Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (1911-1991, „Homo Faber“) notierte einst Fragen, die auch den klügsten Kopf in Verlegenheit bringen. Mit freundlicher Genehmigung des Suhrkamp-Verlags, in dem der Fragebogen erschienen ist, lassen wir regelmäßig prominente Persönlichkeiten auf einige der Fragen antworten. Heute ist der Mandolinist Avi Avital an der Reihe.

Können Sie ohne das Gefühl von Heimat überhaupt an sich denken?

Ganz und gar nicht. Früher habe ich geglaubt, dass Heimat ein vager Begriff in meinem Leben ist, weil ich viel Zeit auf Konzerten unterwegs war. Je älter ich werde, desto mehr spüre ich diese unsichtbare Schnur, die sich spannt, wenn ich mein Zuhause verlasse. Das Gefühl von Zuhause kommt von einem tiefen Gefühl der Zugehörigkeit und stellt sich ein, wenn alle meine Sensoren auf Werkseinstellung herunterfahren.

Verändert sich der Humor mit dem Alter?

Wir lachen über einen Witz in dem Moment, in dem die Logik, die eingestellt war, bricht oder sich verbiegt. Mit dem Erwachsenwerden verändert sich unsere logische Sicht auf die Welt und auch unsere Fähigkeit, Komplexität zu verarbeiten. Ich kenne einige Witze, die nur drei Jahre alte Kinder hysterisch lachen lassen, während Erwachsene sie nie verstehen werden.

Wären Sie lieber in eine andere Nation (Kultur) hineingeboren worden und wenn ja, in welche?

Ich bin in Israel mit Eltern aufgewachsen, die aus Marokko kamen, und in einer Generation, die ein wirklich multikulturelles Umfeld genossen hat. Ich würde das nie ändern und fühle mich sehr glücklich darüber. Ich möchte nur vorsichtig hinzufügen, dass ich eine Schwäche für die italienische Kultur habe.

Seit er acht Jahre alt ist, spielt er Mandoline. 2011 wurde er für einen Grammy nominiert – als erster Musiker seines Fachs überhaupt.
Seit er acht Jahre alt ist, spielt er Mandoline. 2011 wurde er für einen Grammy nominiert – als erster Musiker seines Fachs überhaupt. | Bild: Christoph Köstlin / DGG

Wenn Sie die Macht hätten, heute gegen den Willen der Mehrheit das zu diktieren, was Sie für richtig halten – würden Sie diese Macht nutzen? Ja oder nein.

Nein, natürlich nicht! Hat darauf etwa jemand mit Ja geantwortet?

Warum nicht, wenn Sie es für richtig halten?

Weil ich auf meine eigene Perspektive beschränkt bin, und die Perspektive einer Person reicht nie aus, um ein vollständiges Bild zu bekommen.

Wann haben Sie aufgehört zu denken, dass Sie schlauer werden – oder denken Sie immer noch, dass Sie es werden? Geben Sie Ihr Alter an.

Ich bin 42 Jahre alt, ich glaube fest daran, dass ich noch schlauer werden kann und tue mein Bestes, diesen Glauben täglich zu praktizieren.

Sind Sie von Ihrer Selbstkritik überzeugt?

Zu vier von zehn Punkten.

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