Während sich in der Pandemie unter Veranstaltern und Publikum längst eine gewisse Streaming-Müdigkeit eingestellt hat, verbreitet das Eclat-Festival in Stuttgart Aufbruchsstimmung. Schon im Februar 2021 schien Festival-Leiterin Christine Fischer nicht bereit, die digitale Ausgabe des Neue-Musik-Festivals als bloßes Surrogat zu betrachten. Stattdessen ging es um ein Spiel mit den digitalen Möglichkeiten – nicht nur in der Übertragung, sondern auch in den künstlerischen Formaten selbst.

Der Erfolg gab der Festivalmacherin recht. Die Reichweite des Festivals war enorm. Und so kündigte Christine Fischer bereits damals an: „Wir werden nicht mehr in das ganz Analoge zurückgehen“. Sie strebe eine hybride Form an, „die es ermögliche, das lokale Publikum vor Ort zu haben, aber zugleich die Menschen aus Mexiko, dem Libanon oder Weißrussland zu erreichen.“

Zuschauer können Preis selbst bestimmen

Gesagt, getan. Die diesjährige Ausgabe von Eclat, das offiziell am Mittwoch, 2. Februar, mit einem Konzert des Ensemble Musikfabrik beginnt, findet hybrid statt. Publikum kann unter den geltenden 2G-Plus-Regeln vor Ort sein oder aber digital teilnehmen, wobei die in Echtzeit gestreamten Konzerte auch noch einige Zeit „on demand“ im Internet verfügbar sein werden. Kostenfrei sind die Veranstaltungen nicht – der Preis darf aber selbst bestimmt werden.

In der zeitgenössischen Musik, wo performative Formate ohnehin an der Tagesordnung sind, liegt es freilich nahe, auch die Möglichkeiten einer hybriden Aufführung auszuloten. So soll das digitale Publikum in dem Musiktheater „Hyphemind“ (Samstag, 20 Uhr), das sich um Pilze als Sinnbild für die Verstrickungen in globale Strukturen dreht, „in ein abenteuerliches hybrides Spiel“ verwickelt werden, wie es in der Ankündigung heißt.

Schwerpunkt Belarus

An anderer Stelle finden die Aufführenden erst im digitalen Raum zusammen. So musizieren experimentelle belarussische Exil-Bands in Kiew, Warschau, Minsk und Stuttgart gemeinsam auf der digitalen Bühne. Womit bereits der zweite wesentliche Themenschwerpunkt des Eclat-Festivals umrissen wäre: Belarus.

Nachdem die belarussische Oppositionsführerin und Musikerin Maria Kolesnikowa, die zuvor für das Eclat Festival gearbeitet hatte, in Minsk festgenommen und zu elf Jahren Lagerhaft verurteilt worden ist, gibt das Festival den Menschen im Land eine Stimme – so finden die Arbeiten belarussischer Künstler und Künstlerinnen mit „Voices from Belarus III“ oder in dem Projekt „Practices of Subordination“ ihre Fortsetzung.

Bis 6. Februar. Theaterhaus Stuttgart und digital. Infos und Tickets.