Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (1911-1991, „Homo Faber“) notierte einst Fragen, die auch den klügsten Kopf in Verlegenheit bringen. Mit freundlicher Genehmigung des Suhrkamp-Verlags, in dem der Fragebogen erschienen ist, lassen wir regelmäßig prominente Persönlichkeiten auf einige der Fragen antworten. Heute ist der Schriftsteller Peter Salomon an der Reihe.

Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Ja, wenn es so etwas Ähnliches wäre, wie das absolute Gehör. Nicht ALLES wird gespeichert, sondern das Gespeicherte erscheint rein und unverfälscht, wenn man es wieder abruft. Man hört, riecht und sieht das Vergangene noch mal ganz deutlich in der Erinnerung.

Wie viel Geld möchten Sie besitzen?

So viel, dass ich mir in einer guten Senioren-Residenz eine Zwei-Zimmer-Wohnung leisten kann und für meinen bisherigen Lebenszuschnitt noch genug Geld vorhanden ist.

Können Sie sich eine Frauenwelt vorstellen?

Ja. Und sicher kommt sie auch. Als junger Rechtsanwalt erlebte ich, wie immer mehr Frauen ins Richteramt kamen und in die Behörden als Sachbearbeiterinnen. Damit änderten sich die Umgangsformen auf das Angenehmste, was den Fall-Erledigungen sehr zugutekam und die Arbeit entspannter machte.

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Die Saurier überlebten 250 Millionen Jahre; wie stellen Sie sich ein Wirtschaftswachstum 250 Millionen Jahre vor?

Ich kann mir schon kein Wirtschaftswachstum über weitere 100 Jahre vorstellen. Aber leider ist das kein lebender Organismus, der einfach absterben könnte. Vermutlich wird es nicht ohne Revolution abgehen.

Wie alt möchten Sie werden?

Die Frage beschäftigt mich oft. Aber ich weiß keine Antwort darauf. Ich muss auf den Zeitpunkt warten, wo ich sagen kann: „Jetzt ist es genug!“ Aber was dann?

Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Meinen Vater.

Gesetzt den Fall, sie haben nie einen Menschen umgebracht, wie erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?

Zweimal sind Freunde von mir fast zu Tode gekommen durch meinen Leichtsinn. Wir haben Glück gehabt. Auch umgekehrt gab es das zweimal. Glück spielt bei Dingen um Leben und Tod immer eine große Rolle.

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Haben Sie Angst vor dem Tod und seit wann?

Ja, seit Kindertagen. Ich erinnere mich daran, dass ich vor Weihnachten Geschenke, die ich mir gewünscht hatte, heimlich schon selbst gekauft habe, weil ich dachte, ich erlebe die Bescherung nicht mehr und müsste die Freude vorverlegen.

Hoffen Sie auf ein Jenseits?

Nein. Aber ich vertraue auf die Aufnahme in die Natur, von der ich dann wieder mehr Teil sein werde als jetzt im ausgekoppelten Zustand.