Nichts erklärt das wachsende Unbehagen am Regierungshandeln so anschaulich wie das Hin und Her um den Gründonnerstag. Ungeachtet der Frage, ob der ursprünglich geplante Ruhetag überhaupt sinnvoll gewesen wäre, muss das um diese Frage entstandene Chaos jeden vernünftigen Bürger verstören.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach ihrem Statement zur Kehrtwende in der Frage zum geplanten Ruhetag: Wie gut ist die Regierung auf alle möglichen Szenarien in der Pandemie tatsächlich vorbereitet?
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach ihrem Statement zur Kehrtwende in der Frage zum geplanten Ruhetag: Wie gut ist die Regierung auf alle möglichen Szenarien in der Pandemie tatsächlich vorbereitet? | Bild: Stefanie Loos/dpa

Beunruhigend ist nicht etwa, dass der Kanzlerin ein Fehler unterlaufen ist, wie sie selbst einräumte. Das Problem liegt auch nicht in der Tatsache, dass in der Pandemiebekämpfung grundsätzlich Fehler passieren können. Nein: Es ist vielmehr genau dieser Fehler, den man nicht für möglich halten möchte.

Mehr als ein Jahr dauert diese Pandemie inzwischen an. Diese Zeit sollte ausgereicht haben, um in den zuständigen Ministerien Pläne für alle denkbaren Szenarien zu erarbeiten. Zum Beispiel für das ja keineswegs exotische Szenario eines Ruhetages, wie er in der Runde der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin zunächst beschlossen worden ist.

Viel Expertise bei der Regierung? Wohl doch nicht

Für solche Fälle eine juristische Expertise einholen, ökonomische Folgewirkungen berechnen, eine professionelle Kommunikationsstrategie entwickeln: Als naive Bürger stellen wir uns ja vor, dass sich um all diese Aufgaben irgendwo in den zahllosen Büros der Bundesministerien schon jemand kümmern wird. Wenn Länderchefs und Kanzlerin über mögliche Maßnahmen beraten, so glauben wir, dann geschieht das selbstverständlich nicht aus dem hohlen Bauch heraus, sondern auf Grundlage einer guten Vorbereitung mit sorgfältig erarbeiteten Konzepten. Hierzulande verkündet niemand einfach Maßnahmen, ohne vorher ausreichend geprüft zu haben, ob am Ende womöglich Lieferketten zusammenbrechen.

Falsch gedacht.

Für einen kurzen Moment hat uns dieses Debakel einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht. Zu sehen war ein Abgrund. Es ehrt die Bundeskanzlerin, dass sie die Verantwortung für einen begangenen Fehler übernimmt. Am Abgrund selbst ändert das nichts.

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