dass es heikel sein kann, wenn man das Lied jeden Tag immer wieder hört.

Haben Sie schon Nebenwirkungen bei sich festgestellt?

Nein. So oft höre ich das Lied gar nicht. Ich höre nämlich kein Radio. Wenn ich unterwegs bin, einkaufen gehe oder ein Taxi vorbeifährt und es dort läuft, krieg ich es mit. Und wissen Sie was? Ich liebe das Lied immer noch.

Seit 35 Jahren klettert „Last Christmas“ zu Weihnachten die Charts hinauf. Ahnten Sie, dass es so groß werden würde?

Als George mir eine erste Version auf seinem Keyboard im Haus seiner Eltern vorspielte, war mir sofort klar, dass das ein riesiger Hit werden würde. Es hat einfach alle Zutaten eines klassischen Weihnachtssongs, und es war sofort identifizierbar als solcher. George wollte einen Klassiker schreiben, und er hatte das Talent, genau das zu tun. Ihm war ein Geniestreich gelungen. Ein fantastisches Stück Pop-Handwerk.

Das könnte Sie auch interessieren

War ihm der Kitschgehalt des Songs später eventuell doch etwas peinlich?

Gut möglich. Er ging ja auch mit anderen Wham!-Stücken hart ins Gericht. Er war ziemlich ungehalten bezüglich „Careless Whisper“ – das hatten wir geschrieben, als wir 17 waren. Es ist ein sehr clever geschriebener Text, wenn es darum geht, die Sentimentalität einer romantischen Ballade zu treffen. Aber er sagt nicht wirklich etwas aus über die Liebe. Es ist der naive Text eines Teenagers. Das war Georges Kritik daran.

Aber der Song zahlt die Miete.

Und ein gutes Abendessen ist auch noch drin. (lacht)

Das britische Pop-Duo Wham! – Andrew Ridgeley (links) und George Michael – am 28. Juni 1986 während des Abschiedskonzerts im ausverkauften Wembley-Stadion in London.
Das britische Pop-Duo Wham! – Andrew Ridgeley (links) und George Michael – am 28. Juni 1986 während des Abschiedskonzerts im ausverkauften Wembley-Stadion in London. | Bild: PA / epa / dpa

Für den Videodreh zu „Last Christmas“ sind Sie damals in die Schweiz gefahren. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Es war sehr ausufernd. Als wir ankamen, waren all unsere Freunde schon da, aßen und tranken und hatten eine gute Zeit. Die Situation eskalierte, als wir nackt baden gingen. Einige übergaben sich im Pool – aber ich war‘s nicht! Überall hörte man Gelächter, und der Spaß reichte bis zum nächsten Abend. Das gipfelte in einer Stiefel-Jagd von nackten Menschen im Schnee. George war etwas frustriert, weil der Dreh jegliche Ernsthaftigkeit vermissen ließ.

Hätten Sie sich vorstellen können, dass mal ein Film aus dem Song entsteht?

In meinen kühnsten Träumen nicht! Heute muss ich allerdings sagen, dass es eine großartige Idee ist und ein großartiger Titel für einen solchen Film.

Sie haben einen Cameo-Auftritt darin.

Ja, aber meine Rolle ist leider stumm. Sie haben mir wohl nicht zugetraut, dass was Gescheites rauskommt, wenn ich meinen Mund aufmache. (lacht)

Das könnte Sie auch interessieren

George Michael starb an Weihnachten vor drei Jahren. Welche Bedeutung hat das Fest seitdem für Sie?

Weihnachten wird nie wieder dasselbe sein! Weihnachten hat sich verändert für seine Freunde, seine Familie und alle, die ihn geliebt haben – das beinhaltet auch seine Fans. Das Fest ist behaftet mit Trauer um ihn. Es könnte gar nicht anders sein. Dennoch versuche ich, ihn lebendig zu erinnern und die Aufmerksamkeit auf die gute Zeit mit George zu legen, als wir unseren Spaß hatten und das Leben genossen haben.

Als sich Wham! 1986 auflöste, nannte George Michael das die „freundlichste Bandtrennung der Musikgeschichte“. Er wurde ein Superstar. Erstaunlich, dass Ihre Freundschaft hielt.

George war mein bester Freund, das machte es mir unmöglich, eifersüchtig auf ihn zu sein, denn das impliziert für mich eine gewisse Bitterkeit. Ich war allerdings neidisch auf sein Talent. Ich bewunderte ihn für seine Songwriting-Qualitäten, seine wunderschöne Stimme. Das hätte ich auch gerne gehabt.

Sie sind mit 23 in Rente gegangen. Was haben Sie all die Jahre gemacht?

Ich war in der glücklichen Lage, mich an all den Dingen erfreuen zu können, die das Leben bietet. Ich denke, viele Leute hätten das an meiner Stelle ähnlich gehandhabt. Und manchmal hat mich George darum beneidet.