Krisen bergen auch Chancen. Hört man in Corona-Zeiten allenthalben, soll heißen: Die Gelegenheit scheint günstig, alles mal ganz anders – zumindest zu denken. Bei der Premiere des See-Burgtheaters von Shakespeares „Was ihr wollt“ in Kreuzlingen war dieses Jahr gleich zu Anfang etwas anders. Anstatt der für Kultur zuständigen Regierungsrätin überbrachte ihr für Gesundheit zuständige Kollege Urs Martin den Gruß des Kantons Thurgau.

In Illyrien gestrandet

Viola durchlebt solch eine Krise. Als Schiffbrüchige im fremden Illyrien gestrandet meint sie, sich besser durchschlagen zu können, wenn sie als Mann geht. Wie die vielseitige Sofia Elena Borsani nach und nach in die Männerkluft steigt, sie ihre Stimme tiefer legt und ihre Bewegungen eckiger werden, ist da so etwas wie die Sehnsucht nach dem Anderssein. Regisseur Max Merkers lustvolles Volkstheater setzt auf Diversität.

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Die Bühne besteht aus einem über zwei Stege zugänglichen Bretterboden, den Damian Hitz über dem Seeufer und nahe am Publikum errichtet hat. Begrenzt wird sie von einem Geländer, das des Öfteren verhindert, dass diese verrückte Bande in den Abgrund, sprich, ins Wasser stürzt. Das war bei der Premiere besonders kitzlig, weil es regnete und man so schon um die Schauspielenden fürchtete. Große Bewunderung für das Ensemble.

Ringelpiez mit Rollen

Möglicherweise lag es an diesen widrigen Umständen, dass die Vorstellung zunächst trotz der rundweg tollen Schauspielleistung etwas stotterte, bevor das Ringelpietz mit Rollen und Identitäten immer mehr in Fahrt kam.

Da passiert es fast, dass die als Cesario verkleidete Viola den Herzog (Giuseppe Spina) küsst, obwohl er meint, sie sei ein Mann, und in Olivia (Jeanne Devos) verliebt ist, deren Fantasie wiederum von Viola/Cesario angeregt wird. Verwechslungskomödie als Experimentierfeld in Sachen Liebe, begleitet von den schrillen Untertönen von Sandro Corbats E-Gitarre. Spätestens beim Erscheinen von Violas Zwillingsbruder Sebastian (Samuel David Braun) lautet die Frage: Wer bin ich – und wenn ja wie viele?

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Auch ganz wesentlich fürs Vergnügen: der immerzu betrunkene Sir Toby Rülp (Franz Josef Strohmeier) und seine Helfershelfer.

Vorstellungen bis 14. August. Karten unter http://info@see-burgtheater.http://ch