„Wie wahnsinnig“, sagte der Stuttgarter Opernintendant Viktor Schoner bei der Vorstellung des neuen Programms, würde man sich wieder auf „große Oper“ freuen.

Und so geht man gleich mutig in die Vollen, denn ein neuer Wagner‘scher „Ring“ soll im einstigen „Winterbayreuth“ geschmiedet werden – der erste seit dem Zyklus unter der Ägide des Intendanten Klaus Zehelein, der es gewagt hatte, die Tetralogie von vier Regisseuren inszenieren zu lassen.

Die Intendanten der Staatstheater Stuttgart Burkhard C. Kosminski (l-r, Schauspiel), Viktor Schoner (Oper), Tamas Detrich (Ballett) und Marc-Oliver Hendriks (geschäftsführender Intendant).
Die Intendanten der Staatstheater Stuttgart Burkhard C. Kosminski (l-r, Schauspiel), Viktor Schoner (Oper), Tamas Detrich (Ballett) und Marc-Oliver Hendriks (geschäftsführender Intendant). | Bild: Bernd Weissbrod/dpa

Ein Konzept, das sich nun auch Viktor Schoner zum Vorbild nimmt. So wird Stephan Kimmig im November das „Rheingold“ auf die Bühne bringen, ein Regieteam um Urs Schönbaum, Ulla von Brandenburg und das niederländische Theaterkollektiv Hotel Modern schließt im April 2022 dann mit der Walküre an. Die musikalische Leitung beider Produktionen obliegt Generalmusikdirektor Cornelius Meister.

Cornelius Meister: Der Generalmusikdirektor leitet in der neuen Saison zwei Wagner-Produktionen.
Cornelius Meister: Der Generalmusikdirektor leitet in der neuen Saison zwei Wagner-Produktionen. | Bild: Marco Borggreve

Außer Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, das im Februar von Axel Ranisch inszeniert wird, sind die weiteren vier Neuinszenierungen eher Raritäten. Am bekanntesten dürfte noch Antonin Dvoráks romantische Oper „Rusalka“ sein, aus der vor allem das „Lied an den Mond“ – von Anna Netrebko gerne als Zugabe gesungen – berühmt geworden ist.

Die Regie übernimmt Bastian Kraft, die musikalische Leitung hat die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv, die bei den Bayreuther Festspielen als erste Frau überhaupt am Dirigentenpult debütierte.

Die Barockoper findet in Stuttgart mit Antonio Vivaldis „Juditha triumphans“, inszeniert von Silvia Costa, Berücksichtigung. Paul Dessaus Oper „Die Verurteilung des Lukullus“ nach einem Text von Bertolt Brecht war eines der wichtigsten Musiktheaterwerke der ehemaligen DDR und ist in Stuttgart im November in einer Inszenierung des Regieduos Franziska Kronforth/Julia Lwowski zu sehen.

Zu guter Letzt werden im Juli 2022 noch Robert Schumanns Szenen aus Goethes „Faust“, eine Mischung aus Kantate, Oratorium und Chorsymphonie von Marco Storman szenisch auf die Bühne gebracht.

„Worauf warten wir endlich?“

Unter dem Motto „Worauf warten wir endlich“ startet das Stuttgarter Schauspiel mit insgesamt 13 Neuproduktionen, davon sieben Erst- und Uraufführungen, in die neue Saison. Thematisch werden dabei der zunehmende Rechtspopulismus, soziale Ungleichheit, die Krise der Demokratie und der Klimawandel im Zentrum der Produktionen stehen.

Passend dazu eröffnet die Spielzeit mit einem neuen Stück: In „Ökozid“, verfasst von Andres Veiel und Jutta Doberstein, stehen die politisch Verantwortlichen von heute im Jahr 2034 vor Gericht, weil sie zu wenig gegen den Klimawandel getan haben.

Die fragile hochindustrialisierte Gesellschaft

„An und Aus“ beschäftigt sich der Autor Roland Schimmelpfennig mit der Gefahr, die hochindustrialisierten Gesellschaften von Naturkatastrophen droht, und in ihrem dokumentarischen Theaterstück „Waste“ verfolgt die rumänische Theatermacherin Gianina Carbunariu den Wirtschaftskreislauf der europäischen Abfallindustrie.

Zu den Klassikern zählt Friedrich Schillers „Maria Stuart“ ebenso dazu wie eine Bühnenfassung von Dostojewskis „Schuld und Sühne“. Und damit auch die ganze Familie mal zusammen ins Theater kann, kommt Robin Hood, der Rächer aus dem Sherwood Forest, Ende November ans Schauspielhaus.

Informationen im Internet:
http://www.schauspiel-stuttgart.de/