Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (1911-1991, „Homo Faber“) notierte einst Fragen, die auch den klügsten Kopf in Verlegenheit bringen. Mit freundlicher Genehmigung des Suhrkamp-Verlags, in dem der Fragebogen erschienen ist, lassen wir regelmäßig prominente Persönlichkeiten auf einige der Fragen antworten. Heute ist der Philosoph Bernward Gesang an der Reihe.

Wie viel Geld möchten Sie besitzen?

Alles Geld dieser Erde. Dann könnte man es so verteilen, dass das Wohlergehen auf der Welt maximiert wird. Aber zuerst gibt‘s ein neues Cembalo für mich. Hätte ich Geld und wäre Politiker, könnte ich dieses Geld für Strukturänderungen ausgeben. Als Privatperson kann ich das nicht. Da kann ich nur spenden, aber mit Köpfchen, was ich in meinem Buch beschreibe. Wenn ich etwa Geld für arme Bauern im Regenwald spende, erreiche ich mehrere Vorteile zugleich: Ich helfe armen Menschen; ich verursache, dass sie ein Auskommen haben und nicht gezwungen sind, ihr Land an Großkonzerne zu verkaufen. So verhindere ich, dass der Regenwald abgeholzt wird. Das hat großen Effekt auf das Klima, für den Artenschutz und für den Tierschutz. Das betreiben Hilfsorganisationen wie „Cool Earth“ strategisch und man kann ihnen einfach dabei helfen. Damit ermögliche ich es, mehr CO2 zu sparen, als wenn ich meine Autoschlüssel wegwerfe und mein direktes Emissionsverhalten umstelle.

Was gefällt Ihnen am Neuen Testament?

Dass Jesus Liebe predigt. Allerdings gibt es auch viele Stellen, wo er etwa Heiden droht und Sklaven rechtfertigt und diese Stellen werden heute einfach ignoriert (etwa Lk 10.4, Jh 17.1, Mt 25.14). Ich denke also, der Jesus, den wir wahrnehmen, ist das Produkt einer Täuschung, aber diese Täuschung ist sympathisch.

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Welche Staatsmänner halten Sie für moralisch?

Da fällt mir kaum einer ein. Sie denken, wenn es gut läuft, an das Wohl ihres Volkes in naher Zukunft. Moral erfordert einen Blick auf alle Menschen zu allen Zeiten. Das kann man in unseren Strukturen kaum umsetzen. Selbst Demokratien sind „unmoralisch“, da für ein Staatsvolk parteiisch. Die Kunst ist es, diese Parteilichkeit auszuleben und trotzdem aufs Ganze zu schauen und die Strukturen langsam dahingehend zu verändern. Insofern war die Schaffung der Uno sicherlich vorbildlich.

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Braucht die Moral eine Polizei oder umgekehrt?

Selbst das Recht ist nur dann Recht, wenn es nicht eklatant gegen die Maßstäbe der Moral verstößt. Wenn das Recht zur Durchsetzung der Polizei bedarf, dann hat die Moral also schon Polizisten in Dienst, denn Recht und
Moral sind im Kern aneinander gekoppelt.

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Donald Trump.

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