„Unschuldig glitzern die garantiert frischen und echten Bodenseefelchenfilets unter dem Neonlicht in der Großküche der Fischzubereitungshalle.“ So lautet ein Satz in Erich Schütz‘ neuem Krimi „Das Geheimnis der Fischerin vom Bodensee“, der den Plot indirekt auf den Punkt bringt. Denn unschuldig sind die Fischlein ganz und gar nicht und was heißt überhaupt echt?

Die Felchen stammen aus den umstrittenen Netzgehegen von Martin Ellegast, die seine Frau, Bodenseefischerin Gerdi, vehement bekämpft. Sie setzt ganz auf Wildfang, obwohl die Bestände im See stark zurückgehen. Wie bereits für seine früheren Krimis, greift der Überlinger Buchautor Schütz erneut ein reales Thema auf: die anvisierten Netzgehege für eine Felchenzucht im Bodensee, die eine Genossenschaft anstrebt, die aber die große Mehrheit der Fischer ablehnt.

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Den Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern einer solchen Aquakultur konzentriert Schütz erzähltechnisch geschickt auf die Auseinandersetzung zwischen dem erfundenen Ehepaar Ellegast. „Das ist kein Sachbuch, das ist ein Roman!“, stellt Schütz diesem voran.

Personen und Handlungen seien frei erfunden. Ganz stimmt das nicht, so tauchen als – fiktiv verfremdete – Nebenfiguren durchaus auch real existierende Personen auf, wie etwa Schütz‘ Künstlerfreund Njoschi Weber. Auch die angeführten Argumente beider Seiten sind zu einem großen Teil aus der Wirklichkeit übernommen.

Die Doppelmoral der Verbraucher

Aber, wie Schütz vorab betont: „Es gibt im Bodensee noch keine Felchengehege und auch noch keine genmanipulierten Fische – noch nicht…“. Für seine Handlung fährt er jedoch alles Denkbare und auch – bis dato zumindest hierzulande – Undenkbare auf, das das Thema industrielle Fischzucht an Negativem hergibt. Er entwirft eine regelrechte Dystopie, die schlechteste aller möglichen Wasserwelten – und mischt sie mit Infos zu den leider realen Tricks der Lebensmittelbranche. Darüber hinaus hält Schütz aber auch den Verbrauchern und ihrer Doppelmoral den Spiegel vor.

Die Charaktere seiner Protagonisten zeichnet er, auf den gerade mal 188 Buchseiten, eher oberflächlich und schreckt dabei manchmal auch nicht vor Kitsch und Klischees zurück.

Erich Schütz: „Das Geheimnis der Fischerin vom Bodensee“. Kriminalroman. Gmeiner-Verlag, Meßkirch, 2021. 188 S., Hardcover, 16 Euro.
Erich Schütz: „Das Geheimnis der Fischerin vom Bodensee“. Kriminalroman. Gmeiner-Verlag, Meßkirch, 2021. 188 S., Hardcover, 16 Euro. | Bild: Cover

Fazit: Der Band ist natürlich kein Sachbuch reinsten Wassers, auch keine tiefgründige Kriminalliteratur, aber ein flott verfasster Roman, der viel Wissens- und Nachdenkenswertes enthält.