„Für mich muss Jazz den Blues haben; dann spricht er meine Seele an – vielleicht auch die meiner Zuhörer“ sagte Thomas Banholzer und fügte hinzu: Musik braucht viel „Groove und Soul“. Er sprach selten über die Art seines Musikverständnisses. Er war Praktiker, der zurückhaltend, authentisch und mit großem Einfühlungsvermögen an seinen musikalischen Projekten arbeitete.

Ich lernte Thomas Mitte der 70er-Jahre kennen, als wir mit einer großen Band mit Konstanzer Musikern zu proben begannen. Wir wollten ein Konzert mit „neuem Jazz“ im Lokal Seekuh ausrichten. Für alle Mitwirkenden war es ein vorsichtiges Erkunden neuer Dimensionen; wir wollten in ungewöhnliche Klangräume vordringen. Thomas sprühte vor Ideen in dieser Aufbruchsstimmung. Wild und frei, aber auch versunken spielte er notierte und graphische Strukturen.

Begonnen hatte er als 18-jähriger Dixieland-Spieler bei den „Hossianna Stomplers“ und dem „Universal Jazzorchestra“. In diesen Jahren begann ein frischer musikalischer Wind durch Konstanz zu wehen, der kleine Wunderwerke an Atmosphäre und Fantasie mit den verschiendensten Jazzstilistiken vermischen sollte. Alles war neu und geheimnisvoll, und Thomas war erfüllt von dem Wunsch, sich dieser Musik ein Leben lang zu widmen.

Ausgefeilt, durchdacht, grandios

Bereits in den 80er- und 90er-Jahren entstanden erste Meisterwerke – kleine und orchestrale Prachtstücke. Duke Ellington und seine Liebe zu Miles Davis und John Coltrane schien in ihm ein Feuer der Leidenschaft zu entfachen. Ausgefeilt, durchdacht und einfach grandios spielte und schrieb er. Mit gleichem Herzblut begann er bei Norbert Heizmanns „Eingeborenen Musik“, mit seinem Freund Notger Homburger oder in den unzähligen Gruppen mit Schlagzeuger Patrick Manzecchi oder den Formationen Uwe Ladewigs zu spielen.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch mit seiner Band „Soul Eyes“ und mit dem von ihm geleiteten „Jazz+ Rock Kommando“ der Jazz- und Rockschule Konstanz konzertierte er. Als Vorband zu Al Jarreau überzeugte er mit seinem Quintett auf dem Hohentwiel-Festival. All seine Musikerbekanntschaften zogen sich über lange Jahre hinweg und wurden zum überzeugenden Beleg für Freundschaften und gegenseitige Bewunderung innerhalb der Konstanzer Jazz-Szene.

Beseelt von seinem umfangreichen, musikalischen Musikschaffen verstarb Thomas Banholzer am 11. März mit 67 Jahren in Konstanz. Er wird uns fehlen.