Wenn man dieser Tage ein Lied im Radio hört, das nach Sommer, Sonne, Sonnenschein klingt, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass es von Alvaro Soler gesungen wird. Der Sänger hat ein Händchen für gefällige Melodien, wie man sie von ihm seit „El Mismo Sol“ oder „Sofia“ kennt. „Mr. Sommer-Hit schlägt wieder zu“ ist ein Satz, den man über ihn immer mal liest.

Was Soler macht, ist eine Mischung aus spanischem Pop, Folk, Hip-Hop- und Weltmusik. „Es soll Spaß machen, die Songs zu hören“, das ist dem 27-Jährigen wichtig. „Drei Akkorde können genug sein.“ Mit dieser Konzentration auf das für ihn Wesentliche legt Soler eine erstaunliche Karriere hin. Er hat zwar erst ein Album veröffentlicht (das zweite, „Mar De Colores“, erscheint am 7. September), aber das hat gereicht, um europaweit mehr als 30 Gold-, Platin- und Diamant-Auszeichnungen zu sammeln. Dazu kommen Millionen Fans auf YouTube und über eine Milliarde Klicks auf seine Musik-Videos, wie seine Plattenfirma stolz mitteilt.

Aus Auszeichnungen macht sich Soler allerdings nicht übertrieben viel („Meine Awards liegen unter dem Bett“) – was wohl einer der Gründe dafür sein wird, dass der Sänger so bodenständig und sympathisch wirkt. Daran hat sich auch nichts geändert, seit er mit Pop-Superstar Jennifer Lopez auf der Bühne stand und in der Jury der italienischen Version der Castingshow „X Factor“ saß.

Solers Mutter ist Spanierin, sein Vater Deutscher. Er wuchs in Barcelona auf – als er zehn war, zog die Familie nach Tokio. An seiner Schule dort ging ohne Musik nichts. „Damals dachte ich, dass Singen wie Laufen ist“, erinnert sich Soler. „Ich habe erst später in Spanien begriffen, dass das gar nicht jeder kann.“ 2009 kehrte die Familie zurück. „Wir fühlen uns alle sehr spanisch, obwohl ich mittlerweile sechs Sprachen spreche“, erzählt Soler. Freunde habe er überall, aber Heimat – das ist Sonne, Meer, spanisches Lebensgefühl. Mal durchatmen, das Leben genießen …

Dass die Musik einmal sein Beruf werden würde, ist nicht selbstverständlich. Soler hatte nach der Schule erst einmal etwas anderes im Sinn: Er hat Industrie-Design studiert. Anschließend gründete er eine Band, gewann einen Wettbewerb und erreichte in einer Castingshow das Finale – das alles in Spanien. Dann wurde er nach Berlin eingeladen. Mit „Eterno Agosto“ (ewiger August) entstand dort das Lied, mit dem alles anfing. „Natürlich habe ich gefeiert, als es durch die Decke ging.“ Aber: Zu bedeuten habe das letztendlich nicht viel, ist er überzeugt. „Ich möchte den Menschen die Welt von Alvaro Soler nahebringen, und die besteht eben nicht nur aus einem durchgestylten Instagram-Profil.“ Nun ja: Eine Million Abonnenten haben mit dem nicht perfekten Musiker dennoch ihren Spaß.

Soler kann zum Beispiel, behauptet er jedenfalls, nicht tanzen. Der Wahl-Berliner macht es natürlich trotzdem – lässt im Video zur aktuellen Single „La Cintura“ aber Model Toni Garrn ran. Die wiederum ist von Solers Musik begeistert: „Ich bin total dankbar, dass das zustande gekommen ist, weil ich Latin Music liebe!“ Solers Freundin Sofia nahm die Zusammenarbeit locker.