Vor einigen Jahren sorgte das Marvel-Spektakel «Black Panther» für viel Aufsehen. Der Film, dessen Besetzung überwiegend aus schwarzen Darstellerinnen und Darstellern bestand, war nicht nur ein Kassenerfolg, sondern erhielt auch drei Oscars.

«Black Panther» gilt als Meilenstein des Kinos in Sachen Repräsentation. Nun geht «The Woman King» noch einen Schritt weiter. Im Actionepos der schwarzen Regisseurin Gina Prince-Bythewood («The Old Guard») spielen schwarze Frauen um Oscar-Gewinnerin Viola Davis («Fences») die Hauptrollen.

Im Mittelpunkt stehen die Agojie, die Frauen-Armee des Königreichs Dahomey, des heutigen Benin. Die Agojie, auch Dahomey-Amazonen genannt, galten im 19. Jahrhundert als besonders gefürchtet und kämpften gegen den westafrikanischen Sklavenhandel, gegen die europäischen Ausbeuter und die afrikanischen Oyo, die mit den Besatzern gemeinsame Sache machten und an der Versklavung von Menschen mitverdienten. So erzählt zumindest «The Woman King» die Geschichte. Zwar gab es die Agojie tatsächlich, aber in Wirklichkeit war ihre Rolle mit Blick auf die Sklaverei wohl komplizierter.

Viola Davis spielt Naninca, die mit allen Wassern gewaschene Anführerin der Agojie, die schon in der ersten Szene des Films einer Gruppe von männlichen Kämpfern den Garaus macht, um Gefangene zu befreien. Allerdings trägt Naninca ein Trauma aus ihrer Vergangenheit mit sich herum. An ihrer Seite stehen die kluge Amenza (Sheila Atim) und die toughe Izogie (Lashana Lynch aus dem James-Bond-Film «Keine Zeit zu sterben»). König Ghezo («Star Wars»-Star John Boyega) schätzt zwar Nanincas Meinung und ihre Elitetruppe, trotzdem ist er ein echter Macho. Politisch muss sich Naninca gegen Ghezos Ehefrauen behaupten.

Als junge Rekrutin bei den Agojie bringt die ungestüme, aber sehr talentierte Nawi (Kino-Newcomerin Thuso Mbedu) mehr als einmal die Ordnung bei den Agojie durcheinander - sehr zum Ärger von Naninca. Obwohl es den Kriegerinnen verboten ist, einen Mann oder gar Kinder zu haben, flirtet Nawi mit dem jungen Europäer Malik (Jordan Bolger), dessen Mutter einst als Sklavin aus Dahomey nach Europa gebracht wurde. Malik, der mit einer Gruppe von Sklavenhändlern nach Afrika gekommen ist, muss sich bald fragen, auf wessen Seite er steht.

Dass in Gina Prince-Bythewood eine schwarze Frau Regie geführt hat, machte für die Darstellerinnen einen großen Unterschied. «Man fühlt, dass man gesehen wird in einer Welt, wo man als schwarze Frau oder als Frau mit dunkler Haut manchmal nicht gesehen wird», sagte Viola Davis der Deutschen Presse-Agentur in London. «Es gibt dir das Gefühl, wertgeschätzt zu werden, und es gibt dir das Gefühl, echt zu sein.» Für Thuso Mbedu war «The Woman King» die erste Arbeit mit einer schwarzen Regisseurin. «Es war absolut erfrischend», sagt sie.

Die Schauspielerinnen mussten sich vor Drehbeginn einem monatelangen intensiven Fitness- und Bodybuilding-Programm unterziehen, um ihren Rollen auch physisch gerecht zu werden. Zumal alle Darstellerinnen ihre Stunts und Kampfszenen - davon gibt es viele - selbst machen sollten. Die actionerprobte Lashana Lynch nannte die körperlichen Strapazen die «größte Herausforderung» ihrer bisherigen Karriere.

«The Woman King» handelt von Sklavenhandel, Rassismus, Sexismus und Vergewaltigung. Trotz der ernsten Themen hat Gina Prince-Bythewood einen erstaunlich unterhaltsamen Film gemacht. Dass er einige Klischees bedient, weitestgehend fiktiv ist und nur sehr lose auf Tatsachen basiert, ist verzeihlich. Denn «The Woman King» ist Unterhaltungskino für die Sinne und keine Geschichtsstunde mit Anspruch auf Authentizität. Das wird schon klar, wenn man die stylischen Kostüme und die modern anmutende Ausstattung auf der Leinwand sieht. Nach dem im Vorspann genannten Jahr 1823 sieht das nicht unbedingt aus

Gina Prince-Bythewood legt den Fokus auf die Armee der schwarzen Frauen, ihre Anmut und ihre Stärke. Das hat es vorher in keinem Hollywood-Blockbuster gegeben. Historisch inspirierte Actionepen und Fantasyfilme - von «Ben Hur» über «Conan, der Barbar» bis «Gladiator» - waren meist weißen Männern vorbehalten. Dass es auch anders geht, zeigt «The Woman King» eindrucksvoll und ist damit nach «Black Panther» ein weiterer Schritt in Sachen Repräsentation im Kino.