Was ist los in Deutschland? Seit uns der Lockdown die Einkaufsfreuden vermiest, melden die Polizeidienststellen fast täglich Einbrüche in Baumärkte. Meist wird nichts gestohlen, was sich leicht erklären lässt: Die Eindringlinge sind verstörte Heimwerker, die unter Entzugserscheinungen leiden.

Sie brauchen die Aura, die Luft und das Vollsortiment des Baumarkts, um ganz bei sich zu sein. Viele stehen daheim zitternd in ihren Bastelkellern, weil sie seit drei Wochen kein neues Werkzeug mehr gekauft haben. Das ist eine Katastrophe für ein Land, in dem das Heimwerken zu einer nationalen Tat von höchstem Prestigewert geworden ist!

Verdübelte Millionen

Großartige Projekte zeugen davon: Tausende von Hobbybastlern haben am Berliner Flughafen BER jahrzehntelang mitgebaut und überlegen nach der Eröffnung fieberhaft, ob man nicht doch ein paar Rolltreppen vergessen hat. Begnadete Do-it-yourself-Helden haben an der Hamburger Elbphilharmonie zig Millionen um zig Millionen verdübelt, alle Kostenrahmen mutig gesprengt und etwas aufgebaut, das sich wirklich sehen lassen und in dem man sogar laut singen kann.

Blick in den Zuschauerraum des Stuttgarter Opernhauses. Hier wird der Umbau ganz teuer.
Blick in den Zuschauerraum des Stuttgarter Opernhauses. Hier wird der Umbau ganz teuer. | Bild: Bernd Weissbrod/dpa

Von Stahl, Glas und Beton fanatisierte Schwaben sind in Stuttgart seit bald zehn Jahren damit beschäftigt, einen Bahnhof zu bauen, der in puncto Kosten den historischen Vergleich mit dem Schloss von Versailles aushält. Man hofft, dass noch genug Probleme mit dem rutschenden Untergrund auftauchen, um mindestens weitere zwanzig Jahre Bagger, Kräne, Tunnelbohrer und Daimler-Lkw bewegen zu können.

Von derselben Hoffnung lassen sich jetzt auch die Kölner Stadtväter leiten. Sie wollen seit Jahren ihre Oper sanieren und hoffen auf das größte jemals aufgerissene Millionengrab ganz Deutschlands. Zunächst haben sich die Kölner Jecken einen Jux daraus gemacht, die Kosten bei lächerlichen 260 Millionen Euro anzusetzen. Inzwischen feiert man am Rhein eine Preisexplosion auf das Dreifache. Hamburgs Rekord könnte fallen!

Wie viel Geld kann in eine Bühne fließen? Köln hat hier viel vor.
Wie viel Geld kann in eine Bühne fließen? Köln hat hier viel vor. | Bild: Henning Kaiser/dpa

Köln hofft, die Bausumme auf eine Milliarde Euro hochtreiben zu können; vermutlich wird das am Rosenmontag im Gürzenich verkündet. Die (Um)Baugeschichte der Oper Köln ist inzwischen so lang, dass sie die 1000 Seiten des Alten Testaments locker toppen kann. Wer überhaupt als erster auf die Idee einer Sanierung kam, weiß kein Mensch mehr.

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Man ist zuversichtlich, mit weiteren Architekturwettbewerben, Gerichtsverfahren, Rauswürfen und Machbarkeitsstudien den Baubeginn um weitere zehn Jahre hinauszögern zu können – es ist ja erst neun Jahre her, dass in der Oper der letzte Vorhang fiel. Im Sommer jährte sich zum fünften Mal der Tag, an dem die Oper Köln hätte wiedereröffnet werden sollen. Inzwischen hat man den Zeitplan endlich in die Tonne kloppen können.

Das ist aber nichts gegen die bei Großprojekten führenden Stuttgarter. Die wollen ihre Oper auch sanieren, sagen aber jetzt schon, dass das in Summe nicht unter einer Milliarde Euro zu machen ist. Da vor dem Baubeginn eine Übergangs-Oper hingestellt werden muss, besteht die Chance, die Kölner Pläne in den Schatten zu stellen. Wohlmeinende rechnen mit einer Bauzeit von 50 Jahren und Kosten von einer Billion Euro. Bewerbungen von Hobbyhandwerkern sind unter http://www.stuttgart.de/serviceab sofort möglich.