Der Schriftsteller Max Frisch (1911-1991, „Homo Faber“) notierte einst Fragen, die auch den klügsten Kopf in Verlegenheit bringen. Mit freundlicher Genehmigung des Suhrkamp-Verlags, in dem der Fragebogen erschienen ist, lassen wir regelmäßig prominente Persönlichkeiten auf einige der Fragen antworten – heute ist die Lyrikerin Nora Gomringer an der Reihe.

Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Für alles Unwiederbringliche vielleicht.

Was könnten Sie sich nicht verzeihen?

Ich bin ja schon 41. Da braucht es den Indikativ.

Braucht die Moral eine Polizei oder umgekehrt?

So und so.

Tun Ihnen die Frauen leid?

Oft, ja.

Was bezeichnen Sie als männlich?

Mich: oft.

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Können Sie sich eine Frauenwelt vorstellen?

Muss ich nicht. Eine Welt der Frauen ist mir nicht fremd.

Wissen Sie in der Regel, was Sie hoffen?

Ja.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Das Idealgewicht.

Können Sie ohne Hoffnung denken?

Geht schon, aber mag man‘s?

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Welche Probleme löst eine gute Ehe?

Probleme einer schlechten.

Halten Sie Geheimnislosigkeit für ein Gebot der Ehe oder finden Sie, dass gerade das Geheimnis, das zwei Menschen voreinander haben, sie verbindet?

Geheimnisse sind für alte Mauern.

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Mich und meinen Vater.

Verändert im Alter sich der Humor?

Mancher hat erst im Alter welchen.

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Die Saurier überlebten 250 Millionen Jahre; wie stellen Sie sich ein Wirtschaftswachstum über 250 Millionen Jahre vor? (Stichworte genügen.)

Wir wollen ja nicht hoffen, dass es nötig sein wird, so lange weiterzuarbeiten.

Können Sie sich eine menschliche Existenz (das heißt: die Erste Welt) überhaupt noch vorstellen ohne Computer?

Problemlos. Aber die Existenz der Computer ist dann gefährdet. Das nehmen die übel.

Wie alt möchten Sie werden?

Solange ich gut rieche.

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Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Meine Mutter. Und unsere Hunde.

Wen hingegen nicht?

Meinen Peiniger.

Wann haben Sie aufgehört zu meinen, dass Sie klüger werden oder meinen Sie‘s noch? Angabe des Alters.

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